Erfurt vs Osnabrück: Interview mit Angelo Barletta

Der ehemalige Innenverteidiger über seine beiden Ex-Klubs

Angelo Barletta im Zweikampf mit Tino Semmer

Kennt sich mit beiden Teams aus. Angelo Barletta (l.) spielte sowohl für Osnabrück als auch für Erfurt. ©Imago/Bild13

Mit Rot-Weiß Erfurt spielte er in der 2. Bundesliga, mit dem VfL Osnabrück stieg er dorthin auf – die Rede ist von Angelo Barletta. Der heute 40-Jährige spricht vor dem anstehenden Duell seiner beiden Ex-Teams am Dienstag (Anstoß: 18.30 Uhr) im Interview mit Liga-Drei.de über die aktuelle Situation beider Teams.

Herr Barletta, Sie spielten ein Jahr für Rot-Weiß Erfurt und zwei Jahre für den VfL Osnabrück. Zu welchem Verein sind die Verbindungen heute besser?
Angelo Barletta: „Zu Osnabrück. Ich hatte bei beiden Vereinen eine schöne Zeit, aber in Osnabrück war ich zwei Jahre. Mit dem VfL sind wir aufgestiegen, hatten schöne Pokal-Triumphe und zudem ist mein Erstgeborener in Osnabrück zur Welt gekommen. Dementsprechend bin ich dort ein wenig mehr verankert.“

Beide Teams haben vor dem direkten Duell am Dienstag verschiedene Probleme. Osnabrück hatte mit einem Negativ-Lauf zu kämpfen. Wie erklären Sie sich den Absturz?
Barletta: „Wie es halt so ist im Fußball: Wenn man der Zielgerade so langsam entgegen kommt, macht man sich mehr Gedanken. Und wenn es einmal nicht so richtig läuft, kann es im Kopf zu einer Blockade kommen.“

Niemand identifiziert sich so sehr mit dem Verein wie er. (über VfL-Trainer Joe Enochs)

Unter den Fans mehrt sich die Kritik an Trainer Joe Enochs, der in der Zweitliga-Saison 2010/11 auch kurzzeitig Ihr Coach war. Können Sie die Kritik nachvollziehen?
Barletta: „Im Fußball ist es immer so: Wenn man nicht gewinnt, ist der Trainer immer das schwächste Glied. Nur Joe ist so verankert mit dem Verein, er bringt so viel Herzblut mit, dass ich es absolut schade finde, dass er in der Kritik steht. Es gibt niemanden, der sich so sehr mit dem Verein identifiziert wie er.

Er ist ein sehr akribischer Arbeiter. Und er hat ja trotz allem bisher eine gute Saison hinter sich. Nur weil es mal ein paar Spiele nicht so geklappt hat, sollte man nicht alles infrage stellen.“

Kurze Zwischenfrage: Sie selbst sind aktuell Trainer bei Bayern Alzenau in der Hessenliga. Können Sie sich vorstellen, auch mal höherklassig zu trainieren?
Barletta: „Das ist auf jeden Fall mein Ziel. Aber man braucht erst einmal Erfolg mit dem momentanen Verein. Wenn wir mit Alzenau das Ideale schaffen, sprich um den Aufstieg in die Regionalliga zu spielen, dann wäre es für mich auch einfacher, mich für den Fußballlehrer zu bewerben. Das würde es mir dann einfacher machen, in den bezahlten Fußball zu kommen. Aber im Moment ist Bayern Alzenau für mich das Allerwichtigste. Hier will ich erst einmal saubere Arbeit abliefern.“

Zurück zum VfL. Aus dem aktuellen Kader spielten Sie noch mit Alexander Dercho und Konstantin Engel zusammen. Wie wichtig sind beide für die „Lila-Weißen“?
Barletta: „Alex ist immer dort geblieben, er hat nur seinen Nachnamen geändert – ich kenne ihn ja noch als „Krüki“. (lacht) Er ist ein technisch versierter Mann, der sehr schnell auf den Beinen ist und die linke Bahn sehr gut beackert. Und Koka ist ein Zerstörer im Mittelfeld, ein sehr ehrlicher Arbeiter. Das sind auf jeden Fall zwei Spieler, die das Zeug haben, höher als in der 3. Liga zu spielen.“

Alle Termine zur 3. Liga – hier geht’s zum Spielplan

Rechnen Sie damit, dass der VfL trotz der zwischenzeitlichen Negativ-Serie bis zum Saisonende um den Aufstieg in die 2. Bundesliga mitspielen wird?
Barletta: „Ja, – es ist ja alles eng beieinander. Auch die Vereine, die jetzt gerade oben stehen, können die gleichen Probleme bekommen wie Osnabrück: Lass‘ die mal Unentschieden spielen oder verlieren, dann fängt es bei denen auch mit der Nervosität an. Das Wichtigste ist: Der VfL muss die Ruhe bewahren, der Joe ist ein Top-Mann. Wenn die Leute in Ruhe arbeiten können, dann wird das schon.“

Für Erfurt wäre ein Abstieg brutal. (über den Kampf um den Klassenerhalt bei RWE)

Ganz andere Sorgen hat Rot-Weiß Erfurt. Befürchten Sie den Abstieg?
Barletta: „Das wäre auf jeden Fall sehr schade. Die haben ja gerade ihr Stadion umgebaut und die Fan-Base ist dort ähnlich gut wie in Osnabrück. In Erfurt wird Fußball gelebt, die Stadt ist zudem sehr schön. Wenn sie absteigen würden, wäre das sehr bitter, weil es sehr schwierig ist, aus der Regionalliga wieder hoch zu kommen. Das sieht man gerade zum Beispiel an Kickers Offenbach. Für Erfurt wäre ein Abstieg also schon brutal.“

Zusätzlich zu den Abstiegssorgen hat RWE auch arge finanzielle Probleme. Leidet man da als Ex-Spieler eigentlich mit?
Barletta: „Mitleiden wäre zu viel gesagt. Aber ich habe auf jeden Fall Mitgefühl. Man sieht ja, dass das Interesse am Verein groß ist und es viel Bewegung im Klub gibt. Deshalb drücke ich den Erfurtern natürlich die Daumen, dass sie die Klasse halten.“

Erfurt hat ein schweres Programm vor der Brust. Nach Osnabrück geht es gegen Duisburg, Magdeburg sowie die wiedererstarkten Reserve-Teams aus Mainz und Bremen. Wie gefährlich ist die Situation für RWE?
Barletta: „Sehr bedrohlich. Die anderen Vereine schlafen nicht, Wehen hat durch den Trainerwechsel zum Beispiel gerade ein wenig Aufwind bekommen. Die Erfurter müssen also schauen, dass sie punkten – auch wenn sie gerade ein wenig mit dem Rücken zur Wand stehen. Dementsprechend muss RWE schon aufpassen.“

Wie wichtig ist in dieser Situation ein Führungsspieler wie Sebastian Tyrala, mit dem Sie ebenfalls gemeinsam in Osnabrück spielten?
Barletta: „Basti ist auch ein Typ, der höherklassig spielen kann. Er kann die Mannschaft als Leader führen und mitreißen. Ich habe da vollstes Vertrauen in ihn, dass er das hinbekommt.“

Osnabrück hat das Hinspiel klar gewonnen, aber die jüngsten vier Partien im Steigerwaldstadion allesamt verloren. Wohin schlägt das Pendel am Dienstag aus?
Barletta: „Ich glaube an ein knappes Spiel, das Osnabrück gewinnen wird.“

Vielen Dank für das Interview, Herr Barletta!

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