Interview mit Ex-Spieler Marcel von Walsleben-Schied

Erfahrene Spieler helfen Rostock weiter

Marcel Schied, Rostock Stürmer

Für Marcel von Walsleben-Schied hat der FCH immer noch einen Platz im Herzen. ©Imago/Contrast

Ende Juli feiert Marcel von Walsleben-Schied seinen 34. Geburtstag – fußballerisch kann der Stürmer jedoch immer noch mit halten. 28 Ligatore erzielte der frühere Rostock-Akteur in der abgelaufenen Spielzeit für seinen neuen Verein, den TuS Dassendorf. Im Interview mit Liga-Drei.de spricht der ehemalige Junioren-Nationalspieler über seine Zeit bei Hansa, Identifikationsfiguren und seine Einstellung zur Sommervorbereitung.

Herr von Walsleben-Schied, 2002 haben Sie bei Hansa Rostock zum ersten Mal Bundesligaluft geschnuppert. Was war das für ein Gefühl?
Marcel von Walsleben Schied: „Ich glaube für jeden Spieler, gerade für einen jungen Spieler, ist es ein riesiger Traum, der dann in Erfüllung geht. 18 Jahre war ich damals alt und spielte noch in der A-Jugend. Ich habe immer noch Gänsehaut, wenn ich an den Moment zurückdenke, als mich Armin Veh heranrief und sagte: ‚Marcel, jetzt geht’s los!‘. Wir spielten in Köln, im alten Müngersdorfer Stadion. Das war riesig.“

Ist der FCH für Sie immer noch ein besonderer Verein?
Von Walsleben Schied: „Wer mich danach fragt, der weiß das. Als ich zu Hansa kam, war es natürlich ein normaler Verein. Aber das hat sich im Laufe der Jahre geändert. Rostock ist ein Verein, der mir immer noch sehr am Herzen liegt. Man hat immer ein Auge für den Verein, man fiebert mit und wünscht sich immer das Beste.

Hansa ist mein Verein und wird es immer sein. (über die Hansa-Kogge)

Hansa ist mein Verein und wird es immer sein. Ich habe viel mit Rostock erlebt, auch wenn es natürlich nicht immer alles perfekt verlaufen ist. Gerade mein Abschied war etwas traurig, als mir der Verein nach dem Abstieg 2012 mitgeteilt hat, dass mein Vertrag nicht verlängert wird. Aber darüber bin ich hinweg – Rostock ist immer in meinem Herzen.

Hansa vollzieht gerade einen größeren Umbruch. Pavel Dotchev schaffte trotz größerer Personalrochade auch mit Aue zuletzt den Aufstieg – ist damit auch in diesem Jahr bei Hansa zu rechnen?
Von Walsleben Schied: „Ich bin da immer vorsichtig – vor allem in der 3. Liga. Das hat man in der letzten Saison gesehen, als Regensburg als Aufsteiger solide gestartet ist und dann das Ding durchgezogen hat. Ich kann das nur mit meiner Saison 2010/11 in Rostock vergleichen, wo Peter Vollmann nach dem Abstieg ein komplett neues Team aufbauen musste. Da haben viele gefragt: ‚Wen haben die denn jetzt geholt? Den kennt doch niemand‘.

Damals sind nur wenige Spieler geblieben. Uns hat niemand den Aufstieg zugetraut, das war unser größtes Faustpfand. Wir sind zu einer echten Mannschaft geworden und haben uns auch durch Niederlagen nicht aus der Ruhe bringen lassen. Ich würde es Rostock sehr wünschen, es wird jedoch schwierig. Wenn der Verein, wie angekündigt, noch erfahrene Spieler holen wird, dann kann es klappen.

Nur mit jungen Spielern wird es schwierig, da diese auch mal dazu neigen, sich im Saisonverlauf eine Auszeit zu gönnen. Pavel Dotchev ist der richtige Mann am Ruder, der auch in schwierigen Phasen richtige Entscheidungen treffen kann.“

Er ist der richtige Mann am Ruder. (über Pavel Dotchev)

Sie haben sich immer zu 100 Prozent mit Rostock identifiziert. Denken Sie gerade diese Identifikationsfiguren fehlen in der aktuellen Mannschaft?
Von Walsleben Schied: „Immer wenn mehrere Spieler wechseln, fragen sich die Fans natürlich: ‚Wem soll ich eigentlich zujubeln, wenn ich ins Stadion gehe?‘ Überspitzt formuliert, müssen sich die Fans vor der Saison dann wieder ein neues Trikot zulegen, weil der Spieler nicht mehr beim Verein ist. Es ist aber nicht meine Art, dies zu beurteilen.

Ich will der jetzigen Mannschaft und auch dem Team aus der letzten Saison nichts absprechen. Doch vielleicht ist es so, dass noch ein, zwei Spieler fehlen, die das Ruder an sich reißen und Rostock durch die Saison führen können. Spieler, die sich mit Hansa identifizieren und dazu stehen. In der letzten Saison war es für mich noch Tobi Jänicke. Im Vorfeld einer Saison ist es natürlich schwierig zu sagen, wer in diese Rolle schlüpfen wird.“

Sie spielten leihweise bei Carl Zeiss Jena und der SpVgg Unterhaching – verfolgen Sie das Geschehen dort noch?
Von Walsleben Schied: „Es freut mich, dass beiden Vereine aufgestiegen sind. Es klingt zwar blöd, auch weil ich in Jena nur ein halbes Jahr war, aber es war eine echt geile Zeit – trotz des Abstiegs. Die Truppe war super, und fußballerisch hätten wir nie absteigen dürfen. Wir haben zu viele Punkte in engen Spielen liegen gelassen und manchmal in der Schlussphase noch wichtige Zähler verloren. Wir haben im Pokal gezeigt, welches Potenzial wir hatten. Zur Spielvereinigung aus Unterhaching hatte ich noch einige Jahre über den Zeugwart und die Physio-Abteilung Kontakt, das hat sich aber zuletzt auch zerschlagen. Ich werde leider älter – und die Spieler jünger.“

Welche Rolle können die Vereine in der dritten Liga spielen?
Von Walsleben Schied: „Jena traue ich alles zu. Natürlich ist es das primäre Ziel, die Liga zu halten. Man hat es jedoch in der letzten Saison gesehen: Wenn man in einen Strudel kommt und die nötigen Punkte holt, dann kann das Team schnell oben mitspielen. Haching ist eine sehr junge Mannschaft, von der ich hoffe, dass sie nicht direkt wieder runter muss.“

Derzeit laufen beim TuS Dassendorf die Vorbereitungen auf die kommende Spielzeit. Wie viel Bock haben Sie nach 15 Profijahren noch auf die Sommervorbereitung?
Von Walsleben Schied: „Sie brauchen nur meinen Trainer anzurufen, dann wissen sie wie viel Bock ich habe (lacht). Nach 15 Jahren ist es einfach enorm schwer, zumal die Arbeit hinzugekommen ist. Früher hatte man 2-mal Training am Tag und konnte anschließend aufs Sofa fallen.

Heute gehe ich um 7 Uhr aus dem Haus und bin manchmal gegen 22 Uhr erst wieder daheim – da kann man sich vorstellen, wie ich mich abends beim Training fühle. Da bin ich dann auch froh, wenn der Trainer uns rein ruft und sagt: ‚Schluss für heute!‘. Vorbereitung macht nie Spaß. Diese Einheiten können wir ruhig weglassen – Ich hoffe, diese Zeit geht jetzt schnell vorbei (lacht).“

Ich hoffe, die Zeit geht schnell vorbei. (über die Sommervorbereitung)

Mit 28 Ligatoren in der abgelaufenen Spielzeit haben Sie Ihre Torgefährlichkeit erneut unter Beweis gestellt. Wie lange wollen und können Sie noch so weitermachen?
Von Walsleben Schied: „Natürlich hätte ich nach der Saison in Dassendorf aufhören können. Wir wurden Meister und ehrlich gesagt: Was hätte da noch kommen können? Die Pokalsaison war etwas ärgerlich. Die Ansetzung durch den Verband, durch die wir knapp sechs Spiele in zwei Wochen hatten, war hart.

Trotz Rotation ist der Akku dann irgendwann leer. Persönlich lief es natürlich super, auch wenn es schwer wird, das zu toppen. Ich wusste jedoch, dass ich als absoluter Torjäger geholt worden bin, auch wenn ich mich noch nie als Goalgetter gesehen habe.“

Sie haben noch einen Vertrag bis 2019…
Von Walsleben Schied: „Ja, aber man weiß nie. Ich brauche nach den Spielen schon einige Tage, um wieder fit zu sein. Am Wochenende bin ich dann aber wieder da und mache das, was ich kann. Im Fußball ist vieles möglich, so hätte ich rückblickend auch nie damit gerechnet, 2014 Holstein Kiel zu verlassen. Solange mein Körper jedoch mit macht, bin ich froh. Wenn es aber im nächsten Jahr nicht mehr geht, dann wird man sicherlich auch dafür eine Lösung finden.“

Wie denken Sie über eine aktive Rückkehr in den Profifußball?
Von Walsleben Schied: „Ich bin absolut kein Träumer. Ich bin schon so lange dabei und habe viel gesehen. Der Fußball hat sich verändert, die Spieler sind viel schneller geworden. Durch die Auflösung von einigen zweiten Mannschaften, gibt es so viele junge, talentierte Spieler auf dem Markt, sodass es schwer sein würde, einen Platz zu finden. Natürlich wäre es schön, aber es ist wahrscheinlich sogar mehr als bloß eine Illusion.“

Und nach Ihrer Karriere?
Von Walsleben Schied: „Man muss sehen, wie man in das Geschäft reinkommt und worauf man Lust hat. Ich würde gerne mit jungen, hungrigen Spielern arbeiten und diese weiterentwickeln. Das wäre wohl mein Ding. Aber ich will mich da nicht drauf festnageln lassen und in einigen Jahren hören müssen, dass ich nur mit Jugendspielern arbeiten wollte. Ich bin gespannt, was auf mich zukommt – man wird es sehen.“

Herr von Walsleben-Schied, vielen Dank für das Interview!

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