Paderborn vs Rot-Weiß Erfurt: Interview mit Rudi Zedi

Der heutige Emden-Trainer über seine beiden Ex-Vereine

Rudi Zedi und Stefan Emmerling arbeiteten gemeinsam für Rot-Weiß Erfurt.

Rudi Zedi (l.) ist ein alter Weggefährte von Paderborns Trainer Stefan Emmerling. ©Imago

Vier Jahre als Spieler und ein Jahr als Co-Trainer – Rudi Zedi hat bei Rot-Weiß Erfurt eindeutig Spuren hinterlassen. Auch für den SC Paderborn 07 war der frühere defensive Mittelfeldspieler einst aktiv. Am Samstag (Anstoß: 14 Uhr) treffen die beiden Teams in einem extrem wichtigen Duell aufeinander. Im Interview mit Liga-Drei.de verrät Rudi Zedi, welchem Klub er den Klassenerhalt eher zutraut und spricht über die allgemeine Situation in beiden Vereinen.

Herr Zedi, 134 Spiele für Rot-Weiß Erfurt, nur 18 für den SC Paderborn 07 – wir müssen also wohl nicht fragen, wem Sie am Samstag mehr die Daumen drücken.
Rudi Zedi: „Natürlich liegt mir Rot-Weiß Erfurt ein bisschen mehr am Herzen, weil ich dort einen Großteil meiner Karriere verbracht habe. Das Geschehen dort verfolge ich nach wie vor und blicke mit einem weinenden Auge darauf, wie die Entwicklung in den letzten Jahren war. Ich hatte aber auch in Paderborn ein schönes Jahr, weil es von der Truppe her super gepasst hat.“

Beide Teams hängen aktuell tief im Abstiegskampf der 3. Liga fest. Wem trauen Sie den Klassenerhalt eher zu?
Zedi: „Wenn ich mir den Kader anschaue, dann eher dem SC Paderborn. Die Qualität im Kader ist in meinen Augen deutlich besser.“

Ich vermisse die Typen in Erfurt. (über die aktuelle Situation von RWE)

In Erfurt ist die Stimmung nach der Pleite gegen Zwickau richtig mies. Worauf kommt es jetzt am meisten an?
Zedi: „Auf die Typen. Die vermisse ich im Moment und auch schon in den letzten Jahren. Man braucht Leute, die das Ding an sich reißen und die Mannschaft mitziehen.“

Nach dem Spiel in Paderborn warten mit Osnabrück und Duisburg zwei weitere schwere Aufgaben. Macht das einen Sieg am Samstag umso wichtiger?
Zedi: „Da Erfurt zuletzt gegen Zwickau – einen weiteren Mitkonkurrenten im Abstiegskampf – verloren hat, ist die Mannschaft jetzt schon in der Pflicht zu punkten. RWE hat schon eine Menge liegen gelassen, gerade in den direkten Duellen. Aber auch gegen Osnabrück und Duisburg sind Chancen da, weil man eigentlich keine Chance hat.“ 

Paderborn hat das Hinspiel 3:1 gewonnen, führte zwischenzeitlich sogar 3:0. Hat man so etwas im Kopf, wenn es ein halbes Jahr später zum Rückspiel kommt?
Zedi: „Ich weiß nicht, ob Stefan Krämer die Karte ‚Revanche-Gelüste‘ zieht. Als Trainer würde ich persönlich solche Negativ-Erlebnisse nicht aus der Schublade holen. (lacht) Ich würde der Mannschaft eher die letzten Auswärtsauftritte vor Augen führen, denn die waren ja positiv.“

Für den SCP sieht es aktuell noch etwas düsterer aus als für RWE, die Ostwestfalen sind Vorletzter. Hätten Sie damit gerechnet, dass es womöglich zum Fall aus der Bundesliga in die 4. Liga kommen könnte?
Zedi: „Woran das liegt, darüber kann man nur spekulieren. Vielleicht kam der Erfolg zu schnell. In der Bundesliga oder der 2. Liga hatte Paderborn nicht die Möglichkeiten, die andere Vereine haben. Paderborn ist in dem Sinne ja kein großer Verein, der Erfolg der letzten Jahre war der Wahnsinn. Aber mit einem Blick auf den Kader hätte ich schon gedacht, dass man in der 3. Liga in ruhigere Fahrwasser kommt – aber das ist eben nicht passiert. Ich traue Paderborn aber absolut zu, dass der Klub die Klasse halten kann.“

Hängt der schlechte Saisonverlauf vielleicht auch ein bisschen mit den zu hohen Erwartungen im Umfeld zusammen?
Zedi: „Natürlich schürt ein solcher Erfolg wie in den letzten Jahren hohe Erwartungen bei den Fans. Aber ich glaube, dass die Paderborner irgendwann die Kurve kriegen und sich sagen: So, jetzt müssen wir einfach nur den Klassenerhalt schaffen – komme was wolle. Danach kann man alles in Ruhe analysieren.“

Wenn ich jemandem den Klassenerhalt zutraue, dann ihm. (über SCP-Trainer Stefan Emmerling)

Der aktuelle SCP-Trainer Stefan Emmerling ist ein alter Wegbegleiter von Ihnen, er war ihr Mitspieler und in Düsseldorf, Emden und Erfurt Ihr Coach. Ist er der richtige Mann, um den Karren aus dem Dreck zu ziehen?
Zedi: „Aus meiner Sicht auf jeden Fall. Er bringt alles mit, was einen guten Trainer ausmacht. Ich denke, dass er sehr gut bei der Mannschaft ankommt. Stefan ist ein akribischer Trainer, der auf viele kleine Dinge großen Wert legt. Wenn ich jemandem den Klassenerhalt zutraue, dann ihm.“

Das Duell zwischen Paderborn und Erfurt steht am Samstag an. Einen Fußball-Leckerbissen dürfen wir wohl nicht erwarten, oder?
Zedi: „Nein, warum sollte es das auch werden? Das ist Abstiegskampf pur und darauf müssen sich beide Mannschaften einstellen. Die Mannschaft, die am Samstag den größeren Willen und die bessere Tagesform hat, wird den Dreier landen.“

Was glauben Sie, wer das sein wird?
Zedi: „Vom Gefühl her glaube ich, gerade nach der schmerzhaften Niederlage von Erfurt gegen Zwickau, dass Paderborn das Heimspiel gewinnen wird.“

Vielen Dank für das Interview, Herr Zedi!

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