Aufstiegsspiele: Michael Fink ist Experte

"Der Modus ist falsch."

Michael Fink war Spieler und Trainer beim SV Waldhof Mannheim

Michael Fink kennt sich beim SV Waldhof noch bestens aus. ©Imago/foto2press

Michael Fink kennt sich mit den Aufstiegsspielen zur 3. Liga besser aus, als ihm lieb ist. Der frühere Bundesliga-Profi, der auch einige Jahre in der türkischen SüperLig aktiv war, scheiterte in den beiden vergangenen Jahren mit Waldhof Mannheim in der Relegation gegen Lotte und Meppen am Aufstieg in die 3. Liga. Bis Januar war er noch als Interimstrainer beim SV Waldhof tätig. Im Gespräch mit Liga-Drei.de erzählt er, wie er sich auf die Aufstiegsspiele vorbereitete, was der aktuelle und neue Aufstiegsmodus für die Vereine bedeutet und wen er in diesem Jahr vorne sieht.

Herr Fink, Sie waren in den ersten drei Ligen in Deutschland unterwegs, spielten in der Türkei, bevor Sie noch zwei Jahre für Waldhof Mannheim spielten und auch als Trainer fungierten. Was machen Sie im Moment?
Michael Fink: „Ich bin aktuell Chefscout bei Teutonia Watzenborn-Steinberg in der Hessenliga, baue dort eine Scoutingabteilung auf und bin in beratender Funktion für den Verein tätig.“

Die Aufstiegsspiele zur 3. Liga stehen an und mit Waldhof Mannheim ist Ihr Ex-Verein dabei. Haben Sie noch Kontakt dorthin?
Fink: „Ich habe noch mit sehr vielen Spielern und Angestellten des Vereins und mit dem Co-Trainer regelmäßig Kontakt. Es freut mich sehr, dass sie es wieder geschafft haben. Kurze Zeit in der Vorrunde hatten sie mal den Anschluss nach oben verloren, den hat man dann aber wieder hergestellt und völlig verdient die Relegation erreicht.“

Die größte Stärke ist die Geschlossenheit. (über Waldhof Mannheim)

Für Waldhof waren Sie die letzten beiden Jahre in den Aufstiegsspielen auf dem Platz und zogen den Kürzeren. Warum macht es Mannheim in diesem Jahr besser?
Fink: „Weil Waldhof Mannheim dieses Mal Tore erzielt. Sie haben ja in keinem der vier Relegationsspiele Tore schießen können, haben aber auch in drei Partien zu Null gespielt. Ich glaube, dass die Null hinten wieder stehen wird, aber vorne nicht.“ 

Bis Januar waren Sie noch Interimscoach bei Waldhof. Wo liegen die Stärken der Mannschaft?
Fink: „Die größte Stärke ist die mannschaftliche Geschlossenheit, weil viele Spieler schon über drei Jahre zusammenspielen und nur punktuell Neuzugänge dazukamen. Auch individuell haben die Spieler Drittliga-Qualitäten bewiesen und haben daher den Aufstieg verdient.“

Wie schätzen sie den Gegner Uerdingen ein?
Fink: „Ich habe sie zwar nie live gesehen, aber mich schon mit dem Kader und den Aufstellungen beschäftigt. Sie haben viele Leute in ihren Reihen, die schon höher gespielt haben und es will schon etwas heißen, dass sie Viktoria Köln hinter sich gelassen haben. Sie haben eine extrem gute Mannschaft und eine starke Offensive.
Generell wäre es bei jedem Los schwer geworden, sich in diesen zwei Spielen durchzusetzen. Es entscheiden Kleinigkeiten, die Tagesform oder auch ein bisschen Glück. Es wird wieder ein 50-50 Spiel. Beide haben die Chance es zu schaffen.“

Die Lösung ist besser als jetzt, aber noch nicht zu 100%. (über die neue Aufstiegsregelung zur 3. Liga)

Aus Erfahrung kann man lernen: Haben Sie 2017 mit der Erfahrung aus dem Vorjahr etwas anders gemacht in der Vorbereitung auf die Relegation gegen Meppen?
Fink: „Wir haben uns noch intensiver mit dem Gegner beschäftigen können, weil Meppen schon früh als Meister feststand. Gleichzeitig haben wir uns aber noch mehr auf unsere Stärken besonnen und versucht unser Spiel durchzubringen. Leider haben wir es nicht geschafft, ein Tor zu erzielen und haben ganz bitter im Elfmeterschießen verloren.“

Auch 2016 war bitter, denn damals durfte Waldhof als Meister letztlich nicht aufsteigen. Empfinden Sie wie viele Fans auch als ungerecht?
Fink: „Definitiv. Es war ja sogar im letzten Jahr so, dass wir eigentlich Meister geworden wären, wenn es hätte sein müssen. Nur weil wir im letzten Spiel viele Leute geschont haben, sind wir noch auf Platz zwei gerutscht. So sind wir eigentlich zweimal als Meister nicht aufgestiegen. In jeder Liga in Deutschland steigt der Meister auf, nur in der Regionalliga nicht.

Da muss man ganz klar sagen: Der Modus ist falsch. Denn wenn man 36 Spieltage oben steht, sollte das auch belohnt werden. Das ändert sich jetzt zwar ein bisschen, weil zum Beispiel im Südwesten der Meister kommende Saison direkt aufsteigt. Allerdings wird es wieder zwei Ligen treffen, die den Aufstieg in zwei Spielen austragen müssen, sodass man wieder den gleichen Effekt wie jetzt hat. Die Lösung ist besser als jetzt, aber noch nicht zu 100%.“

Es müssten vier Mannschaften aus der 3. Liga absteigen. (über eine gerechte Aufstiegsregel)

Wie würden Sie den Aufstieg in die 3. Liga regeln?
Fink: „Für mich muss der Schritt dahingehen, dass man vier Regionalligen macht und die Meister aufsteigen. Dann kann man in eine Saison gehen, mit der Aussicht als Meister auch aufzusteigen.

Es müssten dementsprechend vier Mannschaften aus der 3. Liga absteigen. Natürlich würde ich mich als Drittligist dagegen sträuben, aber es ist der fairste Kompromiss.“

Sollte Waldhof es jetzt in der Relegation nicht schaffen, wäre Mannheim dann nächstes Jahr Favorit auf den Titel und direkten Aufstieg?
Fink: „Das ist schwer zu sagen. Es ist jetzt schon ein Riesending, dass Waldhof es dreimal geschafft hat, in die Relegation zu kommen. Wenn du dann nicht aufsteigst, besteht immer die Gefahr, dass die Mannschaft auseinanderfällt. Man hat genug Beispiele dafür gesehen, wie Offenbach oder Saarbrücken nach dem Elfmeterschießen gegen Würzburg.

Waldhof hat es geschafft, das in den letzten Jahren zu verhindern. Die Frage ist nur, wie lange das gelingen kann. Da spielen auch Sponsoren eine Rolle, die sagen, wir investieren etwas mehr, um in die 3. Liga zu kommen, und dann abspringen, wenn es nicht klappt. Man kann vor dem Ende der Relegation grundsätzlich kaum planen. Deswegen ist es schwierig zu beurteilen, ob sie nächstes Jahr wieder Favorit sein werden.“

Cottbus hat eine leichte Favoritenrolle. (über die Aufstiegsspiele)

Viele ambitionierte Regionalligisten kriegen, wie sie schon angesprochen haben, Probleme, wenn sie nicht aufsteigen. Wieso kann Waldhof so dauerhaft oben mitspielen?
Fink: „Es liegt am guten Verhältnis der Spieler untereinander. Wenn der Mannschaftsgeist stimmt, ist es so, dass die Spieler gerne bleiben. Das hält dann auch die Sponsoren bei der Stange, denn sie haben das Gefühl, es könnte wieder klappen. Jetzt wird es nicht so gut gelingen, da schon einige Abgänge feststehen, die über Jahre für Waldhof gespielt haben. Die wollen jetzt natürlich auch Planungssicherheit und schauen, wie sie für sich persönlich den nächsten Schritt gehen können.“ 

Die Aufstiegsduelle stehen fest: Wer macht das Rennen und steigt auf?
Fink: „Ich glaube 1860 hat mit seinem Stadion einen kleinen Vorteil gegenüber Saarbrücken und hoffe Waldhof Mannheim schafft es gegen Uerdingen. Cottbus hat im dritten Duell eine leichte Favoritenrolle.“

Herr Fink, vielen Dank für das Gespräch!

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