Chapeau, Albion Vrenezi

Die besondere Leistung des 19. Spieltags

Albion Vrenezi bei den Würzburger Kickers

Nicht zu halten: Albion Vrenezi (r.) war gegen Halle oft gleich mehrere Schritte schneller als die Konkurrenz. ©Imago images/foto2press

Den Ball eng am rechten Fuß führend, dann Körpertäuschung nach links, Finte nach rechts, noch einen den Haken schlagend, das Tempo forcierend und die Flanke mit dem linken Fuß perfekt in den zentralen Brennpunkt zirkulierend, wo der optimal postierte Teamkollege Kaufmann zum schnellen Führungstreffer verwandeln kann.

Wie aus einem Guss produziert und einem Fußball-Lehrbuch entnommen, erzielen die Würzburger Kickers fünf spektakuläre Treffer beim Halleschen FC und einer ihrer Spieler hat dabei seine Füße immer mit im Spiel: Albion Vrenezi, 26 Jahre alt, vom linken Flügel aus agierend, von Manuel Baum einst gar für den FC Augsburg entdeckt.

Dort spät ausgebildet und für zu leicht befunden. Dann zu Jahn Regensburg in die 2. Bundesliga gewechselt und nun als Leihspieler des Zweitligaklubs bei den Kickers mit der Trikot-Nr. 10 auf dem Rücken mit auffälligen Dribblings zuweilen gar im Stile des großen Ribery aktiv.

Der Reihe nach: Treffer Nr. 1 genau wie beschrieben. Treffer Nr. 3 genau wie beschrieben, doch am Ende mit eigenem rechtsbeinigen Maßarbeit-Torschuss flach ins lange Eck. Treffer Nr.4 genau wie beschrieben, doch mit eigenem linksbeinigen Torschuss hoch ins hintere Eck.

Begeistert von flinken Finten und Frechheiten. (Wie Vrenezi in das Fußballherz des Manuel Baum hüpfte)

Fehlen noch diese Treffer: Vor dem Freistoß, der wie so oft zu einem Kopfballtor des Liga-Haudegen Schuppan geführt hat, ist Vrenezi gefoult worden. Und den fünften Würzburger Treffer hat er mit seinem klugen Zuspiel auf den Assistspieler Kwadwo punktgenau auf den Weg gebracht.

Noch Fragen? Ja, Liga-Drei.de hat welche. An Manuel Baum.

Der Fußball-Lehrer, der aktuell zum Trainerteam des DFB gehört und hier vor allem mit den U20-Junioren aktiv ist, agierte bis zum Frühjahr dieses Jahres zweieinhalb Spielzeiten lang auf der sportlichen Kommandobrücke des FC Augsburg. Einstmals aber unterrichtete er Sport an derselben Schule in München, an der Albion Vrenezi ihm erstmals mit seinem Fußballtalent auffiel.

Baum erinnert sich noch gut, wie der damals 14, 15-jährige „Albi“ in sein Fußballherz hüpfen konnte: „Mich begeisterte sein Fintenreichtum, seine Frechheiten am Ball, seine flinken Finten und seine irre Schnelligkeit“, beschreibt Manuel Baum auch sogleich die entscheidenden Gründe dafür, warum er ihn dann einige Jahre später in das U23-Projekt des FC Augsburg holte.

Warum es in Augsburg nicht zum Durchbruch kam

„Zum Feinschliff auf den zweiten Bildungsweg“, sagt Baum heute und spricht damit freilich jene Schwierigkeiten an, die Albion Vrenezi trotz seines unzweifelhaften fußballerischen Talents in Augsburg noch nicht in der Lage war zu meistern.

„Albion war 21 damals, doch eine strukturierte fußballerische Ausbildung, wie sie in den Nachwuchsleistungs-Zentren der großen Klubs realisiert wird, hat er leider niemals erlebt. Somit war da immer etwas grundlegend Störendes erkennbar, was ihm für den großen Sprung bei uns im Wege stand“, erklärt Baum und geht noch weiter ins Detail:

„Die verschiedenen Arten des Pressings, viele Inhalte des strategischen Handelns, wichtige taktische Regeln, kannte er nicht und konnte er bei uns in Augsburg auch nicht so schnell aufarbeiten“, gibt Baum Liga-Drei.de einen Einblick in die Welt des Ausbildungsfußballs und deren Akkordarbeiten zur Stärkung des Bewusstseins für inhaltliche Notwendigkeiten und der Entwicklung der Persönlichkeit des jungen Fußballpersonals.

Manuel Baum als Trainer des FC Augsburg

Arbeitete zu Augsburger Zeiten mit Vrenezi: Manuel Baum. ©Imago images/Kolbert-press

„Albion ist auf dem Spielfeld ein frecher, offensiver Bursche, doch im Leben prägt ihn eher ein recht introvertierter Charakter“, ergänzt Baum und gibt zu, dass individuelle Gegenmaßnahmen vielmehr Zeit bräuchten als tatsächlich vorhanden ist.

Und ja, auch dies ist auffällig: Albion Vrenezi glänzt eher selten mit der Übersicht für das Kombinationsspiel. Vrenezi ist und bleibt primär ein Solokünstler, den man sich mit vorrangigen Blick auf die Effektivität des Teamverbunds erst einmal leisten können muss.

„Albion ist immer lernwillig gewesen“, sagt Baum und spricht somit bewusst auch diese Hoffnung aus: „Dass was Vrenezi beherrscht, kann niemand erlernen. Das ist Gottes Gabe. Doch diese Defizite, wie sie bei ihm damals erkennbar waren, können mit viel Fleiß durchaus aufgearbeitet und somit spät, doch nicht zu spät, beseitigt werden.“

In Würzburg nehmen sie sich diese Zeit trotz des hammerharten Alltags dieser 3. Liga allemal. Mit Cheftrainer Michael Schiele existiert dort große ganzheitliche, fußballerische Schaffenskraft.

Musterbeispiel einer Win-Win-Lösung

So ist Albion Vrenezi jetzt auf einem guten Weg, was auch die Entscheider bei Jahn Regensburg freudig stimmen wird. Denn Vrenezi ist einer von vier Leasingspielern aus der 2. Bundesliga bei den Kickers. Neben Herrmann (Aue), Sontheimer (Fürth) und Rhein (Nürnberg) komplettiert er in Würzburg ein Leihspieler-Ensemble, das ein außerordentlich wertvolles Gerüst des Teams darstellt und den Beweis antritt, dass derlei Aktionen des Personal-Leasings mitunter tatsächlich Sinn machen.

Was hier vereinbart worden ist, wirkt absolut effektiv und für alle Beteiligten gar wie das Musterbeispiel einer Win-Win-Lösung: Würzburg profitiert aktuell von Vrenezis Klasse, Regensburg von dessen wachsendem Selbstbewusstsein mittels einer erfolgreichen Matchpraxis, die er im Team des Jahn aktuell wohl nicht erhalten hätte.

Und so könnte es am Ende tatsächlich so kommen, wie Vrenezi-Entdecker Manuel Baum prophezeit: „Albion ist mit seinem Potenzial des Straßenfußballers allemal gerüstet für einen dauerhafte Präsenz in der 2. Bundesliga.“

Das Wort hat nun bald der Jahn…

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