Chapeau, Marius Kleinsorge

Die besondere Leistung des 20. Spieltags

Marius Kleinsorge vom SV Meppen

Marius Kleinsorge behauptet sich gegen alle Konkurrenten beim SVM. ©Imago images/Werner Scholz

Während er seine Jungs für den späten Tatendrang beim 2:2 in Zwickau belohnte und direkt nach der Rückkehr ins Emsland in die Weihnachtsferien schickte, hat Christian Neidhart das Fußballjahr noch mit einer Dienstreise abgeschlossen.

Als Liga-Drei.de den Fußball-Patron des SV Meppen am Sonntag-Nachmittag erreichen konnte, hat der sein Auto soeben an der Düsseldorfer Merkur Spiel-Arena geparkt, um Studien über die Entwicklung des 1.FC Union zu betreiben und für sich festzuhalten.

„Es kann nicht schaden, einmal live zu erleben und so besser zu verstehen, warum Union das in der Bundesliga bisher so gut macht“, sagt Neidhart. Hier spricht ein Trainer, der zum Ausklang eines rundum erfolgreich verlaufenen Fußballjahres weder müde noch gestresst oder abgespannt wirkt. Vielmehr spricht hier ein Macher des Fußballs, der eine Wettkampfpause eigentlich nur deshalb zu akzeptieren scheint, weil Weihnachten ist.

Mit Spielwitz und Entschlossenheit

Dem Anschein nach würde Neidhart jetzt am liebsten durchspielen, wie dies in England der Fall ist. Am 5. Oktober – das ist schon zehn Spiele her – hat Neidhart mit seinem Emsland-Ensemble letztmals in einem Match in der 3. Liga nicht punkten können.

Doch dieses 1:2 in Rostock wirkt eher wie ein Ausrutscher, denn nur drei Tage zuvor hatte Neidhart seine Jungs überraschend beim Aufstiegsfavoriten MSV Duisburg in einen 3:1-Sieg gesteuert. Das hat in der 3. Liga kein anderes Team geschafft. Nur noch die TSG Hoffenheim im DFB-Pokal.

Marius Kleinsorge war damals in Duisburg der Primus auf dem Spielfeld und nun beim aktuellen 2:2 in Zwickau ist er aufs Neue der Hauptdarsteller. Denn als es dort so scheint, als würde für den SV Meppen zum ersten Male seit Rostock nichts herausspringen können, übernimmt Kleinsorge wiederum Initiative und Verantwortung.

Der fintenreiche Draufgänger dribbelt sich einige Male mit großer Entschlossenheit, mit viel Spielwitz und hoher Geschwindigkeit durch den Zwickauer Abwehrverbund, um bei einem dieser Durchbrüche den Ball dann auch noch eiskalt zum Anschlusstreffer im Tor der Zwickauer unterzubringen.

Dass aus dem 1:2 gar doch noch das Wunschergebnis entstehen konnte, ist somit in hohem Maße das Verdienst des flinken Tempodribblers.
„Ja, ich bin stolz auf meine Mannschaft“, sagt Neidhart und niemand mag da widersprechen. Im Frühjahr dieses Jahres hat der SV Meppen die vorige Spielzeit der 3. Liga mit 47 Punkten noch als Tabellen-Dreizehnter abgeschlossen.

An SV Meppen und dessen Visionen geglaubt

Doch jetzt, 20 Spiele später, haben die Emsland-Kicker schon wieder 31 neue Punkte gesammelt. Dies ist die fünftbeste Ausbeute in dieser aktuellen Spielzeit-Halbzeit. Hinter Ingolstadt (42) und Duisburg (41) hat der SV Meppen mit 40 Toren die drittmeisten Treffer erzielt und er präsentiert mit Deniz Undav den aktuellen Scorerkönig dieser Spielklasse: zwölf Tore und zehn Torvorbereitungen. Niemand in dieser 3. Liga hat an so vielen Treffern mitgewirkt.

MArius Kleinsorge vom SV Meppen

Torjubel ist bei Marius Kleinsorge in dieser Saison öfters angesagt. ©Imago images/Werner Scholz

Teamintern auf Rang zwei liegt Marius Kleinsorge. Mit vier Treffern und fünf Assists. „Ein Künstler im Eins-gegen-eins, ein unglaublich frecher Spieler und einer der ganz großen Lieblinge unseres Publikums in Meppen“, beschreibt Neidhart die Vorzüge seines körperlich kleinsten Mitarbeiters.

Doch der macht dieses Defizit spielend wett, weil er mit einem besonders großen Kämpferherzen ausgestattet ist. Neben Teamkapitän Thilo Leugers ist Kleinsorge in Meppen schon auf Torejagd gegangen, als die Regionalliga Nord noch das Aktionsfeld war und die 3. Liga noch weiter entfernt zu sein schien, als heute die 2. Bundesliga dies ist.

„Ich freue mich besonders für Spieler wie Marius, die so frühzeitig an unsere Vision geglaubt haben und zu uns kamen, als so manches hätte auch noch schiefgehen können“, erklärt Neidhart dieses besondere Zusammenwachsen dort oben in Nachbarschaft zu den Niederlanden.

Marius Kleinsorge war zuvor auch schon beim SVW Wiesbaden immerhin auf dem Weg zu einem Reservisten mit guten Einsatzchancen. Doch Geduld war nicht seine Tugend dort. So bekam Neidhart Wind von der Unzufriedenheit jenes Flügelflitzers, der ihm schon zuvor beim Ligakonkurrenten Goslarer SC als Torschütze und Vorbereiter aufgefallen war. Doch zu bekommen war Kleinsorge damals noch nicht.

Neidhart setzt auf Meppens Vorzüge

108 Spiele und 29 Treffer später steht Marius Kleinsorge nun wieder vor einer wichtigen Entscheidung seiner Karriere. Sein Arbeitsvertrag mit dem SV Meppen läuft in einem halben Jahr ab. Inzwischen ist er 24 Jahre alt, Familienvater und ein auffällig stabil agierender Spieler der 3. Liga. Muss der SV Meppen seinen Verlust an die 2. Bundesliga befürchten?

Christian Neidhart wirkt erstaunlich gelassen, als Liga-Drei.de das Thema anspricht. „Wir beschäftigen uns aktuell mit zehn auslaufenden Verträgen. Selbstverständlich wollen wir mit Marius dringend verlängern. Und ich bin überzeugt, dass er vor allem mit seinen persönlichen Erfahrungen aus Wiesbaden sehr gut einschätzen kann, welche Vorzüge der SV Meppen für ihn hat“, erklärt Neidhart den Stand der Dinge.

Irgendwie, so scheint es, lässt Meppens Fußball-Oberhaupt dabei anklingen, dass sich die Entscheider des SV Meppen inzwischen durchaus auch schon mit neuen Visionen abgeben.

„Nach der Winterpause starten wir mit zwei Heimspielen. Erst gegen Mannheim, dann gegen Chemnitz“, sagt Neidhart mit einer Energie als würden diese Spiele schon morgen anstehen. Weitere Heimspiele voller Emsland-Power könnten sechs Punkte bringen.

Punkte, die den SV Meppen, seinen Trainer Christian Neidhart und seinen frechen Dribbler Marius Kleinsorge noch näher an die Spitze heranrücken ließen.

Somit gilt in Meppen allemal: Das Fußballjahr 2020 kann kommen. Denn Kleinsorge – der Name ist Programm – hält Meppens Sorgen klein…

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