Chapeau, Markus Kolke

Die besondere Leistung des 12. Spieltags

Markus Kolke im Tor des FC Hansa Rostock

War gegen Magdeburg unüberwindbar: Markus Kolke. ©Imago images/Eibner

Er fliegt, fängt, faustet.Und wieder: Er fliegt, fängt, faustet.

Ja, er fliegt, fängt, faustet in diesem Hexenkessel tatsächlich so lange bis die Kontrahenten, Angreifer, Widersacher des 1. FC Magdeburg aufgeben. Bis die andere Seite mit ihrem Fußball-Latein am Ende ist.

Markus Kolke ist in diesem Match nicht zu bezwingen im Tor des FC Hansa Rostock. Wie ein Kampfhahn stürzt er sich in die Angriffswut der Bertram, Beck und Preißinger. Wie ein Hans-Dampf-in-allen-Gassen hetzt, hastet und huscht er durch seinen Strafraum. Wie ein Adrenalinjunkie motiviert, mobilisiert und putscht er seine Teamkollegen. Kolke dirigiert, lenkt und steuert seine Teamkollegen, damit sie schneller an den Ball kommen als die von knapp 20.000 Fans angetriebenen Magdeburger Kicker.

„Wir hatten Kolke und viel Glück“, beschreibt Hansa-Trainer Härtel kurz, knapp und doch präzise das, was die Basis die dafür war, das die drei Punkte dieses Kräftemessens der ehemaligen Joachim-Streich-Vereine mit diesem 1:0 nach Rostock gehen

Markus Kolke ist ein toller Torwart. (Ex-Kollege Ole Book über sechs gemeinsame Jahre)

„Markus Kolke ist ein toller Torwart“, sagt Ole Book. Sechs Jahre haben Kolke und er gemeinsam beim SVW Wiesbaden verbracht. Viel Zeit, um sich gut kennenzulernen. Im Gespräch mit Liga-Drei.de sagt Book über Kolke: „Mit seiner Besessenheit am Torwartspiel, seiner Freude an der Trainingsarbeit und seiner Verrücktheit, sich in allen Übungen regelrecht auszutoben wie ein Kind im Sandkasten, hat er dem gesamten Team immer eine Verpflichtung an die Hand gegeben. Markus gab uns stets die Richtung vor, wie wichtig es ist, alles zu geben für den Erfolg.“

Books Wertschätzung steht auf einem festen Fundament: War Stratege des Mittelfeldspiels, eine Zeitlang Kapitän des Teams, hat parallel ein Psychologie-Studium absolviert.

Nils Ole Book und Markus Kolke im Training beim SV Wehen Wiesbaden

Kennen sich noch von diversen Trainingsformen beim SVWW: Nils Ole Book und Markus Kolke (r.). ©Imago images/Jan Huebner

Und nach dem Training ist für Kolke längst noch nicht Schluss. Dann trainiert er gern noch sein Spezialgebiet, den besonderen Thrill beim Meistern von Elfmetern. Mit 222 Einsätzen ist Kolke Rekordtorwart der 3. Liga. Von  31 Elfmetern, denen er sich entgegenstemmte, hat er 15 gehalten. 50 Prozent – so viele wie kein anderer Keeper des Profifußballs hierzulande.

Erst die beiden Elfmeter vor wenigen Wochen gegen Ingolstadts Kutschke haben die Statistik nun erstmals leicht uns Negative rutschen lassen. Klar, dass dies einen so besessenen Elfmeterbekämpfer wie Kolke ärgert.

Zumal, wenn er sein besonderes Talent als Elferkiller ausgerechnet nicht dann einzubringen vermag, wenn es bis zu diesem Elfmeter in der 97. Minute noch 2:1 für Hansa Rostock steht. Book galt lange Zeit als sicherer Elferverwerter. Doch an die Privatduelle mit Kolke erinnert er sich so: „Er hat mich zur Verzweiflung gebracht. Hat meine Ideen  perfekt gelesen. So habe ich meine Karriere als Elferschütze besser beendet.“

Wiesbaden selbstbestimmt verlassen

Verschwiegenheit herrscht derweil darüber, warum im vorigen Sommer nach acht Jahren Schluss war in Wiesbaden. Obwohl nach dem Relegations-Triumph über Ingolstadt sich die ganze Mannschaft voller Freude auf Kolke stürzte. Obwohl endlich der Sprung in die 2. Bundesliga realisiert worden war und obwohl Kolkes Vertrag noch ein weiteres Jahr Lauf hatte.

Fest steht: Der Torwart mit den flinken Füßen, den schnellen Reaktionen und fangsicheren Armen hat selbstbestimmt die Trennung erwirkt und diesen Weg unabhängig trotz des abschließenden sportlichen Höhepunkts für sich frühzeitig so entschieden.

Nach acht Jahren verlor der Wiesbadener Fußball seine „Krake“, wie er dort ob seiner Fangsicherheit anerkennend genannt wird. Welcher nachhaltige Verlust zwischen den Pfosten dort in diesen ersten Monaten in der 2. Bundesliga entstehen sollte, haben Wiesbadens Fußballkenner offenbar unterschätzt. Erst seit zwei Spielen scheinen die Sorgen kleiner. Dank des vereinslosen Österreichers Lindner als verspäteten Neuzugang.

Familienglück am Ostseestrand

Markus Kolke schert dies alles wenig. Mit Ehefrau und Sohnemann ist die Ostseeküste sein neuer Familienstützpunkt. Lange Spaziergänge am Strand von Warnemünde sind sein neues Elixier. „Markus verkörpert Ruhe und Gelassenheit. Ich bin sicher, dass er seine Leistung in Rostock weiter steigern und stabilisieren wird“, sagt Ole Book, der alte Kumpel aus Wiesbadener Zeiten.

Auch ihm, dem heutigen Sportchef des SV Elversberg, ist eine sehr bedeutende Verbesserung im Torwartspiel seines langjährigen Kollegen bereits aufgefallen. Wenn es jemals etwas gegeben haben sollte, was an Kolke zu kritisieren gewesen wäre, dann schien dies allenfalls sein Flugballspiel gewesen zu sein. Nicht immer landeten die von Kolke herausgeschlagenen Bälle  dort, wohin sie besser hätten platziert werden sollen. „Jetzt aber“, sagt Book, „hat Markus auch hier keine Mängel mehr“.

Sich rundum wohlfühlen im Trainingsalltag gilt als Schlüssel für Kolkes Leistungsstabilität. Mit Dirk Orlishausen, dem langen ehemaligen Erfurter und Karlsruher Torwart, hat er wieder diesen Partner für das tägliche Übungsprogramm an seiner Seite, um als Hans-Dampf-in-allen-Gassen mit so spektakulären Auftritten begeistern zu können wie nun in Magdeburg.

„Es waren ein paar schöne Bälle dabei, die man nicht jeden Tag hält“,  bemerkte Kolke in die Kamera der ARD-Sportschau lapidar. Öffentliche Aufmerksamkeiten erscheinen ihm eher unangenehm. Nach dem Abpfiff nämlich, zeigt sich Kolke lieber mit seinem wahren Gesicht. Mit dem Gesicht der Bescheidenheit, Zurückhaltung und  des Beschenkten. Denn Kolke fühlt sich beschenkt vom Glück, mit Hansa Rostock wieder ein vertrauensvolles Aktionsfeld anzutreffen.

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