Chemnitzer FC: Interview mit Tom Scheffel

"Keiner macht sich auf dem Platz in die Hosen"

Tom Scheffel am Ball für den Chemnitzer FC

Chemnitzer durch und durch: Tom Scheffel kickt seit der Jugend beim CFC ©Imago/Picture Point

Tom Scheffel hat sich in der Startelf festgespielt. Das Eigengewächs hat schon in der Jugend „der Mannschaft ständig zugeguckt“, jetzt will er selbst seinen Teil dazu beitragen, dass die Himmelblauen den Klassenerhalt schaffen. Im Interview mit Liga-Drei.de spricht der 23-Jährige über das Ziel Klassenerhalt, den Heimkomplex sowie die Spielvorbereitung unter David Bergner.

Herr Scheffel, erst Rechtsverteidiger, dann links, jetzt in der Innenverteidigung. Sie entwickeln Sie noch zur defensiven Allzweckwaffe beim CFC. Wie gefällt Ihnen die neue Rolle im Zentrum?
Tom Scheffel: „Ich komme da gut klar, habe auch schon in der Jugend überwiegend als Innenverteidiger gespielt. In den vergangenen Jahren hatte ich auch ein paar Einsätze auf der Position.

Natürlich sind die Aufgaben anders, neben dem Verteidigen steht die Spieleröffnung im Fokus. Auch, Anweisungen zu geben, um in der Abwehrkette richtig zu verschieben. Ich fühle mich im Zentrum jedenfalls sehr wohl.“

Auch unter David Bergner bleibt die Defensive die Schwachstelle der Himmelblauen. Wie wollen Sie diese abstellen?
Scheffel: „Das geht nur, wenn wir uns unsere Fehler vom vorherigen Spiel anschauen, und diese dann analysieren. So eine Videoanalyse haben wir nach den letzten Partien gemacht. Die Fehler müssen wir dann im Training durchgehen, um zu sehen, wo zum Beispiel die Abstimmung noch besser werden kann. Bis zum nächsten Spiel in Jena steht das auch noch an.“

Jetzt können wir uns keine Ausreden leisten. (über die Ausfälle von Schlüsselspielern)

Wie schwer wiegt es im Hinblick auf die Defensivschwäche, dass mit Maurice Trapp und Marc Endres zwei Schlüsselspieler ausfallen?
Scheffel: „So etwas müssen wir kompensieren. Der Kader wurde von Anfang an so geplant, dass fast alle Positionen doppelt besetzt sind. Jetzt können wir uns keine Ausreden leisten, dass ein Stammspieler fehlt. Jeder, der fit ist, muss bei seinem Einsatz alles geben und funktionieren.“

Bergner sprach jüngst von einem vorbildlichen Teamgeist. Haben Sie dafür ein Beispiel?
Scheffel: „Das war eigentlich von Anfang an so. Im Sommer herrschte wieder ein relativ großer Umbruch, viele gingen, viele kamen. Ich denke, dass wir schon in dieser kurzen Vorbereitungsphase im Sommer, auch durch das Trainingslager, sehr eng zusammengewachsen sind. Auf wie auch neben dem Platz sind wir aufeinander zugegangen.

Das hält bis jetzt an. Es gibt keinen Störenfried, der der Situation, in der wir uns befinden, entgegensteht. Wir ziehen alle an einem Strang. Natürlich müssen wir uns auch spielerisch verbessern, aber der gute Teamgeist kann schon eine Grundlage für künftige Erfolge sein.“

Keiner läuft mit wackeligen Knien auf. (über die Heimschwäche)

Die Stimmung war bereits unter Ex-Coach Steffen gut. Was macht Bergner im Vergleich zu ihm anders?
Scheffel: „So ein Trainerwechsel bringt immer einen neuen Impuls. Wenn ein neuer Coach kommt, werden die Karten neu gemischt. Das holt schon noch ein paar Prozentpunkte aus jedem Spieler heraus.

Herr Bergner geht gut auf unsere Schwachstellen ein, auch mit der angesprochenen Videoanalyse. In den Trainingsformen lässt er Spielsituationen außerdem realistisch nachstellen, damit wir uns da verbessern.“

Jetzt geht es zuhause gegen Carl Zeiss Jena. In der Heimtabelle belegt der CFC den vorletzten Rang, scheint oftmals gehemmt. Ein mentales Problem?
Scheffel: „Ich kann jetzt nicht für jeden sprechen, aber ich habe nicht das Gefühl, dass wir mit Angst in die Partie gehen. Nicht bei Heim- und auch nicht bei Auswärtsspielen. Wir bereiten uns gut vor und pushen uns gegenseitig. Keiner läuft da mit wackeligen Knien auf und macht sich auf dem Platz in die Hosen.

Wir wissen, dass wir in einer schwierigen Situation sind und unter Druck stehen. Wir brauchen unbedingt die Punkte. Das sieht man in manchen Situationen auf dem Platz, die vielleicht unglücklich wirken. Da fehlt einfach ein Erfolgserlebnis und dann klemmt es möglicherweise auch mental. Eingeschüchtert ist hier aber keiner.“

Das sind einfach tolle Augenblicke vor den Fans. (über seine Verbundenheit mit dem CFC)

Entsteht dieser Druck auch durch die Erwartungshaltung im Umfeld?
Scheffel: „Momentan nicht. Das war vielleicht in der letzten Saison so, wo vom Aufstieg geredet wurde. Es geht jetzt nur um den Klassenerhalt, das ist hier jedem klar. Dass hier so ein vermeintlich hoher Druck herrscht, darf für niemanden eine Ausrede sein.

Es ist klar, dass die Fans oder die Sponsoren unzufrieden sind, wir Spieler sind es ja auch. Am Ende muss man sich aber vor Augen führen, um was es geht: Den Klassenerhalt für unseren Verein, den CFC.“

Sie sind gebürtiger Chemnitzer, spielen schon seit der Jugend für die Himmelblauen. Was geht Ihnen durch den Kopf, wenn Sie in die community4you Arena einlaufen?
Scheffel: „Das ist immer eine Riesen-Freude. Schon als Jugendspieler habe ich der Mannschaft ständig zugeguckt. Dann wurde ich selbst ins Team berufen, habe mein erstes Spiel von Anfang an gemacht. Das sind superschöne Momente.

Gerade zu Derbys, wo die neue Arena voll ist, ist es einfach super. Wenn die Kurve gefüllt ist – das sind einfach tolle Augenblicke vor den Fans. Ich will unbedingt wieder gewinnen, auch um die Fans jubeln zu sehen. Das gäbe nochmal einen extra Anschub.“

Ihr Vertrag läuft aus, eine Option gibt es nur bei Klassenerhalt. Würden Sie mit den Himmelblauen auch in Liga vier gehen?
Scheffel: „Darüber mache ich mir jetzt noch keine Gedanken. Das primäre Ziel heißt Klassenerhalt. Dabei will ich der Mannschaft helfen und damit weiterhin mit dem CFC in der dritten Liga spielen.

Wenn wir dieses Ziel nicht schaffen, wäre ich auch nicht abgeneigt zu sagen, ich bleibe hier und schaffe mit dem Klub den direkten Wiederaufstieg. Der CFC ist mein Heimatverein, Chemnitz meine Heimatstadt. Das sind natürlich schlagende Argumente, dass ich auch bei einem Abstieg hierbleiben würde. Wie gesagt konzentriere ich mich jetzt aber voll auf den Klassenerhalt.“

Herr Scheffel, vielen Dank für das Interview!