Dynamo Dresden: Teamcheck

Analyse & Prognose zur neuen Saison

Autor: Simon Thijs Veröffentlicht: Donnerstag, 10.09.2020 | 07:30
Panagiotis Vlachodimos von Dynamo Dresden

Panagiotis Vlachodimos ist technisch sehr versiert. ©Imago images/Dennis Hetzschold

Dynamo Dresden ist zwar als Letzter aus der 2. Bundesliga abgestiegen, das Potential der Mannschaft war aber deutlich höher. Vor der Saison-Unterbrechung schien die SGD im Aufwind, die lange Pause und die im Anschluss eng getakteten Spiele wegen der Nachholpartien verkraftete die Elf aber nicht gut. In der 3. Liga tritt man nun als Top-Favorit an. Wir prüfen im Teamcheck, ob dem wirklich so ist.

Kader & Transfers

Sage und schreibe 20 Spieler haben Dresden im Sommer verlassen. Allen voran die Leihspieler, die teilweise den Aufschwung nach der Winterpause mit bewirkten, wie etwa die Stürmer Simon Makienok, Patrick Schmidt und Marco Terrazzino. Weniger erfolgreich war Godsway Donyoh. Mit dem Quartett sowie den nun verliehenen Alexander Jeremejeff und Vasil Kusej ist im Prinzip der ganze Angriff weg.

Im Mittelfeld ist der Aderlass nicht minder groß: Ondrej Petrak, Josef Husbauer und vor allem Dzenis Burnic waren nur ausgeliehen, in Jannis Nikolaou ging ein Leistungsträger nach Braunschweig. Von Patrick Ebert und einigen anderen Mittelfeldkräften trennte man sich dagegen freiwillig.

Die Außenverteidiger Linus Wahlqvist, Brian Hamalainen und Niklas Kreuzer konnte oder wollte man nicht mit in die 3. Liga nehmen. Auch die Innenverteidiger Florian Ballas und Jannik Müller gingen.

Es blieb ein Gerüst, dass die Mannschaft in der 3. Liga führen soll: Im Tor Kevin Broll, Linksverteidiger Chris Löwe, Mittelfeld-Routinier Marco Hartmann und Kreativspieler Sascha Horvath. 

Für die Abwehr kamen mit Tim Knipping und Sebastian Mai zwei abgeklärte Innenverteidiger, Talent Kevin Ehlers wird es schwer haben, auf so viele Einsätze wie im letzten Jahr zu kommen.

Außen in der Viererkette wurde links Talent Jonathan Maier als Alternative zu Löwe von Mainz ausgeliehen, für rechts kam Robin Becker aus Braunschweig mit Stammplatz-Anspruch. Als Sechser kamen der Zweitliga-erfahrene Yannick Stark aus Darmstadt und Paul Will vom Drittliga-Meister Bayern II. Dazu kommt der vielseitig einsetzbare Patrick Weihrauch, der in Bielefeld nur wenig Einsatzzeit bekam.

Im Rund erneuerten Sturm duellieren sich hauptsächlich Christoph Daferner und Ex-CFC-Torjäger Philipp Hosiner um den Platz im Zentrum. Der ebenfalls treffsichere Pascal Sohm kann auch auf andere Positionen ausweichen. Luka Stor und der 18-jährige Ransford Königsdörffer werden es schwer haben. Die Flügel sind mit Agyemang Diawusie rechts und Panagiotis Vlachodimos links technisch hervorragend besetzt.

Die aktuelle Form

Das erste von sechs Testspielen absolvierte Dynamo gegen die U23 von Hertha BSC. Bei der 2:3 Niederlage passte naturgemäß noch nicht alles zusammen. In der Folge kamen leichte Sorgen bezüglich der Qualität im Sturm auf: Gegen Union Berlin (0:2), Eintracht Braunschweig (0:1) und Norwich City (0:2) konnten zwar teilweise Chancen erspielt, aber nicht verwertet werden.

Das änderte sich gegen den dänischen Zweitligisten HB Köge, der mit 5:1 abgefertigt wurde. Vor allem Christoph Daferner tankte Selbstvertrauen.

Dass ein solches Schützenfest auch im abschließenden Test gegen Erzgebirge Aue gelingen würde, war nicht anzunehmen, sodass man mit 1:0-Sieg, zudem in Diawusie von einem Offensivmann erzielt, in jeder Hinsicht zufrieden war. Die Generalprobe für den DFB-Pokal und das Gastspiel des HSV ist also geglückt.

Stärken & Schwächen

Die individuelle Qualität ist zweifelsohne der größte Trumpf von Dynamo Dresden. Diese allerdings reicht nicht alleine, wie sich bei den Zweitliga-Absteigern der letzten Jahre zeigte. Dennoch sind kaum Schwachstellen auszumachen.

In und vor der Abwehr ist viel Zweitliga-Erfahrung vorhanden, einzig rechts hinten gibt es keine vollwertige Doppelbesetzung. Offensiv gibt es viele Spieler, die Torgefahr verbreiten. Noch wichtiger aber ist, dass es unter anderem in Sascha Horvath auch Spieler gibt, die gegen eine eng gestaffelte Defensive Lösungen finden können.

Hier liegt ein mögliches Problemfeld, denn viele Akteure waren in der Vergangenheit mit ihren Teams Außenseiter, mussten also nie selbst das Spiel machen und bekamen Räume. Sollte der Wechsel in die Favoritenrolle nicht gelingen, blieben immerhin noch Standards. Mit starken Schützen und großgewachsenen Spielern wie Sebastian Mai sind einige Tore nach ruhenden Bällen zu erwarten.

Markus Kauczinski von Dynamo Dresden

Markus Kauczinski kann sich aus der Favoritenrolle kaum herausreden. ©Imago images/Steffen Kuttner

Der Trainer

Markus Kauczinski behielt trotz des Abstiegs das Vertrauen der Verantwortlichen. Das muss er nun zurückzahlen, zumal man ihm einen enorm starken Kader für die Mission Wiederaufstieg beschert hat.

Die Situation erinnert etwas an seine Zeit beim KSC, als er ebenfalls den Abstieg nicht mehr verhindern konnte und den Neuaufbau leiten durfte. Mit nur 27 Gegentoren bei 69 eigenen Treffern schaffte Kauczinski damals in einer stark besetzten Liga den Wiederaufstieg. Er weiß also, wie man als Favorit in der 3. Liga besteht.

Die erfolgreiche Spielweise auch in der 2. Bundesliga brachte ihm den Bundesliga-Job beim FC Ingolstadt ein, der aber nach nur zwei Zählern in zehn Spielen wieder vorbei war. Auf St. Pauli schließlich konnte der heute 50-Jährige seine Vorstellungen nur phasenweise umsetzen, sein Ende kam 2019 auf Platz sechs liegend dennoch recht unerwartet. 

Grundsätzlich mag Kauczinski offensiven, technischen Fußball, hat aber kein Problem damit, sich auf eine solide Defensive zu verlegen, sollten die Mittel im Angriff nicht wirken.

Die mögliche Startelf

Mögliche Aufstelllung Dynamo Dresden

Mögliche Aufstelllung Dynamo Dresden

Fazit & Prognose

Dynamo Dresden ist in allen Belangen die am besten besetzte Mannschaft in der 3. Liga. Wenn sich die SGD die warnenden Beispielen wie Braunschweig oder Kaiserslautern vor Augen führt, sollte die 3. Liga jedoch nicht als Selbstläufer betrachtet werden. Dennoch gehen wir davon aus, dass Dynamo den direkten Wiederaufstieg schafft.

Wer sind die Konkurrenten im Aufstiegsrennen? Hier geht’s zu den übrigen Teamchecks.