Eintracht Braunschweig: Eulbergs Spionage zahlt sich aus

Pokalschreck Drochtersen diesmal gestoppt

Frank Eulberg und Christian Flüthmann

Auftrag erfüllt. Braunschweigs Co-Trainer Frank Eulberg (l.) lieferte seinem Chef Christian Flüthmann wertvolle Erkenntnisse über den Pokalgegner aus Drochtersen. ©imago images/Contrast

Sie hatten sich wieder und eigentlich wie immer, wenn es im Pokal gegen eine der Großen des norddeutschen Fußballs geht, auf einen ganz langen späten Abend vorbereitet. Seit einigen Jahren schon spielt niemand gern in diesem kleinen dunklen Stadion, in dem der Rasen mit dem Wasser der Elbe gesprengt wird.

Niemand misst sich gern mit diesen Kickern direkt hinterm Deich, die mit so viel Herzblut Jahr für Jahr in der Lage sind, ihre renommierten Gegner aus der 3. Liga auf dem Weg zum niedersächsischen Pokal-Triumph an diesem feuchten Ort sportlich zum Kentern zu bringen. Und schließlich ist auch unvergessen, wie verdammt schwer es dann im großen DFB-Pokal sogar auch die Bundesligaklubs stets hatten, sich in diesem Elbstrand zwischen Stade und Cuxhaven schlussendlich durchzusetzen.

Vor-Ort-Beobachtung als Schlüssel

Bekannt ist, dass hier, im Alten Land, zwar die schmackhaftesten Äpfel wachsen. Doch niemand plant hier zwingend ein, dass große Fußballkunst gezeigt wird.

Vor zwei Jahren gelang den Gladbachern ebenso nur ein spätes mageres Törchen, wie auch den Allerbesten, den FC-Bayern-Stars nämlich, erst vor gut 13 Monaten. Dass diese stabile Gegenwehr vor einigen Wochen in der ersten Runde des aktuellen Wettbewerbs beim 0:5 gegen Schalke erstmals nicht gelungen ist, mag vielleicht ein erster Fingerzeig dafür gewesen sein, dass sie inzwischen vollends ernst genommen werden von den ganz Großen, diese Deichkicker von der Elbe in ihrer knallroten Kampfgarderobe.

Auch Eintracht Braunschweig hatte sich perfekt vorbereitet auf diese fiesen Pokalkiller. Frank Eulberg, der erfahrene Fußball-Lehrer im Trainerstab des auf eine Rückkehr in die 2.Bundesliga programmierten Eintracht-Teams, spionierte die Pokal-Fighter aus Drochtersen genau so intensiv aus wie die Kontrahenten in der 3. Liga. Auch am vorigen Freitag, beim 1:1 in Rehden, wurde Eulberg dabei gesichtet, wie er seine Beobachtungen fleißig notierte.

Und dies war auch gut so. Allem Anschein nach waren frische Informationen für den Braunschweiger Pokalauftritt an diesen Mittwochabend der Schlüssel zum mühevollen Sieg. Mit einem fulminanten Knaller in den Winkel konnte Martin Kobylanski in der ersten Halbzeit bereits den frühen Rückstand egalisieren und erst in der Schlussphase gelang Braunschweigs Reservist Manuel Schwenk mit zwei Treffern die Revanche für die Niederlage im Elfmeterschießen vor einem Jahr.

Die Eintracht ist ein glücklicher Sieger, denn auch wir hätten wieder in Führung gehen können. (Patrick Siefkes)

Damals wie heute dabei war Drochtersens erfahrener Keeper Patrick Siefkes, der sich heute wundert, wie wenig er insgesamt zu tun hatte in diesem All-or-Nothing-Match und so ärgert er sich über die verpasste Chance, auch diesmal die Nase vorn zu haben: „Ja, die Braunschweiger waren wohl häufiger im Ballbesitz. Doch gefährlich ist es für uns nie geworden, sieht man von Kobylanskis Traumtor ab. Die Eintracht ist ein glücklicher Sieger, denn auch wir hätten wieder in Führung gehen können.“

Drochtersen blickt nach vorne

Drochtersens Trost ist die Rückkehr der längere Zeit verletzt ausgefallenen Leistungsträger. Ihr Coach Mark Uder hatte bereits in Rehden für Braunschweig geprobt und seine starken Verletzten reaktiviert. So bekam Eulberg auf den letzten Drücker freilich doch noch eine Ahnung davon, wie sich das Spielniveau des Gegners mit der Rückkehr seiner festen Teamgrößen verändern und verbessern werde.

Mit Spielern wie Linksbahnfighter Jannes Elfers, wie Nico von der Rein, ein Mentalitätsmonster, das bisher in der Tat völlig zu Unrecht Mau hießt, wie Marcel Andrijanic, den Spielmacher und vor allem Kapitän Behrmann. Sie alle hatten mehr oder weniger lange und folgenschwer gefehlt im Programm der Regionalliga Nord, dass der Sturz aus der Spitzengruppe nicht zu vermeiden war.

So hinterlässt die Pokalniederlage am Fußballstrand der Elbe mehr Hoffnungsvolles als Ärgerliches. Auch beim starken Torhüter, den Pele Wollitz im Sommer gern nach Cottbus geholt hätte: Die Rückkehr unserer Besten wird uns wieder nach oben steuern“, sagt Siefkes mit einem steilen Blick auf die nächsten Aufgaben im Fußball-Norden.

Übrigens: Spät wurde es auch ohne Verlängerung und Elfmeterschießen diesmal. Denn wenn Pokal ist, ist vieles anders als sonst in Drochtersen. Dann installieren sie sogar einen gastronomischen Vip-Bereich. Und den verließen viele der Männer mit dem großen Fußballherzen erst gegen Mitternacht…

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