Eintracht Braunschweig: Interview mit Marc Pfitzner

"Wir müssen eigentlich immer punkten."

Marc Pfitzner feuert seine Mitspieler an.

Seit Anfang Dezember wieder ein wichter Teil des Drittliga-Kaders von Eintracht Braunschweig: Marc Pfitzner. ©Imago/Hübner

Marc Pfitzner hat mit Eintracht Braunschweig alles miterlebt – von der Regionalliga bis zur Bundesliga. Im Sommer 2018 kehrte der 34-Jährige zu seinem Herzensverein zurück, um bei der 2. Mannschaft seine Karriere ausklingen zu lassen.

Doch es kam anders: Cheftrainer Andre Schubert beförderte ihn zurück in die 1. Mannschaft, wo er nun im harten Abstiegskampf der 3. Liga mitmischt. Samstag steht das nächste wichtige Spiel gegen die Würzburger Kickers an. Mit Liga-Drei.de spricht Pfitzner über den Abstiegskampf und über seine ungewöhnliche Karriere.

Herr Pfitzner, warum funktioniert Eintracht Braunschweig in der Rückrunde besser als in der Hinrunde?
Marc Pfitzner: „Der Kader hat sich im Winter stark verändert. Dank der Neuzugänge haben wir Qualität und Erfahrung hinzubekommen. Wir sind ein eingeschweißtes Team und haben einen guten Spirit in der Mannschaft. Darauf bauen wir auf.“ 

War ein kleiner Umbruch im Kader notwendig, damit Spieler hinzukommen, die in der Hinrunde nicht die vielen Rückschläge erlitten haben?
Pfitzner: „Ich denke, bei der Kaderzusammenstellung wurde neben der sportlichen Qualität viel Wert auf Charakter und Mentalität gelegt. Deshalb treten wir als Team auf, jeder kämpft für den anderen. Ich kann nicht beurteilen, wie das in der Hinrunde war, weil ich die meiste Zeit bei der 2. Mannschaft war. Aber momentan ist die mannschaftliche Geschlossenheit jedenfalls da.“ 

André Schubert hat einfach angerufen und gefragt, ob ich Lust hätte. (über seine Rückkehr zu den Profis)

Sie kehrten im Sommer zu Eintracht Braunschweig zurück, um in der zweiten Mannschaft als Führungsspieler zu agieren. Was hatte Sie an der Aufgabe in einer unteren Spielklasse gereizt?
Pfitzner: „Ich habe ja lange hier in Braunschweig gespielt und bin nach meinen zwei Jahren bei Werder Bremen II in der 3. Liga wie geplant zurückgekehrt, um für die zweite Mannschaft in der Regionalliga zu spielen.

Da die Profis dann in die 3. Liga abgestiegen sind, musste die 2. Mannschaft auch eine Spielklasse hinunter in die Oberliga. Ich wollte trotzdem hier in Braunschweig spielen, da ich Braunschweiger bin und hier ein Haus gekauft habe.“

Wie kam es dann zu der Rückkehr in die Profimannschaft?
Pfitzner: „Der Trainer André Schubert hat mich einfach angerufen und gefragt, ob ich Lust hätte, wieder bei der 1. Mannschaft mit zu trainieren. Das Trainerteam wollte sich anschauen, ob das funktioniert.“

Wie schwierig war die Umstellung, wenn man zuvor in der Oberliga gespielt hat und dann plötzlich wieder in der 3. Liga mitmischt?
Pfitzner: „Natürlich habe ich mir darüber Gedanken gemacht. Die Intensität ist in der 3. Liga völlig anders als in der Oberliga. Aber ich habe dann gleich das erste Spiel von Anfang an gemacht und mich gut eingefügt. Zumal ich auch ein Spieler bin, der von seiner Physis lebt.“

Wir haben in jedem Spiel Druck. (über die aktuelle Situation)

Samstag steht das Spiel gegen die Würzburger Kickers an. Wie schwierig ist es, dauerhaft so konstant zu punkten wie in den letzten Wochen und diesem Ergebnisdruck dauerhaft standzuhalten?
Pfitzner: „Wir wissen, dass wir noch nichts erreicht haben. Wir haben uns lediglich an die Nicht-Abstiegsplätze herangerobbt. Wir haben in jedem Spiel Druck. Der Trainer hat uns gesagt: Wir müssen eigentlich immer punkten. Wir müssen punkten, wenn die anderen Mannschaften punkten. Und wir müssen punkten, wenn die anderen Mannschaften nicht punkten. Aber wir können damit umgehen.“ 

Kommende Woche Mittwoch folgt das Auswärtsspiel gegen den 1. FC Kaiserslautern, der ebenfalls eine schwierige Saison durchlebt. Warum ist es so schwierig, nach einem Abstieg eine Klasse tiefer in die Erfolgsspur zu finden?
Pfitzner: „Dafür habe ich keine Erklärung. Bei manchen Vereinen läuft es gut, bei anderen weniger gut. Wenn ich mir den Kader von Kaiserslautern anschaue, ist der mit vielen guten Spielern bestückt. Aber die 3. Liga ist schwer zu bespielen und heiß umkämpft. Man muss die richtige Einstellung mitbringen.“ 

Ich hätte nie damit gerechnet, 15 Bundesligaspiele zu machen. (über seine Karriere)

Sie haben im Jahre 2007 Ihr erstes Spiel für die 1. Mannschaft von Eintracht Braunschweig bestritten – damals noch in der Regionalliga. Haben Sie damals überhaupt noch an eine Profikarriere geglaubt?
Pfitzner: „Es war jedenfalls mein Ziel, für die 1. Mannschaft zu spielen. Der damalige Trainer Benno Möhlmann hat mich ins Profiteam geholt. Damals ging es darum, uns für die neu eingeführte 3. Liga zu qualifizieren. Nach der Hinrunde hatten wir etwa acht oder neun Punkte Rückstand – ähnlich wie jetzt im Winter.

Wir haben es aber geschafft, uns am letzten Spieltag 20 Minuten vor Spielende auf Platz 10 vorzuschieben. Damit waren wir für die 3. Liga qualifiziert und ich unterschrieb meinen ersten Profivertrag.“

Sie sind dann Schritt für Schritt aufgestiegen, bis Sie schließlich in der Bundesliga gelandet sind und Vereinen wie Bayern München und Borussia Dortmund gegenüberstanden. Wie schwierig ist die Anpassung an dieses hohe Niveau, wenn man einige Jahre zuvor noch Regionalliga gespielt hat?
Pfitzner: „Ich habe im Herren-Bereich sogar noch weiter unten angefangen – und zwar beim SV Broitzem in der Kreisliga. Dann habe ich für FT Braunschweig in der Landesliga gespielt. Daraufhin folgten die Oberliga, Regionalliga, 3. Liga, 2. Bundesliga und schlussendlich die Bundesliga. Ich hätte nie damit gerechnet, 15 Bundesligaspiele zu machen. Als ich in der Hinrunde kaum eingesetzt wurde, dachte ich bereits, meine Grenze wäre erreicht und ich muss wechseln.

Dann stand ich im letzten Hinrundenspiel gegen die TSG Hoffenheim plötzlich in der Startelf. Wir gewannen das Spiel, und danach hat der Trainer auf mich gezählt. Ich war zwar nie der Überflieger, konnte mich aber immer gut an das Niveau anpassen. Unser Trainer Torsten Lieberknecht wusste meine Qualitäten immer zu schätzen.“

Glücklicherweise konnte ich meine Stunden reduzieren. (über seinen Job)

Sie sind nun 34 Jahre alt und Ihr Vertrag läuft im Sommer aus. Wie soll es danach weitergehen?
Pfitzner: „Das lässt sich schwer planen, weil wir noch nicht einmal wissen, in welcher Liga wir nächste Saison spielen werden. Aber ich fühle mich fit und hätte nichts dagegen, noch ein bisschen zu spielen (lacht).“ 

Wissen Sie bereits, was Sie nach der Karriere machen möchten?
Pfitzner: „Ich habe seit dem vergangenen Jahr bei unserem Sponsor Volkswagen Financial Service einen Job und kümmere mich um die Leasing-Abwicklung von Großkunden. Glücklicherweise konnte ich meine Stunden reduzieren, seitdem ich wieder bei der 1. Mannschaft spiele. Das ist jedenfalls ein cooler Job. Zudem habe ich meine Trainerscheine bis zu A-Lizenz gemacht. Aber das Wichtigste ist erst einmal, dass wir als Verein die Klasse halten.“

Herr Pfitzner, vielen Dank für das Gespräch!

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