Eintracht Braunschweigs Proschwitz: Mit Mentalität zu neuem Wert

An der Seite von Pourié vom Bankdrücker zum Hoffnungsträger

Autor: Luis Hagen Veröffentlicht: Samstag, 07.03.2020 | 13:00
Nick Proschwitz jubelt für Eintracht Braunschweig

In Jubelstimmung: Nick Proschwitz kämpfte sich beim BTSV zurück in die Startelf. ©Imago images/Joachim Sielski

Als sich die Sportchefs der Klubs aus der 3. Liga zum Jahreswechsel einen Überblick verschafft haben, wer in der 2. Bundesliga just ein so unglückliches Dasein fristet, dass er bereit sein würde, ein zwar klassentieferes, doch höchst ambitioniertes neues Aktionsfeld in der 3. Liga anzutreten, hat sie ein Name total wuschelig gemacht:

Marvin Pourié vom Karlsruher SC.

Sieben, acht Monate zuvor war der 29 Jahre Mittelstürmer mit seinen 22 erzielten Aufstiegs-Treffern noch als Held des Jahres am Wildpark gefeiert worden. Doch nun in der 2. Bundesliga stand plötzlich auch Pourié wieder auf dem Prüfstand.

Die neue Realität lautete: Neben Phillip Hofmann blieb kein Platz mehr für ihn frei. Aus Pourié wurde ein trauriger und frustrierter Reservist. Plötzlich ohne Zukunft beim KSC.

Die halbe 3. Liga wollte den 22-Tore-Mann

Doch wer wenige Monate zuvor in diesem raubeinigen Wettbewerb in der Lage war, so viele Treffer zu erzielen, der konnte in so kurzer Zeit nicht für alle Zeiten die Orientierung verloren haben. Also soll sich beinahe die halbe 3. Liga hoffnungsvoll auf den Weg gemacht haben, um bei Marvin Pourié vorstellig zu werden und um beim 22-Tore-Mann eindrucksvoll zu punkten.

Doch weil ein Fußballspieler, dem es gelungen ist, sich als Knipser einen guten Namen zu machen und der obendrein in einem längeren profitablen Vertragsverhältnis steckt, ruckzuck zu einer Millionen-Investition geraten kann, soll es sich am Ende dieser Transferzeit des Januars allein um einen Zweikampf zwischen Eintracht Braunschweig und dem KFC Uerdingen gehandelt haben.

In Uerdingen rollt zwar der Rubel, wie Insider der 3. Liga gern berichten, doch der Ball keineswegs immer so rund wie es sich der russische Sponsor und Prinzipal in Personalunion sowie Stefan Effenberg in seiner Rolle als Supervisor des dortigen Fußballs erhoffen.

So hat die Abteilung Profifußball des Turn- und Sportvereins Eintracht das Rennen gemacht. Bis zum Saisonende im Mai ist Pourié zunächst als Leasingspieler des KSC dabei. Denn  Eintrachts Fußball muss schnellstmöglich zurück in diese 2. Bundesliga, in der sich gute Ideen endlich wieder vernünftig finanzieren ließen.

In sechs Spielen nur ein Tor, doch es wird besser

Sechs Spiele hat Pourié absolviert bisher, doch nur einen Treffer erzielt. Das Defizit an Spielpraxis und an Selbstvertrauen hat er dabei nicht immer verbergen können. Doch es wird besser.

Doch daran hat nun offensichtlich jener Stürmerkollege großen Anteil, der eigentlich gar nicht mehr da sein sollte. Denn als Braunschweigs Sportchef Peter Vollmann den medialen Begleitern des Vereins stolz seinen Transfercoup mit der Trikot-Nr. 30 präsentierte, war eigentlich allen Beobachtern in Braunschweig klar: Nun wird der Mann mit der Trikot-Nr. 33 nicht mehr gebraucht: Nick Proschwitz.

Denn von September bis zum Winterbreak Ende Dezember, also in vier langen Fußballmonaten, war dem Globetrotter im Braunschweiger Team nur ein mageres Törchen gelungen. Und dies, obwohl er punktgenau für diesen Job aus Meppen geholt und im vordersten Arbeitsbereich eingesetzt worden ist.

Doch der Sportverein Eintracht ist auf seinem wohl teuersten Spieler sitzen geblieben. Womöglich ist es ein Fehler gewesen, dass Proschwitz die stattliche Zahl seines aktuellen Fußbllalters auf seinem Trikotrücken trägt und dies somit wie ein abschreckendes Signal verstanden werden kann.

Doch wie so oft im Fußball kommt es erstens anders und zweitens als man denkt. Auch in Braunschweig.

Antwerpen blieb positive Reaktion nicht verborgen

Die wichtigste Voraussetzung liefert Nick Proschwitz selbst. Der Angreifer mit der Reputation, in den Top-Ligen Englands, Belgiens und der Schweiz aktiv gewesen zu sein, denkt seit der Anwesenheit Pouriés keine Sekunde daran, seinen Platz im Angriffszentrum kampflos herzugeben.

Die Fähigkeit, mittels einer Steigerung des persönlichen Engagements im täglichen Training einem negativen Trend trotzen können, gilt als mentale Meisterleistung im Profifußball. Cheftrainer Antwerpen, einst selbst als Mittelstürmer im ähnlichen Aktionsmodus aktiv, ist diese positive Reaktion keineswegs verborgen geblieben.

Welch ein Glück für die Eintracht:

Denn immer dann, wenn Antwerpen auf Nick Proschwitz verzichtet und Pourié als Solist stürmen lässt, tut sich das Eintracht-Team genauso schwer wie bisher. Doch immer dann, wenn Braunschweigs Coach, Pourié und Proschwitz als Duett in die Offensivabteilung schickt, gelingen Siege und kommen Punkte ins Haus. Sieben ihrer acht Zähler dieses neuen Jahres gewannen die Braunschweiger mit ihrer neuer Doppelspitze.

So ist Proschwitz vom Bankdrücker nun doch wieder zum Hoffnungsträger aufgestiegen. Antwerpen wäre töricht, wenn er nicht auch am Montagabend in Rostock P & P, also sein neues Angriffsduo gemeinsam an die Arbeit gehen lassen würde.

Niemand weiß bereits jetzt, ob Eintracht im Mai die Möglichkeit nutzen wird, Pourié den Karlsruhern abzukaufen.

Sicher indes ist dies: Sollte es dazu kommen, dass der KSC als Drittletzter der 2. Bundesliga in die Relegation gehen und dabei auf Braunschweigs Eintracht treffen würde, dann ist geregelt, dass die Eintracht in diesen beiden Existenzkämpfen nicht auf Pourié zurückgreifen darf. Auch dies ist Profifußball des Jahres 2020.

Mit Nick Proschwitz freilich darf die Anhängerschaft des BTSV Eintracht weiterhin jederzeit rechnen. Schließlich läuft sein Vertrag ein weiteres Jahr.

Ja, erstens kommt es anders und zweitens… Na, Sie wissen schon …

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