FCC-Idol Olaf Holetschek fiebert gegen Hansa mit

Jena soll "Ruhe behalten und an Stärken glauben"

Olaf Holetschek am Ball für Carl Zeiss Jena und Hansa Rostock

Olaf Holetschek lief sowohl für Jena (l.) als auch für Hansa Rostock auf. ©Imago/Camera 4/Picture Point

In über 400 Spielen stand Olaf Holetschek für den FC Carl Zeiss Jena seinen Mann. Mit ihm gelangen zwei Aufstiege in die zweite Liga, ehe sich der heute 50-Jährige Hansa Rostock anschloss und dort Bundesliga-Luft schnuppern durfte.

Im Interview mit Liga-Drei.de spricht Holetschek über vergangene Tage in Jena und Rostock. Außerdem verrät er, warum er dem FCC wieder bessere Ergebnisse zutraut und was für Hansa Rostock seiner Meinung nach in dieser Saison möglich ist.

Herr Holetschek, Sie haben 414 Pflichtspiele für Carl Zeiss Jena absolviert. Auch wenn es vermutlich schwer ist: Gibt es ein Spiel, das Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben ist?
Olaf Holetschek: „Das waren immer diese Alles-oder-nichts-Spiele, in denen es um den Abstieg oder Aufstieg ging. Als wir es damals von der Oberliga in die zweite Liga geschafft haben, war es nach dem 2:0-Sieg in Cottbus sehr emotional. Aber auch das Quasi-Endspiel in der dritten Liga 1995 gegen Sachsen Leipzig, das wir gewonnen haben und dadurch aufgestiegen sind, war ein echtes Highlight.“

1993/94 stiegen Sie mit Jena aus der 2. Bundesliga ab. Sie gingen mit runter in die Regionalliga. Warum sind Sie geblieben?
Holetschek: „Mehrere Faktoren gaben den Ausschlag. Zum einen hat mir der Verein eine gute Perspektive aufgezeigt, zum anderen habe ich mich in Jena wohlgefühlt. Ein Faktor war vielleicht auch, dass ich damals noch nicht soweit war, den nächsten Schritt zu gehen.“

Möchte die zwei Jahre in Rostock nicht missen. (über seine Zeit bei Hansa)

Vier Jahre später gingen Sie dann doch, zu Hansa Rostock. Was gab den Ausschlag für diesen Wechsel?
Holetschek: „Für mich war das mit 30 Jahren nochmal die Möglichkeit, in die Bundesliga zu kommen. Sich in der besten Liga zu beweisen, war eine absolute Motivation für mich. Deswegen war ich über das Angebot von Hansa natürlich froh und habe überhaupt nicht gezögert.“

In der Schlussphase der Saison 1999/2000 saßen Sie nur noch auf der Bank. Trübt das rückblickend Ihre Zeit in Rostock?
Holetschek: „Nein, überhaupt nicht. Natürlich war es nicht schön, aber die Bundesliga ist kein Wunschkonzert. Ich hatte in Rostock zwei wunderbare Jahre, die mir viel Spaß gemacht und persönlich viel gebracht haben. Ich blicke deswegen nie im Groll zurück, sondern möchte die zwei Jahre in Rostock in meiner Laufbahn nicht missen.“

Sie wechselten anschließend nach Chemnitz. Stimmt eigentlich die Geschichte, dass Sie zu den Verhandlungen keinen Berater mitgenommen und dem verblüfften Manager Siegmar Menz erklärt haben: „Wenn ich auf dem Rasen Verantwortung übernehmen will, dann muss ich auch meinen Vertrag allein aushandeln können“?
Holetschek: „Ja, das habe ich eigentlich immer gesagt. Ich hatte mal ein Gespräch mit Herbert Maronn (Anm. d. Red.: Ehemaliger Leiter der Lizenzspielerabteilung des FC Hansa) in Rostock. Wir waren mittlerweile per du und ich habe ihn angeredet: Herbert pass auf, kann sein, dass ich vielleicht das ein oder andere liegen lasse, aber ich will auf alle Fälle alles in meiner Hand behalten. Er sagte dann zu mir: Mach dir keine Gedanken, du lässt überhaupt nichts liegen.

Ich war aber auch immer in der glücklichen Lage, dass die Vereine auf mich zugekommen sind. Schwierig ist es, wenn man den Verein verlassen muss, um dann zu suchen. Dann ist ein Berater wahrscheinlich schon der richtige Anlaufpunkt.“

Gehe fest davon aus, dass Jena mit ihm aus dieser Lage herauskommt. (über Mark Zimmermann)

Nach einem Jahr zog es Sie wieder zurück nach Jena, der Klub spielte zu diesem Zeitpunkt in der Oberliga. Kennt Liebe keine Liga?
Holetschek: „Ja, ich denke das kann man so sagen. In Chemnitz lief es für beide Seiten nicht rund. Dann kam das Angebot aus Jena und für mich war es der logische Schritt, meine Karriere dort ausklingen zu lassen, wo ich sie auch begonnen hatte. Allerdings dachte ich, wir steigen schon im ersten Jahr auf. Dass es dann vier Jahre dauert, hätte ich nicht geglaubt.“

Mittlerweile ist Jena wieder in Liga drei angelangt, hat dort aber mit sportlichen Problemen zu kämpfen. Wie sehen Sie die aktuelle sportliche Situation beim FCC?
Holetschek: „Ich habe jetzt nicht so viele Spiele gesehen, weiß aber, dass sie mit Mark Zimmermann einen guten Trainer haben, der aktiv spielen lässt. Er ist keiner, der sich nur Punkte ergaunern will, sondern möchte das Spielgeschehen bestimmen.

Ich gehe fest davon aus, dass Jena mit ihm aus dieser Lage herauskommt. Es ist ja noch nichts Bedrohliches passiert. In der Tabelle ist alles so eng beisammen. Ich hoffe deshalb, dass sie die Ruhe behalten und an ihre Stärken glauben.“

Eine Trainerdiskussion gibt es nicht. Sie kennen Mark Zimmermann, mit keinem anderen Spieler stand er häufiger auf dem Platz als mit Ihnen. Wie wird er nun versuchen, das Ruder herumzureißen?
Holetschek: „So wie ich den Mark kenne, wird er die Lage sachlich aber knallhart analysieren und die richtigen Schlüsse ziehen. Danach wird er die notwendigen Schritte einleiten, ohne in Aktionismus zu verfallen – alles wohldosiert also.“

Mit ihren lautstarken Fans dort oben haben sie ein Faustpfand. (über die Saison des FCH)

Im kommenden Spiel geht es gegen Rostock, momentan Tabellenvierter. Was trauen Sie der Kogge für den weiteren Saisonverlauf noch zu?
Holetschek: „Ich bin etwas weit weg, aber verfolge den Weg von Hansa natürlich und freue mich, wenn sie Siege einfahren. Ich hoffe, dass es dieses Jahr nach oben geht. Einfach zu spielen ist die dritte Liga nicht, aber mit ihren lautstarken Fans dort oben haben sie ein Faustpfand, das im Abstiegskampf wichtig werden könnte.

Es sieht momentan so aus, als ob sie wieder in ruhigeres Fahrwasser geraten wären, sich stabilisiert haben und vorne angreifen können. Ich hoffe, dass sie konstant ihre Leistung bringen können, um den großen Wurf, der für die ganze Region so wichtig wäre, zu schaffen.“

Wie sehr ist das kräftezehrende Pokalspiel vom vergangenen Mittwoch für Hansa im Hinblick auf die kommende Partie ein Nachteil?
Holetschek: „Sicherlich ist man nicht so frisch, aber ich denke, man sollte das auch nicht überbewerten. Die Jungs sind Profis, die Maßnahmen, die zur Regeneration getroffen werden, sind enorm. Auch am Samstag wird mit Sicherheit eine ausgeruhte Mannschaft auf dem Platz stehen, der man die Strapazen des Pokals nicht ansehen wird.“

Welche Mannschaft sehen Sie also am Samstag vorne?
Holetschek: „Ich muss ehrlich sagen: Ich hoffe auf Jena, weil sie die Punkte nötiger haben. Zuhause machen sie es eigentlich immer recht ordentlich und spielen es auch gut. Wenn sie vor der großen Kulisse in einen Flow reinkommen, vielleicht mal in Führung gehen, dann denke ich, dass es knapp für Jena ausgehen wird.“

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Holetschek!

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