FSV Zwickau: Julius Reinhardt im Interview

"Es wird niemand kommen und einem raushelfen."

Julius Reinhardt vom FSV Zwickau

Julius Reinhardt erwartet einen langen Abstiegskampf mit dem FSV. ©Imago/HMB-Media

Der Sieg am letzten Spieltag über Würzburg wird Julius Reinhardt noch lange in Erinnerung bleiben, traf er doch per Traumtor zum 1:0 für den FSV Zwickau. Doch nicht nur sein sehenswertes zweites Saisontor ist Grund zum Lächeln für den Mittelfeldspieler. Nach einem Horror-Jahr in Chemnitz mit Insolvenz und Abstieg läuft es beim 30-Jährigen trotz Abstiegskampf in dieser Saison deutlich besser. Bei Liga-Drei.de spricht der Abräumer über Zocken auf der Konsole, den Spielstil des FSV und seine Zeit beim CFC.

Herr Reinhardt, wie oft haben Sie sich Ihr Tor vom Freitag noch angesehen?
Julius Reinhardt: „So zwei oder drei Mal habe ich es mir schon noch angesehen, weil es mir in der Form natürlich auch noch nie gelungen ist. Von daher habe ich mich schon gefreut über den Sieg und das Tor.“

Ihr persönlicher Drittliga-Rekord liegt bei drei Saisontoren, jetzt haben Sie schon zwei. Wann fällt denn Ihre Bestmarke?
Julius Reinhardt: „Daran habe ich noch nicht gedacht. Der mannschaftliche Erfolg steht über allem. Wir haben das große Ziel Klassenerhalt. Wenn ich dazu ein paar Tore beitragen kann, freue ich mich umso mehr. Wie viele das dann am Ende werden, wird man sehen.“

Wir sind nicht leicht auszurechnen. (über die verschiedenen Torschützen des FSV)

Sehen wir denn wieder den Torjubel vom Freitag, wenn Sie wieder treffen?
Julius Reinhardt: „(lacht) Das weiß ich nicht, vielleicht haben wir uns bis dahin ja etwas Neues ausgedacht. Vielleicht behalten wir es aber auch bei, da haben wir uns noch nicht drüber unterhalten.“

Die Kollegen in der Redaktion spielen auch gerne das Western-Spiel auf der Konsole. Wie weit sind Sie denn schon?
Julius Reinhardt: „(lacht) Ich habe Familie und auch einen kleinen Sohn, komme also nicht regelmäßig zum Spielen, aber wenn ich mal Zeit habe, steige ich quasi mal auf’s Pferd. Ich bin aber erst bei etwa 30 Prozent Spielfortschritt. Es ist schon noch ein bisschen was offen.“

Die interne Torschützenliste führt Toni Wachsmuth an, dann folgt Mike Könnecke. Warum liegen denn die Stürmer in dieser Liste nicht vorne?
Julius Reinhardt: „Die Frage kann ich so genau nicht beantworten. Ich denke aber, wenn wir mehrere Torschützen haben, sind wir nicht so leicht auszurechen. Wenn wir die Punkte holen, ist es uns auch relativ egal, wer trifft. Wir freuen uns aber auch, wenn die Stürmer wieder treffen.“

Was die anderen Mannschaften beklagen ist uns egal. (über Kritik am Spielstil des FSV)

Die Gegner äußern immer wieder Respekt vor den großgewachsenen Spielern des FSV und den Standardsituationen. Wie viel Zeit investiert Joe Enochs denn wirklich in das Training der ruhenden Bälle?
Julius Reinhardt: „Generell ist das jede Woche Inhalt des Trainings. Wenn die ganzen großen Spieler bei uns vorne drin stehen, spielt keine Abwehr gerne gegen uns. Das ist sicherlich ein Alleinstellungsmerkmal von uns. Ich denke wir können das aber noch besser für uns nutzen.“

Die anderen Teams beklagen oft, dass der FSV nur lang und hoch nach vorne spielt. Warum ist dieses scheinbar einfache Mittel so oft erfolgreich?
Julius Reinhardt: „Was die anderen Mannschaften jetzt beklagen oder nicht, ist uns relativ egal. Für uns geht es darum, dass wir uns mit einer körperlich robusten Spielweise den meisten Erfolg ausrechnen, weil es so keiner Mannschaft leicht fällt gegen uns zu spielen.

Es ist einer unserer großen Trümpfe, dass wir immer hundert Prozent Leidenschaft und Mentalität ins Spiel bringen. Ich kann schon verstehen, dass die anderen zum Teil besseren beziehungsweise anderen Fußball spielen, aber am Ende zählt für uns aber nur die Klasse zu halten.“

Es wird bis zum Ende eng bleiben. (über den Abstiegskampf)

Ein echter Abstand zu den Abstiegsplätzen konnte aber noch nicht hergestellt werden. Was muss denn noch besser werden beim FSV, damit es auch klappt mit dem Klassenerhalt?
Julius Reinhardt: „Gerade in den letzten Wochen haben wir ein paar sehr gute Spiele abgeliefert, die zum Teil nicht glücklich ausgingen für uns und wir nur unentschieden gespielt haben. Da wäre mehr möglich gewesen. Aber insgesamt ist die Liga so eng beieinander, dass es einfach schwierig ist, um die Punkte zu kämpfen. Wir sind immer voll dabei, haben jedes Wochenende die Chance zu gewinnen. Das stimmt optimistisch und positiv. Nichtsdestotrotz wird es bis zum Ende eng bleiben.“

Nicht nur Zwickau hat schon einige Unentschieden gesammelt, insgesamt fallen die vielen Remis in der Liga auf. Ein Zeichen der Ausgeglichenheit in der Klasse?
Julius Reinhardt: „Ich würde das schon als Indiz für die Ausgeglichenheit sehen. Es ist schwierig die Spiele am Ende für sich zu entscheiden. Die Mannschaften sind meistens von relativ ähnlichem Niveau. Man kann tatsächlich an den Unentschieden ablesen, wie ausgeglichen die Liga ist.“

Wie Sie haben auch andere Ex-Spieler des Chemnitzer FC wie Janik Bachmann bei Würzburg oder Maurice Trapp bei Osnabrück aber auch einige andere tragende Rollen in ihren neuen Vereinen. Warum hat es denn zusammen nicht geklappt?
Julius Reinhardt: „Das ist eine gute Frage. Wenn wir es gewusst hätten, hätten wir es sicher besser gemacht. De Querelen von außen in Chemnitz waren schon so groß, dass es nie geklappt hat, als homogene Mannschaft zusammenzuarbeiten. Am Ende kann man das nicht an ein oder zwei Gründen festmachen, es lief einfach nicht rund.“

Auch unschöne Erfahrungen sind hilfreich. (über die letzte Saison in Chemnitz)

Haben Sie und Ihre früheren Kollegen durch diese Saison ein besonderes Bedürfnis verspürt, es nochmal allen zu beweisen?
Julius Reinhardt: „Wie andere an die Sache rangehen, kann ich schwer beurteilen. Ich denke aber schon, dass es eine Rolle spielt, weil es für keinen Sportler so ein Jahr mit Insolvenz und Abstieg eine schöne Zeit ist. Da hat man schon den Anspruch es dann versöhnlicher zu gestalten.“

Inwieweit hilft denn die Erfahrung aus der schweren letzten Saison heute in Zwickau?
Julius Reinhardt: „Prinzipiell schadet es nie, viele Erfahrungen zu sammeln als Profi-Spieler. Wie man diese dann in einer Situation konkret anwenden kann, ist schwer zu sagen. Grundsätzlich sind aller Erfahrungen hilfreich, auch wenn es unschöne sind.

Am Ende gilt es, weiter zu machen. Es wird niemand kommen und einem raushelfen. Man kann es nur selber und mit der eigenen Mannschaft schaffen.“

Nach der Länderspielpause geht es gegen Meppen, die hinter Ihnen stehen, dann gegen 1860, die einen Punkt mehr haben. Wo steht der FSV nach diesen beiden Spielen?
Julius Reinhardt: „So weit will ich gar nicht vorausschauen. Aber wir haben jedenfalls in Spielen, bei denen wir gedacht haben, dass wir die auf jeden Fall gewinnen müssen, nicht so viele Punkte geholt. Darauf legen wir ein Augenmerk, dass sich das in naher Zukunft ändert.

Dann können wir hoffentlich gemütlich mit unseren Familien Weihnachten feiern und haben die Punktzahl, die uns optimistisch stimmt für die Rückrunde.“

Herr Reinhardt, vielen Dank für das Interview!

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