Hallescher FC: Interview mit Björn Jopek

"Ich würde mich als Griesgram bezeichnen."

Björn Jopek vom HFC

Björn Jopek blüht beim Halleschen FC auf. ©Imago/Köhn

Die Karriere von Björn Jopek verlief alles andere als geradlinig. Von der Stammkraft in der 2. Bundesliga bei seinem Ausbildungsverein Union Berlin wurde er nach einem Transfer zu Arminia Bielefeld plötzlich zum Ergänzungsspieler. Ähnliches widerfuhr ihm in der 3. Liga beim Wechsel von Chemnitz nach Würzburg.

In Halle aber ist der 25-Jährige nun wieder so stark wie selten zuvor. Im Interview mit Liga-Drei.de erzählt er, warum es beim HFC so gut läuft und warum er manchmal eine schlechte Körpersprache hat.

Herr Jopek, Sie hatten kein leichtes Jahr in Würzburg und spielten nach dem Trainerwechsel unter Michael Schiele keine Rolle mehr, in Halle sind Sie Stammspieler. Warum passt es zwischen Ihnen und dem Klub?
Björn Jopek: „Das ist vielschichtig, aber erst einmal liegt es daran, dass ich mit dem Trainer auch eine menschliche Basis habe. Er vertraut mir einfach. Bei jedem Spieler ist es so, dass er eher Leistung bringt, wenn er Vertrauen vom Trainer bekommt. Außerdem – auch wenn es oft gesagt wird und vielleicht abgedroschen klingt – ist die Mannschaft wirklich spitze.“

Torsten Ziegner sieht man während der Spiele immer sehr emotional. Wie erleben Sie ihn in der täglichen Trainingsarbeit?
Jopek: „Er ist schon ein emotionaler Typ, aber trotzdem sehr akribisch. Wir arbeiten inzwischen sehr viel an Details. Er legt auf bestimmte Dinge viel Wert, die müssen immer kommen. Wenn du die nicht bringst, gibt es schon einmal auf die Nuss. Aber er macht das sehr gut und ist in der jetzigen Situation der richtige Trainer für mich.“

Ich bin oft mit mir selbst negativ. (über seine selbstkritische Art)

In einem Interview vor der Saison sagten Sie „ich bin nicht der einfachste Typ“. Wie haben Sie das gemeint?
Jopek: „Ich würde mich als Griesgram bezeichnen. Ich bin oft mit mir selbst negativ, vergesse dann die positiven Dinge. Ich weiß nicht, ob ‚schwieriger Typ‘ die richtige Formulierung war. Das kam aus der Situation in Würzburg, wo es insgesamt nicht so einfach für mich war. Wenn ich die positiven Dinge hinten anstelle, leidet meine Körpersprache. So habe ich das gemeint.“

Am Wochenende waren Sie gesperrt. Hat Sie der deutliche Sieg über Uerdingen überrascht?
Jopek: „Die Höhe nicht, das kann immer mal passieren, aber die Art und Weise. Mit dem 4:0 war Uerdingen ja noch gut bedient. Ich kann mich an keine klare Uerdinger Chance erinnern.

Wir hatten bestimmt noch drei oder vier Hochkaräter, wo entweder der letzte Ball oder der Abschluss nicht gepasst hat. Wir haben wieder das auf den Platz gebracht, was uns in der Hinrunde so stark gemacht hat.“

Mit dem 4:0 war Uerdingen noch gut bedient. (über das Spiel gegen den KFC)

Zuvor blieb der HFC in vier Partien ohne eigenen Treffer, der Klub suchte daraufhin mit viel Ironie das „Tor des Monats“ und bat die Fans, Videos einzusenden. War das der Knotenlöser vor dem 4:0 gegen Uerdingen?
Jopek: „Am Ende des Tages hat es geholfen. Irgendwann kommt der Knotenlöser. Wir hatten ja in der Hinrunde das Beispiel mit unserem Stürmer Mathias Fetsch. Er hat erst nichts getroffen, macht dann gegen Würzburg ein Appel-und-Ei-Tor und hat danach richtig gebombt.

So einen Knotenlöser braucht manchmal auch die ganze Mannschaft. Wir hatten eine Glückssituation; ich weiß nicht, ob man den Elfmeter geben muss. Dadurch gingen bei Uerdingen die Köpfe runter und wir haben mit unserer Art Fußball zu spielen das Spiel von vorne bis hinten dominiert.“

Wurde die Tor-Aktion in der Mannschaft mit Humor aufgenommen?
Jopek: „Ja, natürlich. Wir haben uns jetzt nicht in der Gruppe darüber unterhalten, nur einzeln. Wenn man so etwas geschickt bekommt, dann lacht man darüber. Es hat auf jeden Fall keine schlechte Stimmung gemacht. Deswegen hat die Aktion geholfen, wie man sieht.“

Wir kommen nicht so sehr über die individuelle Qualität wie andere Mannschaften. (über die Spielweise des HFC)

In der Defensive passt es hingegen fast immer. Halle hat hinter Osnabrück die zweitbeste Defensive der Liga. Warum ist es so schwer, gegen den HFC zu treffen?
Jopek: „Weil bei uns elf Mann gegen den Ball arbeiten. Das klingt doof, aber der Trainer sagt, auch Leichtathleten können verteidigen. Er achtet sehr darauf, dass die Defensive steht. Wir kommen nicht so sehr über die individuelle Qualität wie andere Mannschaften. Aber als Gruppe passt es einfach. Wir arbeiten sehr offensiv gegen den Ball und wir vertrauen uns gegenseitig. Das ist die Basis.“

Wo liegen Ihre Hauptaufgaben als zentraler Mittelfeldspieler im System des HFC?
Jopek: „Das kommt darauf an, mit wem ich in der Zentrale spiele. Wenn ich mit Bax (Bentley Baxter Bahn, Anm. d. Red.) auf der Sechs spiele, habe ich mehr Defensiv-Aufgaben. Dann bin ich der Ankerspieler, der für die Spielverlagerung sorgen, absichern und die Restverteidigung organisieren soll.

Mit Wasi (Jan Washausen, Anm. d. Red.) habe ich mehr Offensiv-Aufgaben. Ich bin dann sozusagen der Zwischenraumspieler, der sich mit nach vorne einschaltet und den Spielaufbau macht, wo auch meine Stärke liegt.“

Aalen wird eklig. (über das anstehende Spiel)

Am Sonntag müssen Sie zum Schlusslicht nach Aalen. Was für eine Partie erwarten Sie?
Jopek: „Es ist zwar der nächste abgedroschene Spruch, aber 3. Liga ist eben sehr eng. Für viele meiner Mitspieler geht es zusätzlich gegen den Ex-Trainer und frühere Mitspieler. Das ist dann auch ein besonderes Spiel. Aalen wird eklig. Ich habe da schon einige Male spielen dürfen. Das Stadion macht nicht den Eindruck eines Hexenkessels, aber trotzdem sind die Heimspiele eine Stärke des VfR. Sie werden mit aller Macht versuchen, uns Punkte abzuluchsen, wir wollen das verhindern.“

Der Druck da oben ist anders. (über die Rolle des Gejagten)

„Nur zusammen“ lautete das Motto des HFC. Anfang Februar wurde es ergänzt, heißt nun „Nur zusammen – hoch hinaus“. Heißt: Richtung 2. Liga?
Jopek: „Ich würde lügen, wenn ich sage, man denkt nicht darüber nach, wenn man zwölf Spieltage vor Schluss da oben steht. Wir sind aber nicht mit dem Ziel in die Saison gestartet, aufzusteigen, sondern wollten eine gute Runde spielen. Das haben wir ganz gut hinbekommen.

Am Anfang der Rückrunde haben wir schon gemerkt, dass der Druck da oben anders ist. Die Gegner gehen mehr auf uns ein. Deswegen hat uns das Spiel gegen den direkten Konkurrenten Uerdingen gutgetan. Gegen Osnabrück hat es ja nicht so gut geklappt. Wir müssen von Spiel zu Spiel denken, damit sind die meisten Mannschaften in den letzten Jahren ganz gut gefahren. Am Ende muss man schauen, was dabei rauskommt.“

Wann würden Sie die Saison für den HFC als erfolgreich bezeichnen?
Jopek: „Ich glaube, ich würde sie jetzt schon als erfolgreich bezeichnen. Sie ist aber noch nicht zu Ende. Wenn wir konstant so weiterspielen, dann wird es für den Verein finanziell und sportlich ein voller Erfolg, ebenso für uns persönlich.

Wenn die Mannschaft glänzt, glänzt auch jeder Einzelne. Im Moment würde ich sagen, wenn wir bis zum Ende unter den ersten fünf bleiben und noch oben ranschnuppern können, sind wir erfolgreich.“

Herr Jopek, vielen Dank für das Gespräch!

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