Hallescher FC: Interview mit Martin Röser

Der Mittelfeldspieler über die Aufstiegschancen des HFC

Martin Röser bejubelt einen Treffer.

Will in den restlichen Saisonspielen noch öfter jubeln: Halles Martin Röser. ©Imago

Martin Röser wechselte im vergangenen Sommer von Kickers Offenbach zum Halleschen FC. An der Saale fand sich der Mittelfeldspieler sofort gut zurecht und stand zu Saisonbeginn 5-mal in der Startelf. Doch dann folgte ein Knick, Röser kam oftmals nicht über die Rolle des Jokers hinaus.

In den vergangenen vier Partien baute HFC-Trainer Rico Schmitt jedoch wieder voll auf den 26-Jährigen, der dieses Vertrauen mit einem wichtigen Tor in Münster zurückzahlte. Im Interview mit Liga-Drei.de spricht Martin Röser über die aktuelle Situation und die Aufstiegschancen des Halleschen FC.

Herr Röser, der Hallesche FC schafft es seit Wochen nicht, die Patzer der Konkurrenz zu nutzen. Woran liegt das?
Martin Röser: „Oh, gleich die schwerste Frage zu Beginn. Momentan ist wohl unser größtes Problem, dass die Leistung nicht den Punkten entspricht, die nach 90 Minuten auf unserem Tableau stehen. Den größten Teil der Spiele haben wir wirklich ordentlich bestritten, aber mit leeren Händen wie gegen Großaspach oder mit nur einem Punkt in Münster beendet. Das spiegelt ein Stück weit die ganze Saison wider: Die Liga ist noch ausgeglichener als in den vergangenen Jahren.“

Nur drei Mannschaften in der 3. Liga haben weniger Tore geschossen als der HFC. Woran hapert es in der Offensive?
Röser: „Wenn man zu wenige Tore erzielt hat, kann es an mangelhafter Torgefahr oder eben der Chancenverwertung liegen. Bei uns trifft Letzteres zu. Wir hatten gerade gegen Aspach fünf, sechs hochkarätige Möglichkeiten. Das zieht sich wie ein roter Faden durch die Spielzeit. Aber wichtig ist, dass wir uns die Gelegenheiten überhaupt herausspielen und uns in vielen Spielen ein Chancenplus erarbeiten. Ich hoffe, dass wir uns die Tore für die restliche Saison aufgehoben haben und unsere  Ausbeute noch ein bisschen verbessern können.“

Wenn man Pech am Fuß hat, gehen die einfachsten Bälle nicht rein. (über seine lange Torlos-Serie)

Sie selbst haben in 21 Einsätzen zwei Treffer erzielt, retteten mit ihrem Tor zuletzt auch einen Punkt in Münster. War das der Wendepunkt nach zuvor elf Spielen ohne Treffer?
Röser: „Das wäre natürlich ein Traum, wenn es für den HFC weiter nach oben geht und es auch bei mir weiter so läuft wie zuletzt. In den Wochen vor Münster hatte ich schon mehrmals die Chance zu treffen – sowohl gegen Aspach als auch in Rostock und gegen Regensburg. Aber wenn man mal Pech am Fuß hat, dann gehen die einfachsten Bälle nicht rein. In Münster hat es zum Glück wieder gepasst. Ich habe auch im Training weiter am Abschluss gearbeitet und hoffe, nicht wieder so lange auf den nächsten Treffer warten zu müssen.“

Sie haben Großaspach jetzt mehrfach angesprochen. Dort spielt Ihr Bruder Lucas, der aktuell bei elf Toren für die SG Sonnenhof Großaspach steht. Gab es vor der Saison eine Wette, wer von Ihnen beiden mehr Tore schießt?
Röser: „(lacht) Eine Wette gab es nicht, das haben wir mal zu Regionalliga-Zeiten gemacht. Ich freue mich natürlich über jedes Tor, das er schießt. Aber er ist Stürmer, deswegen wird er zwangsläufig mehr Tore auf dem Konto haben. Vielleicht schrumpft diese Lücke zwischen zwei und elf noch ein wenig, dann würde mich das freuen – wobei ich ihm natürlich wünsche, dass er weiterhin erfolgreich ist. Direkte Duelle haben wir in dieser Saison ja nicht mehr.“

War Lucas schon auf dem Bolzplatz der bessere Knipser?
Röser: „Er war schon immer eher der Stürmer und ich eher der Vorbereiter. Wir haben früher oft auf dem Bolzplatz zusammengespielt, obwohl wir drei Jahre auseinander sind. Lucas hat schon immer mit den älteren Jungs gekickt. Und er ist jetzt schon seit einigen Jahren sehr konstant als Torjäger.“

Kommen wir zu Ihnen zurück. Zwischenzeitlich kamen Sie nur als Joker zum Einsatz, zuletzt standen Sie 4-mal in der Startelf. Glauben Sie, dass Sie jetzt endgültig in Halle angekommen sind?
Röser: „Ich habe mich schon zu Beginn der Saison mit fünf Startelf-Einsätzen relativ gut gefühlt. Und in Halle angekommen war ich auch ungeachtet der Einsatzstatistik sehr schnell. Nach gutem Start kam ein Loch und ich saß zunächst draußen. Die Mannschaft hat in dieser Zeit auch wirklich gut gespielt, das musste ich so hinnehmen. Aber ich habe weiter an mir gearbeitet und war zum Rückrunden-Start topfit. Deswegen freue ich mich, dass ich zuletzt wieder das Vertrauen bekommen und hoffentlich gerechtfertigt habe.“

Wir müssen vorne das eine oder andere Tor mehr schießen. (über das Rezept im Aufstiegskampf)

Der Hallesche FC hat nach wie vor gute Chancen auf den Aufstieg. Worauf wird es in den nächsten Wochen besonders ankommen?
Röser: „Das Wort Aufstieg spielt bei uns im Team wirklich keine Rolle. Es gibt ja das alte Sprichwort: Die Meisterschaft wird in der Defensive gewonnen – und da sind wir sehr gut, bekommen wenige Gegentore. Dementsprechend müssen wir einfach vorne das eine oder andere Tor mehr schießen. Wir brauchen nicht die stärkste Offensive der ganzen Liga zu haben, aber auf jeden Fall mehr Effektivität. Und wenn wir dann weiterhin so stabil stehen, dann ist in dieser Saison noch etwas drin für uns.“

Kein Team ist im eigenen Stadion besser als der HFC. Wie erklären Sie sich die Diskrepanz zwischen den Heim- und Auswärtsspielen, wo erst eine Partie gewonnen wurde?
Röser: „Wir fahren gut damit, dass wir uns darüber einfach keine Gedanken machen. Wir hatten oft genug die Chance, auch auswärts zu punkten, gute Spiele gemacht – und uns nicht belohnt. An dieser Diskrepanz arbeiten wir – und starten in Frankfurt den nächsten Anlauf.“

Das Spiel beim FSV steigt am Samstag. Die Frankfurter schwächeln gerade gewaltig – sehen Sie den HFC dort also trotz der Auswärtsschwäche in der Favoritenrolle?
Röser: „Frankfurt hat gerade einen Trainerwechsel vollzogen – und man weiß ja, was das für Kräfte innerhalb einer Mannschaft freisetzen kann. Das sieht man auch gerade in Wiesbaden, wo mit dem neuen Trainer Rüdiger Rehm drei Siege in Folge gelangen. Wir werden den FSV also nicht unterschätzen, das ist ein angeschlagener Riese. Deswegen glaube ich, dass es wieder ein extrem schweres Auswärtsspiel für uns wird. Aber natürlich fahren wir mit dem klaren Ziel dorthin, drei Punkte zu holen.“

Wie wollen Sie das bewerkstelligen?
Röser: „(schmunzelt) Indem wir ein Tor mehr schießen als der Gegner! Spaß beiseite: Wir wollen offensiv spielen, da haben wir in Münster schon einen Schritt in die richtige Richtung gemacht und wollen das Spiel hochkonzentriert angehen. Und es nach Möglichkeit natürlich gewinnen, egal wie.“

Vielen Dank für das Interview, Herr Röser!

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