Hallescher FC: „Jan Washausen verträgt auch Klartext“

Ex-Trainer Michael Wiesinger über Jan Washausen

Jan Washausen vom Halleschen FC.

Jan Washausen kam mit Torsten Ziegner vom FSV Zwickau. ©Imago/foto2press

Jan Washausen übernahm nach seinem Wechsel zum Halleschen FC gleich die erhoffte Führungsrolle und ist einer der Grundpfeiler für die erfolgreiche Saison des HFC. Wir haben mit seinem früheren Trainer Michael Wiesinger gesprochen, der mit ihm in Elversberg zweimal die Aufstiegsspiele in die 3. Liga erreichte. Warum er in Elversberg bereit war, lange auf Jan Washausen zu warten und was ihn für jede Mannschaft wichtig macht, erzählt Wiesinger exklusiv bei Liga-Drei.de.

Herr Wiesinger, Sie trainierten Jan Washausen bei der SV Elversberg. Warum kam er als Bundesligaspieler damals zu Ihnen in die Regionalliga?
Michael Wiesinger: „Das Modell in Elversberg war auf den Drittliga-Aufstieg ausgelegt. Da brauchten wir Spieler, die uns mit ihrer Qualität entscheidend weiterbringen, wussten aber auch, das werden Spieler sein, die einen Karriereknick erlebt haben.

So war es bei Jan Washausen. Er hatte erst eine sehr gute Zeit, dann kam die Verletzung und danach hatte er es schwerer. Wir wollten jemanden der das defensive Mittelfeld stabilisiert und so sind wir auf Jan gekommen.“

Durch Verletzungen hatte er zuvor nie eine ganze Saison als Stammspieler bestreiten können. Hatte er bei Elversberg mehr Glück oder hat er etwas verändert?
Wiesinger: „Wir wussten schon, dass wir Überzeugungsarbeit leisten müssen, um Spieler in die vierte Liga zu bekommen. Bei Jan kam dazu, dass wir Geduld haben mussten, er war aber unser Wunschspieler auf der Position.

Wir haben uns dann im Trainerteam schon Gedanken gemacht, dass wir einen guten Spieler bekommen, aber vor dem Hintergrund, mit ihm präventiv zu arbeiten und die Verletzungen aufzuarbeiten. Wir haben das ganz gut hinbekommen.“

Ein ganz wichtiger Spieler und Ansprechpartner. (über Jan Washausens Rolle bei der SVE)

Haben Sie dann mit ihm individuell gearbeitet?
Wiesinger: „Ich weiß aus eigener Erfahrung, wenn man seinen Wettkampfrhythmus verliert und auch ein bisschen den Glauben an seine Wettkampfhärte, dann muss man sich das wiederholen. Das geht durch viele Spiele, durch intensives, hartes Training aber auch durch die notwendige Regeneration und zusätzliche Athletikeinheiten.

Jan war für diese Arbeit sehr empfänglich und total professionell. Man hat gesehen, dass er schon einiges mitgemacht hat in seiner Laufbahn. Als Trainer kann man dem Spieler ja nur Wege aufzeigen, er muss sie dann aber gehen. Das war bei Jan der Fall, er ist ja auch ein intelligenter Typ. Von daher haben wir uns schon gut verstanden.“

Sie erreichten dann zweimal die Relegationsspiele zum Aufstieg in die 3. Liga. Welchen Anteil hatte Jan Washausen daran?
Wiesinger: „Für mein Konstrukt, das ich mir für die Mannschaft ausgedacht hatte, war er enorm wichtig. Er sollte der sein, der uns die Stabilität gibt, und der Verbindungsmann sein, der die Defensive zusammen mit den Innenverteidigern am Laufen hält. Ich wollte eine starke defensive Achse. Wenn du in dieser Liga als Favorit reingehst, musst du stabil sein und wenig Gegentore kriegen.

Qualität nach vorne hast du in diesen Mannschaften immer, um Tore zu machen. Jan war sehr beständig, präsent im Zweikampf und robust. Ich wusste, sobald er die Fitness und Wettkampfhärte wieder hat, wird er ein ganz wichtiger Spieler und Ansprechpartner.“

Relegation ist brutal. (über das zweifache Scheitern am Aufstieg)

Inwieweit sehen Sie Gemeinsamkeiten zwischen dem Fußball des HFC und der Spielweise der SV Elversberg zu Ihrer Zeit?
Wiesinger: „Ich schaue zwar nicht jedes Spiel live, aber sie machen auf mich einen sehr stabilen Eindruck. Sie kriegen wenig Tore, sind sehr zielstrebig, wenn sie mal eine Chance haben. Das war schon auch bei uns so. Für uns war Jan Washausen das i-Tüpfelchen, das uns noch gefehlt hat. Deswegen haben wir auch lange auf ihn gewartet. Im Fußball ist man ja immer ungeduldig, will seine Mannschaft schnell zusammenhaben.

Jan kam erst im August zu uns, hat uns im Nachhinein aber Recht gegeben. Es war in meinen zwei Jahren eine sehr gute Zusammenarbeit. Dass wir dann den letzten Punch nicht mehr geschafft haben, war für uns alle traurig, auch für Jan Washausen. So ist es eben im Fußball. Relegation ist brutal.“

Michael Wiesinger in seiner Zeit beim KFC Uerdingen

Michael Wiesinger trainierte die SV Elversberg zwei Jahre lang. ©Imago/Markus Endberg

Oft erleben Mannschaften nach einem knapp verpassten Erfolg im folgenden Jahr ein Tief. Wie konnten Sie das verhindern nach dem ersten verpassten Aufstieg?
Wiesinger: „Indem wir die Dinge klar angesprochen haben und als Trainerteam vorangegangen sind. Wir hatten nicht viel Zeit, das Erlebte aufzuarbeiten, sondern mussten so schnell wie möglich alles regeln, indem wir wieder eine Mannschaft werden und das zusammen verarbeiten.

Wir hatten in der Mannschaft starke Charaktere, wie unter anderem Jan Washausen, von denen man weiß, die werden sich nicht unterkriegen lassen, sondern so schnell wie möglich eine neue Chance nutzen wollen. So war es ja dann auch. Wir haben zwar frische Leute dazu geholt, aber das Gros der Mannschaft ist geblieben. Das war für mich ein wichtiger Faktor, um sofort wieder anzugreifen.“

Das sind Spieler, mit denen du auf Strecke etwas gewinnen kannst. (über Jan Washausen Charakterstärke)

Beim HFC ist Jan Washausen Kapitän. Wie oft hat er in Elversberg schon das Wort ergriffen?
Wiesinger: „Jan ist kein Lautsprecher. Das muss man heutzutage nicht sein. Ich war jetzt nicht in internen Mannschaftssitzungen dabei, aber was Jan gesagt hat, hat Hand und Fuß. Das ist es, was zählt. Das schätzen Mitspieler und Trainer.

Was ich an ihm noch geschätzt habe: Wenn ich ihm mal eine klare Rückmeldung gegeben habe, wenn ich mal nicht so zufrieden war, habe ich gemerkt, es kommt an, er verträgt auch Klartext. Das sind die Spieler, mit denen du auf Strecke wirklich etwas gewinnen kannst.“

Sie hatten damals noch einige Spieler unter sich, die heute Leistungsträger in Drittliga-Klubs sind, wie Merveille Biankadi, Aaron Berzel oder Maximilian Osterhelweg. Wie haben Sie deren Werdegang anschließend noch verfolgt?
Wiesinger: „Für mich war es wichtig, den Jungs in den ersten Gesprächen zu sagen: Wir sind alle in der vierten Liga, wir wollen alle da raus, aber Stand jetzt ist es so. und wir müssen diese Liga annehmen. Wir haben alle unsere Qualitäten und fühlen uns zu Höherem berufen, aber die Qualität müssen wir erstmal auf den Platz kriegen. Da hatte ich wirklich gute Jungs und gute Typen.

Es war klar, dass der Weg für diese Jungs zu diesem Zeitpunkt nicht zu Ende war. Es gibt im Fußball Gott sei Dank auch Leute, die genau hinschauen und auch in der vierten Liga Potential erkennen, dass nach Höherem schreit. Dass gerade die Genannten momentan in der 3. Liga Verstärkungen sind, ist für mich klar. Ich verfolge es und es freut mich, dass sie jetzt in der Liga angekommen sind, wo sie sich zeigen können. Speziell für Biankadi ist ja der Weg noch nicht zu Ende.“

Speziell für Biankadi ist der Weg noch nicht zu Ende. (über die Entwicklung seiner früheren Spieler)

Jan Washausen ist mit mittlerweile 30 Jahren in blendender Form, kann erstmals eine komplette Drittliga-Saison absolvieren. Ist ein Aufstieg mit dem HFC seine letzte Chance auf 2. Bundesliga?
Wiesinger: „Ich denke schon, dass er einen Klub gefunden hat, wo er seine Ziele nochmal erreichen kann. So ein Spieler wie Jan wird sich nicht auf Jahre hinaus Ziele setzen. Er weiß, dass vieles auch von der Gesundheit abhängt. Bei ihm ist entscheidend, dass er powern kann und Vertrauen in seinen Körper hat.

So ein Spieler weiß, dass er jedes Jahr genießen kann. Gerade dann kommen die besten Leistungen. So nehme ich es wahr, aber ich bin weit weg. Ich freue mich jedenfalls für ihn, weil ich ihn als Mensch und Typen mag.“

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Wiesinger!

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