Hansa Rostock: Interview mit Ex-Torwart Jörg Hahnel

"Der Fan-Zuspruch sollte ein Segen sein."

Der ehemalige Hansa-Keeper Jörg Hahnel

119-mal streifte sich Jörg Hahnel in seiner Laufbahn das Hansa-Trikot über. ©Imago/osnapix

Seit dieser Saison ist Jörg Hahnel wieder in Rostock aktiv, beim ansässigen FC 1895 fungiert der 35-Jährige dabei gleichzeitig als Torhüter sowie Co-Trainer. Die größten Erfolge in seiner Laufbahn feierte Hahnel allerdings mit Hansa.

Im Interview mit Liga-Drei.de spricht der Schlussmann über seine aktuelle sportliche Situation, den Schlüssel zum letzten Zweitligaaufstieg sowie die Fan-Unterstützung im Ostsee-Stadion.

Herr Hahnel, nach 13 Spielen liegen Sie mit ihrem neuen Team auf dem 4. Platz in der Verbandsliga Mecklenburg-Vorpommern. Wie bewerten Sie den bisherigen Saisonverlauf als Co-Trainer?
Hahnel: „Mit dem Trainer Axel Rientiet, meiner Person sowie zwei, drei Spielern sind vor der Saison gleich mehrere Personen vom FC Schönberg 95 zum Rostocker FC gewechselt. Das hat natürlich ein paar Erwartungen geweckt. Wir haben jedoch festgestellt, dass in der Verbandliga der Fokus nicht auf dem Fußball liegt, sondern auf den Berufen der Spieler.

Das ist nicht immer so leicht zu vereinbaren. So müssen wir manchmal mit acht, neun Spielern beim Training auskommen. Aber mit dem 4. Platz können wir bislang sehr zufrieden sein. Wir haben jedoch noch einige Schwergewichte vor der Brust, sodass wir einfach schauen wollen, was am Ende rauskommt.“

Und als Torhüter?
Hahnel: „Eigentlich genauso. Wir haben ein bisschen schwer in die Saison gefunden und mussten uns auch als Team erst einmal formieren. So kamen Niederlagen zustande, die eigentlich nicht nötig waren. Da hatten wir auch personelle Sorgen zu beklagen.

Zwischenzeitlich konnten wir jedoch eine Serie starten und blieben einige Partien ohne Niederlage. Im Pokal stehen wir zudem nun im Viertelfinale, auch da haben wir eine echte Chance. Als Spieler bin ich bislang zufrieden mit der Saison.“

Sie haben beim Rostocker FC noch einen Vertrag bis Saisonende. Wie hoch schätzen Sie aktuell die Chancen ein, dass Sie noch ein Jahr als aktiver Spieler dranhängen werden?
Hahnel: „Im Moment sehr hoch. Ich fühle mich gut, bin gesund und habe meistens auch Spaß an der Sache. Wir versuchen derzeit dem Verein zu mehr Struktur zu verhelfen und den Leistungsgedanken zu fördern. Vielleicht schaffen wir es zudem, im Winter noch ein, zwei neue Spieler zu holen, sodass wir auch im Training alle Spielformen üben können.

Die Chancen stehen aktuell sehr hoch. (über eine Fortsetzung seiner aktiven Laufbahn)

Wenn die Entwicklung stimmt, dann glaube ich schon, dass ich nochmal verlängern werden. Solange ich Spaß habe und von Verletzungen verschont bleibe, will ich spielen.“

Mit Hansa prägte achteinhalb Jahre lang ein weiterer Verein aus Rostock Ihre Karriere. Wie verfolgen Sie das aktuell Geschehen dort?
Hahnel: „Das Interesse ist auf jeden Fall da, eigentlich bekomme ich alles rund um den Verein mit. Es gab eine Zeit, da habe ich mich jedoch weniger für Hansa interessiert. Wenn ich die Zeit habe, und unsere Spiele nicht zeitgleich stattfinden, dann bin ich auch im Stadion. Mit Marcel Ziemer und Tommy Grupe habe ich noch zusammengespielt, zum Funktionsteam habe ich ebenfalls noch einen guten Draht.

Mittlerweile bin ich auch Torwarttrainer im Nachwuchsleistungszentrum und in der Hansa-Torwartschule. Ich bin froh, dass die 1. Mannschaft vor einer ruhigeren Saison steht. Die Tuchfühlung nach oben ist gegeben, das kann hoffentlich auch beibehalten werden.“

Hansa startete nicht nur mit einem neuen Coach und einem rundum erneuerten Team in die Spielzeit. Warum macht Dotchev mit seinem Team bislang einen guten Job?
Hahnel: „Ich denke, dass Herr Dotchev ein sehr erfahrener Trainer ist. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass er auch mit Teams, die komplett neu zusammengestellt wurden, Erfolg haben kann. Mit Aue hat er das mit dem Aufstieg in die 2. Liga gekrönt.

Ich kenne Spieler, die unter ihm trainiert haben – und da habe ich nur Gutes gehört. Er genießt innerhalb der Mannschaft sicherlich ein hohes Vertrauen, die Jungs zahlen ihm das dann mit Spielen wie gegen Fortuna Köln zurück.“

Mit 15 Gegentoren zählt die Rostocker Defensive zu den stabilsten der Liga. Welchen Stellenwert schreiben Sie dabei Janis Blaswich im Tor zu?
Hahnel: „Ich halte ihn für einen sehr guten Torhüter. Zwar habe ich mich im Sommer gewundert, dass er kurz vor Saisonstart noch verpflichtet und dann direkt ins kalte Wasser geworfen wurde, aber im Nachhinein war es eine gute Entscheidung, Janis zu verpflichten. Er macht einen guten Job und hat sich schon mehrfach als sicherer Rückhalt präsentiert.“

Er macht bislang einen guten Job. (über Janis Blaswich)

Am Wochenende meldete sich Hansa eindrucksvoll im Aufstiegsrennen zurück. Kann es bereits in diesem Jahr mit dem Aufstieg klappen?
Hahnel: „Das kann immer klappen. In der vergangenen Saison hat der FSV Zwickau gezeigt, dass beispielsweise mit einer guten Rückrunde alles möglich ist. Damit haben sicherlich nur Wenige gerechnet. Im Moment bestimmt Paderborn das Geschehen, sportlich waren die bekanntlich ja schon in die 4. Liga abgestiegen.

Vielleicht bricht Paderborn noch ein, vielleicht aber auch nicht. Für Hansa kann es auch ganz schnell gehen. Mit vier, fünf Siegen in Serie ist man mittendrin, genauso schnell kann man jedoch auch den Anschluss verlieren. Die Kontinuität muss gegeben sein und wenn man das Momentum hat, dann kann man schnell aufsteigen.“

Jörg Hahnel (Hansa Rostock) im Duell mit einem Gegenspieler

Der Schlussmann hat in Rostock noch Zweitliga-Fußball miterlebt. ©Imago/Jan Huebner

Beim letzten Aufstieg in der Saison 2010/11 standen Sie 29-mal im Tor. Was hat Hansa damals so stark gemacht?
Hahnel: „Wir waren eine Mannschaft. Im Team gab es keinen Einzelkönner, der unser Spiel geprägt hat. Viel mehr hatten wir in jedem Mannschaftsteil gute Akteure. Der Zusammenhalt war prächtig, auch die Mischung aus erfahrenen und jungen Spielern hat gestimmt. Wenn es dann rund läuft, gewinnt man auch mal schlechte Spiele.

Daran sind wir gewachsen. Am Ende haben wir uns dann etwas schwer getan, den Aufstieg hätten wir sicherlich früher perfekt machen können. Vielleicht hatten wir jedoch auch Angst oder Respekt davor, über die Ziellinie zu gehen. Am Ende ist jedoch alles gut gegangen. Aufgestiegen sind wir dann auf einem Rastplatz, ohne selbst gespielt zu haben.“

Wir waren eine Mannschaft. (über das Erfolgsrezept beim letzten Hansa-Aufstieg)

Sie wurden in der Saison 2014/15 von Johannes Brinkies abgelöst, der 24-Jährige spielt seit 2016 beim FSV Zwickau. Wie bewerten Sie seinen Werdegang?
Hahnel: „Ich habe seinen Weg verfolgt, wir haben immer noch einen guten Kontakt. Ich freue mich für ihn und glaube, dass er den richtigen Weg gewählt hat. Sein Weggang aus Rostock war meiner Meinung nach richtig, auch wenn ich ihm den Durchbruch bei Hansa zugetraut hätte. Doch oftmals fehlt einem Spieler, der aus der eigenen Jugend kommt, die Wertschätzung.

Dann holt der Verein einen neuen Keeper, obwohl der vorhandene Spieler das Potenzial hat. Zwickau ist sportlich für ihn aktuell die richtige Station, der Verein dürfte sich in der laufenden Saison schon mehrfach bei ihm bedankt haben. Er ist die unumstrittene Nummer eins dort. Auch menschlich ist Johannes ein Riesen-Typ. Ich freue mich wirklich, dass er sich in der 3. Liga festbeißen konnte.“

Nach schwachen Heimspielen in der letzten Saison, feierte Hansa in den letzten vier Spielen vor heimischem Publikum drei Siege. Ist der große Fan-Zuspruch dabei eher ein Fluch oder ein Segen?
Hahnel: „Sportlich gesehen war es in den vergangenen Jahren vielleicht ein Fluch. Wenn man viele Fans im Stadion hat und die Unterstützung so groß ist, dann darf es eigentlich jedoch kein Fluch sein. Doch auch zu meiner Zeit haben wir uns daheim oftmals schwer getan. Letztendlich muss es aber ein Segen sein. Wenn ich im Stadion bin, dann ist die Stimmung immer noch riesig.“

Es muss eigentlich ein Segen sein. (über die Fan-Unterstützung)

Mit Tobias Jänicke verließ im Sommer eine echte Identifikationsfigur die Ostsee, aktuell sind nur noch Tommy Grupe und Marcel Ziemer aus Ihrer damaligen Zeit verblieben. Wie bewerten Sie diese Entwicklung bei Hansa?
Hahnel: „Das war schon zu meiner Zeit so. Ich weiß gar nicht, mit wie vielen Spielern ich bei Hansa zusammengespielt habe. Gefühlt waren es drei oder vier komplett neue Teams. Da wurden im Winter teilweise fünf, sechs neue Akteure verpflichtet.

Der Verein verfolgte in der Vergangenheit oft den Anspruch, nach einem Abstieg direkt wieder hochzugehen. Es war nicht immer gut, mit Biegen und Brechen einen Aufstieg zu forcieren. Die aktuelle Mannschaft darf man jedoch nur an der derzeitigen Tabellensituation messen, daher macht sie einen guten Job.

Natürlich ist es schade, dass Marcel sich schwer verletzt hat und noch etwas ausfallen wird. Tommy ist meiner Meinung nach ein Spieler für die 3. Liga, er hat das Potenzial. Ich hoffe, dass er noch einige Einsatzminuten sammeln wird.“

Vielen Dank für das Interview, Herr Hahnel!

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