Hansa Rostock: Interview mit Torwart-Neuzugang Zwick

Meine Karriere verlief sicherlich etwas ungewöhnlich

Luis Zwick vom FC Hansa Rostock

Luis Zwick fängt künftig für den FCH die Bälle. ©Imago/Eibner

In Deutschland blieb er unentdeckt, in Schottland wurde er zum Profi in der 1. Liga. Nun möchte Torwart Luis Zwick bei Hansa Rostock durchstarten. Der gebürtige Berliner wurde als potentielle Nummer 1 verpflichtet.

Im exklusiven Liga-Drei.de-Interview spricht der 23-Jährige über seinen ungewöhnlichen Weg in den Profifußball, seine Erfahrungen bei Dundee United und die Konkurrenzsituation bei Hansa Rostock.

Herr Zwick, Sie sind erst als C-Jugendlicher Torwart geworden, haben nie in einem Nachwuchsleistungszentrum trainiert und wurden dennoch Profi. Wie haben Sie das geschafft?
Luis Zwick: „Meine Karriere verlief sicherlich etwas ungewöhnlich. Ich wurde als C-Jugendlicher nur ins Tor gestellt, weil ich groß war. Anfangs war ich von dieser Maßnahme selber nicht überzeugt. Dann aber fühlte ich mich im Tor doch sehr wohl. Später bin ich dann zu Hertha 03 Zehlendorf gewechselt und habe dort in der 6. Liga gespielt.“

Vom Profifußball waren Sie also weit entfernt…
Zwick: „Das stimmt. Aber ich hatte die große Willenskraft, es irgendwie in den Profifußball zu schaffen. Ich hatte das Gefühl, dass die Torhüter der Jugendmannschaften von Hertha BSC oder Union Berlin auch nicht besser sind. Warum sollte ich also kein Profi werden?

Ich wusste aber, dass ich dafür sehr viel tun müsse. Ich habe zum Beispiel parallel zum Abi gejobbt, um mir einen Fitnesstrainer leisten zu können. Dieser hat drei Mal die Woche mit mir gearbeitet.“

Wurde nur ins Tor gestellt, weil ich groß war (über seine Anfänge als Keeper)

In der Jugend litten Sie unter einer Epilepsie. Hat Sie das auch als Fußballer beeinträchtigt?
Zwick: „Anfangs schon. Ich litt unter der Rolando-Epilepsie. Ich musste viele Medikamente einnehmen, die mich sehr müde gemacht haben. Glücklicherweise ist die Epilepsie in der Pubertät komplett weggegangen. Ansonsten wäre es mit den starken Medikamenten kaum möglich gewesen, Leistungssport zu betreiben.“

Haben Sie nach der A-Jugend versucht, bei einem professionellen deutschen Verein unterzukommen?
Zwick: „Ja, ich hatte ein Probetraining beim Berliner AK absolviert. Das verlief eigentlich sehr positiv. Aber der Verein hatte auf der Torhüter-Position keinen Bedarf. Ich blieb zunächst bei Hertha 03 und spielte eine erfolgreiche Saison. Trotzdem gab es keine Angebote aus dem deutschen Profifußball. Also habe ich mein Glück im Ausland versucht.“

Und wie?
Zwick: „Mein Vater hat zwei Kameramänner engagiert. Die haben zwei Trainingseinheiten abgefilmt und daraus ein Best-of-Video zusammengeschnitten. Dieses Video haben wir an alle Profivereine in Großbritannien verschickt. Alle haben gesagt, das würde nichts bringen und wäre totaler Schwachsinn. Aber eine andere Chance gab es nicht.“

Meine Eltern haben mir Taschengeld überwiesen (über seine Anfänge bei Dundee United)

Wie waren die Reaktionen der Vereine?
Zwick: „Einige Vereine haben sich für das Video bedankt, ohne dass mehr daraus wurde. Der einzige Verein, der wirklich Interesse hatte, war der schottische Erstligist Dundee United. Ich bekam ein Probetraining und hinterließ dabei einen guten Eindruck.

Das Problem war nur, dass der Verein bereits drei gestandene Torhüter hatte. Einen Profivertrag konnten Sie mir nicht geben. Sie konnten mir lediglich anbieten, dass ich kostenlos in deren Internat lebe und ohne Gehalt für die U20 von Dundee United spiele.“

Klingt nicht unbedingt reizvoll…
Zwick: „Es war dem Verein etwas unangenehm, so ein Angebot machen zu müssen. Sie hatten mit einer Absage gerechnet. Aber meine Eltern und ich hatten entschlossen, diese Chance zu ergreifen. Meine Eltern haben mir immer etwas Taschengeld überwiesen, damit ich mir etwas Gesundes zum Essen kaufen konnte.“

Wie haben Sie es dann zum Stammtorhüter in der 1. Liga geschafft?
Zwick: „Ich bekam nach einem Jahr einen Profivertrag. Mein Glück war, dass der Stammtorwart der 1. Mannschaft daraufhin den Verein verließ. Ich und zwei andere Torhüter hatten einen offenen Konkurrenzkampf um die Nummer 1. Besonders die Testspiele liefen für mich so gut, dass die Wahl auf mich viel.“

Alle haben mich 'Fucking Neuer' genannt (über seinen Spitznamen in Schottland)

Was waren die schönsten Erlebnisse in der 1. Liga von Schottland?
Zwick: „Es gab einige tolle Erlebnisse. Einmal wurde ich nach einem Spiel gegen Celtic Glasgow zum „Men of the Match“ ernannt. Das war natürlich super. Etwas Besonderes war auch das Dundee-Derby gegen den FC Dundee. Die Stadien der beiden Vereine liegen nur 100 Meter auseinander.“

Sie hatten einen lustigen Spitznamen in der Mannschaft…
Zwick: „Ja, weil die Mitspieler meinen Namen nicht richtig aussprechen konnten, haben mich alle „Fucking Neuer“ genannt (lacht).“

Warum ging es in Schottland nicht für Sie weiter?
Zwick: „Es gab mehrere Trainerwechsel, sodass ich meinen Stammplatz verlor. Ich habe letzte Saison hauptsächlich noch im Pokal gespielt. Jetzt war einfach der Zeitpunkt, um etwas Neues in Angriff zu nehmen.“

Warum ist Hansa Rostock der richtige Verein dafür?
Zwick: „Ich habe mit Stefan Karow einen super Torwart-Trainer. Außerdem ist Hansa ein renommierter Verein, hat zudem ein tolles Stadion. Die Trainingsbedingungen sind super. Das Projekt mit dieser jungen Mannschaft hat mich gereizt. Besonders fasziniert hat mich aber die große Fanbase.“

Besonders fasziniert hat mich die große Fanbase (über den FCH)

Inwiefern?
Zwick: „Wenn man nach Rostock kommt, sieht man überall das Vereinswappen. Die ganze Stadt identifiziert sich mit diesem Verein. So etwas habe ich noch nie erlebt.“

Wie ist das Verhältnis zu den Torhüter-Kollegen Kai Eisele und Eric Gündemann?
Zwick: „Sehr gut. Bei unserem Trainingslager auf Rügen haben wir Torhüter zusammen in einer WG gewohnt, damit wir uns besser kennenlernen. Das Verhältnis untereinander ist super.“

Sie wurden als potentieller Stammtorwart geholt. Jedoch hat Trainer Pawel Dotchev einen offenen Konkurrenzkampf ausgerufen. Wie groß ist denn die Chance, dass Sie die Nummer 1 werden?
Zwick: „Es ist mein Ziel, am ersten Spieltag zwischen den Pfosten zu stehen. Aber das möchten die anderen Torhüter natürlich auch. Wir haben einen offenen Konkurrenzkampf.“

Vielen Dank für das Interview, Herr Zwick!

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