Heute vor zehn Jahren… Kickers Emden schlägt Werder-Talente

am 12. September 2008

Rudi Zedi behauptet den Ball gegen Kevin Artmann

90 Minuten schenkten sich beide Teams nichts. ©imago/Hinrich Wilken

Es war ein Freitagabend vor gut 1.750 Zuschauern, als die Amateure des SV Werder Bremen um 19 Uhr auf dem Platz 11 des Weserstadions den Tabellenführer der neugegründeten 3. Liga empfingen. Und das war niemand Geringeres als die Kickers Emden. Die Ostfriesen marschierten nach fünf Spieltagen vorweg und das wollten sie zu Beginn des sechsten Spieltages auch so fortführen.

Die Fusion als Auftrieb

Kurz vor Ende der Saison 2007/08 verkündeten die Kickers Emden, dass man zukünftig mit dem SV Blau-Gelb Barenburg-Emden fusionieren wird. Da ihnen nach 36 Spieltagen der Regionalliga Nord die Qualifikation für die 3. Liga gelang, ging die Deichkicker dann ab 2008/09 als BSV Kickers Emden an den Start.

Man hat damals mit minimalen Mitteln fast Maximales erreicht. Kadermäßig musste man immer am Limit spielen, doch die Entwicklung war phänomenal“, bewertet der damalige Kapitän Rudi Zedi das Erreichen der 3. Liga im Nachhinein.

Unsere Heimspiele waren Kult und auswärts kamen immer mehr Fans mit. (Zedi über Emdens Beliebtheit)

Die Euphorie war riesig. Zedi erinnert sich gerne: „Unsere Heimspiele waren immer Kult. Auf diesem Kleiboden haben wir doch den einen oder anderen Traditionsverein geärgert und mit einer Niederlage nach Hause geschickt. Und auch auswärts kamen immer mehr Fans von uns mit.“

Kein Wunder, sorgten die Ostfriesen doch für ordentlich Furore in der neuen Profiliga. Sie gewannen vier der ersten fünf Partien und holten zudem ein Remis. Der kleine Klub aus Ostfriesland war die positive Überraschung zum Saisonbeginn.

Max Kruse im Zweikampf mit Jan Andre Sievers

Max Kruse mit jungen 20 Jahren im Trikot der Werderaner Amateure. ©imago/Ulmer

Lahmer Beginn, spannende Schlussphase

Am 12. September ging es nun gegen Werder Bremens Zweitvertretung. Und wenn man aus heutiger Sicht auf die Aufstellungen zurückblickt, würde man wohl behaupten, dass die zweite Mannschaft des SV Werder der Favorit hätte gewesen sein müssen.

Beim SVW II standen heutige bekannte Namen wie Max Kruse, Philipp Bargfrede (beide wieder bzw. immer noch Werder), Dominik Schmidt (heute Holstein Kiel), Timo Perthel (VfL Bochum) und Marc Heider (VfL Osnabrück) auf dem Platz. Allesamt noch am Anfang ihrer jeweiligen Karriere.

Man musste solchen Spielern auch mit anderen Mitteln begegnen. (Zedi über die Spieltaktik an dem Tag)

„Das waren beim Gegner alles durchweg gut ausgebildete Kicker auf dem Platz“, so Zedi. Doch trotz der Namen war es eine eher langweilige erste Halbzeit, die sich den umherstehenden Spielbeobachtern auf dem Nebenplatz des Weserstadions bot.

„Da musste man solchen Spielern auch mal mit anderen Mitteln als spielerischen begegnen.“ Aber die zweite Hälfte nahm zur Freude der Zuschauer und auch der Trainer Thomas Wolter (Werder) und Stefan Emmerling (Emden) Fahrt auf.

Es kam zu Chancen auf beiden Seiten. Allerdings dauerte es bis zur 86. Minute, ehe die Bemühungen in etwas Zählbares umgesetzt wurden. Dann traf Kickers-Kapitän Rudi Zedi, der bis dahin in fünf Partien gegen die zweite Bremer Mannschaft nie gewonnen hatte.

Serie gebrochen, Tabellenspitze verteidigt und Zedi stieg mit seinen Teamkollegen glücklich und zufrieden in den Mannschaftsbus, um die rund 130 Kilometer Heimweg gen Westen zu bestreiten.

Der weitere Saisonverlauf in Emden

Die Kickers hielten sich noch lange unter den ersten Dreien der Tabelle, ehe ihnen zum Saisonende hin immer mehr die Puste ausging. Doch den sechsten Tabbellenplatz, der nach dem letzten Spieltag heraussprang, werteten die Ostfriesländer als Erfolg. Sportlich war es eine absolut gelungene erste Profisaison. Wirtschaftlich stand es allerdings alles andere als rosig um den Verein.

Das war ein Schockmoment für jeden Spieler. (Zedi über den zurückgezogenen Lizenzantrag)

Die hohen Kosten, die der bundesweite Ligabetrieb mit sich brachte, wurden zur immensen Belastung. Die damaligen Mitglieder des Präsidiums und Aufsichtsrates kamen daher überein, keinen erneuten Anspruch auf eine Lizenz für die 3. Liga erheben zu wollen bzw. zogen sie den bereits gestellten Antrag wieder zurück. Der Zwangsabstieg war trotz der starken Saisonleistung der Spieler damit besiegelt.

Rudi Zedi hält kurz inne und erzählt dann: „Das war ein Schockmoment für jeden Spieler im Kader. Viele standen noch über die Saison hinaus unter Vertrag und von einem Tag auf den anderen plötzlich mit nichts da.“ Aber nicht nur im Verein konnte man die Nachricht nicht fassen. „Für die ganze Stadt war das ein großer Schreck. Der hielt auch noch lange an“, sagt Zedi noch sichtlich berührt von dem damaligen Ereignis.

Die Insolvenz folgte

Doch damit war noch nicht das Ende der Fahnenstange erreicht. Gute zweieinhalb Jahre später – mittlerweile in der Oberliga spielend – traten wieder das Präsidium und der Aufsichtsrat in Erscheinung. Dieses Mal mit der Nachricht über die anstehende Insolvenzanmeldung des Vereines.

Immerhin trug das Insolvenzverfahren zur Gesundung des Vereines bei und der BSV Kickers Emden konnte den Spielbetrieb aufrecht erhalten. Wenn auch nur noch in der Landesliga Weser-Ems, wo die Deichkicker auch heute noch spielen – allerdings mit aufsteigender Tendenz.

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