Karlsruher SC: Interview mit Marc Lorenz

Ohne den SVWW wäre ich nicht beim KSC gelandet

KSC-Spieler Marc Lorenz

Marc Lorenz zählt zu den besten Vorbereitern in der 3. Liga. ©Imago/Sportfoto Rudel

Seit dieser Spielzeit steht der 29-Jährige im Wildpark unter Vertrag, die 3. Liga ist für den gebürtigen Münsteraner allerdings kein Neuland. Im Interview mit Liga-Drei.de gibt der Offensivmann Einblicke in die zurückliegenden Wochen, spricht über eine besondere Fähigkeit und über seine Vergangenheit.

Herr Lorenz, hinter dem KSC liegen turbulente Wochen. Wie wichtig war daher der Sieg gegen Erfurt?
Marc Lorenz: „Wenn man nach den Samstagspartien auf die Tabelle geschaut hat, dann hat man schon gesehen, wie wichtig dieser Sieg war. Nicht nur weil wir andere Ziele haben, sondern weil wir da unten einfach nicht hingehören.

Unsere Mannschaft hat die Klasse, um oben mitzuspielen. Wir haben uns von Spiel zu Spiel gesteigert und gegen Erfurt vor allem vor der Pause einen richtig guten Schritt gemacht. Zur Halbzeit hätten wir schon höher führen müssen.“

Bei einer Niederlage wäre Ihr Team auf den letzten Tabellenplatz abgerutscht. Inwieweit haben Sie sich bei Ihrer Ankunft im Sommer mit diesen Tabellenregionen befasst?
Lorenz: „Damit habe ich mich natürlich nicht auseinandergesetzt, weil man einfach davon ausgegangen ist, dass der KSC oben mitspielen wird. Aber im Fußball weiß man halt nie, was passiert. Die aktuelle Situation müssen wir jedoch annehmen und damit leben. Wir sind auf einem guten Weg und arbeiten uns Stück für Stück daraus. Die letzten vier Ligaspiele, in denen wir nur einen Gegentreffer bekommen haben, machen mir Mut.“

Die letzten vier Ligaspiele machen mir Mut. (über die aktuelle Situation)

Zuhause ist der KSC bislang noch ungeschlagen, auswärts hingegen reichte es bislang erst für einen Zähler. Wie erklären Sie sich das?
Lorenz: „Ja, das stimmt. Auswärts hat uns hier und da auch das Glück gefehlt, denke ich. In Großaspach beispielsweise haben wir ein sehr gutes Spiel gemacht und waren klar die bessere, spielbestimmende Mannschaft. Wir hatten die Chancen, um ein oder zwei Tore zu erzielen.

Gelingt uns das, gehen wir als Gewinner vom Platz. Wenn man vier oder fünf eindeutige Torchancen in der Fremde hat, dann muss das eigentlich mindestens für einen Punktgewinn reichen. Da liegt derzeit noch das Manko.“ 

Am nächsten Wochenende steht die Partie beim Aufsteiger aus Meppen an. Was macht Sie zuversichtlich, dass es im Emsland mit dem ersten Sieg in der Fremde klappt?
Lorenz: „In den letzten Spielen haben wir uns sehr viele Chancen erarbeitet, die wir eigentlich ’nur‘ nutzen müssen. Unsere Defensive haben wir gefestigt, das hat man in den letzten Spielen gesehen. Wenn wir weiterhin an der Offensive arbeiten, dann wird irgendwann der Knoten platzen. Ich hoffe, dass uns das gegen Meppen gelingt.“

Im übernächsten Auswärtsspiel geht es dann nach Münster, Ihre Geburtsstadt. Welche Verbindungen pflegen Sie noch ins Münsterland?
Lorenz: „Da gibt es noch einige Verbindungen. Meine ganze Familie wohnt dort. Für mich ist es immer besonders, nach Hause zu kommen und in Münster zu spielen. Natürlich denke ich da momentan noch nicht dran, aber wenn sich die Partie nähert, dann steigt die Vorfreude schon. Das ist wirklich ein besonderes Spiel für mich.“

In der vergangenen Spielzeit waren Sie zweitbester Vorlagengeber in der 3. Liga, aktuell sind Sie der beste Torvorbereiter Ihres Teams. Woher kommt diese Qualität?
Lorenz: „Mein Spiel ist es einfach, Tore vorzubereiten, auch wenn ich gerne einige eigene Treffer mehr auf dem Konto hätte. Ich komme als Außenspieler oft in die Situation zu flanken und so die Stürmer zu bedienen.

Ein wenig Talent benötigt man auch. (über seine Vorbereiter-Qualitäten)

Zudem übernehme ich auch die Standardsituationen, was gerade in Wiesbaden zu einigen Toren geführt hat. Bislang hat es oft gut geklappt, den Ball in die Box zu bringen und so unsere Angreifer oder die nachgerückten Mittelfeldspieler zu bedienen. Das Flanken ist für mich schon wichtig, das habe ich auch immer wieder trainiert.

Man lernt einfach, den Ball zwischen Torhüter und Abwehr zu bringen, sodass der Stürmer nur noch den Schlappen hinhalten muss. Das kann man trainieren, ein wenig Talent benötigt man aber auch. Daher ist es schon ganz gut, dass ich das wohl habe (lacht).“

Mit Arminia Bielefeld haben Sie bereits in der 2. Bundesliga gespielt, sind auch nach dem Abstieg an Bord geblieben. Anschließend wurden Sie Drittligameister – für Sie ging es dann allerdings zum SV Wehen Wiesbaden…
Lorenz: „Norbert Meier, mein Trainer in Bielefeld, hat mir offen und ehrlich aufgezeigt, dass ich in seinen Planungen keine Rolle mehr spiele, bzw. dass mein Spielertyp nicht gebraucht wird. Es wurde versucht, aus mir einen Spieler zu formen, der ich nicht bin. Daher haben sich die Wege dann getrennt.“

Der SVWW hat sich in den letzten Monaten von einem Abstiegskandidaten zu einem ambitionierten Drittligateam entwickelt, die Grundlage legte Rüdiger Rehm dafür in der vergangenen Spielzeit. Wie haben Sie Herrn Rehm kennengelernt?
Lorenz: „Ich denke, dass Herr Rehm eine klare Philosophie hat und jeder weiß, wie er Fußball spielen will. Wehen agiert kompakt, daraus entstehen einige Möglichkeiten, um schnell zu kontern und den Gegner überfallartig zu überfallen. Das habe ich natürlich während meiner Zeit in Wehen, als wir die beste Rückrunde der Vereinsgeschichte gespielt haben, kennengelernt.

Er lebt den Fußball komplett. (über Rüdiger Rehm)

Er ist ein sehr guter Trainer, der auch im täglichen Training seine Ziele verfolgt. Von daher ist es für mich keine Überraschung, dass der SVWW dort oben steht. Die Defensive ist eingespielt und hat sich zur besten Abwehr der Liga entwickelt. Jeder Trainer hat sicherlich seine Macken, dennoch kann man jedem Coach natürlich auch Positives abgewinnen.

Herr Rehm lebt den Fußball komplett, er seine klaren Vorgaben und Strukturen. In Wehen scheint dies aktuell alles gut zu passen, zudem hat er wohl das Spielermaterial und die Ruhe, um die Dinge umzusetzen.“

Wie blicken Sie auf Ihre Zeit in Wiesbaden zurück?
Lorenz: „Sportlich haben wir uns eigentlich nie in den Tabellenregionen bewegt, wo wir hinwollten. Dennoch war es eine sehr positive Zeit und ich habe auch einige Freunde gefunden. In Wehen habe ich einfach die Chance erhalten, mich in der 3. Liga zu präsentieren.

Wenn Wehen nicht gewesen wäre, wäre ich nicht beim KSC gelandet. (über seine Zeit beim SVWW)

Das war eine sehr positive Sache. Wenn Wehen nicht gewesen wäre, wäre ich auch nicht in Karlsruhe gelandet. Ich habe das Vertrauen bekommen, mich zu zeigen und so wieder etwas Aufmerksamkeit zu erhalten.

Das war in Bielefeld zuletzt nicht mehr so. So bin ich dann auch in Karlsruhe gelandet. Der Verein ist in Sachen Fans und Tradition schon mit Bielefeld zu vergleichen. Es ist schön, vor 10.000 Fans und mehr zu spielen.“

In Ihrer Karriere haben Sie zusammen mit Danny Latza und Ralf Fährmann gekickt, auch mit Benedikt Höwedes standen Sie gemeinsam auf dem Platz. Wie verfolgen Sie den Weg Ihrer ehemaligen Mitspieler?
Lorenz: „Das ist schon verrückt. Mesut Özil war in der A-Jugend ja auch noch dabei. Bei einigen Spielern war es schon abzusehen, dass die oben mitspielen werden, da sie damals schon sehr weit waren. Leider habe ich aktuell keinen Kontakt mehr zu meinen ehemaligen Mitspielern, aber es war eine sehr schöne Zeit auf Schalke.“

Vielen Dank für das Interview, Herr Lorenz!

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