Marco Kurz: Liebeserklärung an die Löwen aus Down Under

"In meinem Fußballherzen für immer auf Platz eins"

Autor: Luis Hagen Veröffentlicht: Sonntag, 15.12.2019 | 13:00

Marco Kurz als 1860-Trainer.

Marco Kurz hat sich "Einmal Löwe, immer Löwe" zu Herzen genommen. ©imago images/ActionPictures

Liga-Drei.de erreicht Marco Kurz in Melbourne. Inmitten seiner Vorbereitungen auf das so wichtige Heimspiel gegen Wellington. Seit zweieinhalb Jahren ist er dort einer der profiliertesten Fußballtrainer in Down Under. Zunächst zwei Spielzeiten bei Adelaide United FC, den er vor einem Jahr zum Gewinn des australischen Cup-Wettbewerbs steuerte und der auf dem Playoff-Weg zur Meisterschaft erst im Halbfinale gestoppt wurde.

Nun, in der aktuellen Saison, steht er beim Melbourne Victory FC auf der Kommandobrücke des Fußballs. Hier und da wird auch mal ein wenig Deutsch gesprochen: Mit Robbie Kruse und Tim Hoogland, beide sind ein wichtiger Support des VfL Bochum in seinem Team.

„ Der Respekt vor dem Menschen bleibt unangetastet. ”
Marco Kurz über das Miteinander in Australien

Es ist eine Arbeit, die ihm viel Freude macht. Freilich auch mit Nachteilen, wie er sie im Fußball hierzulande nicht hätte. So kann er personell nicht aus dem Vollen schöpfen. Doch dafür schätzt er längst vielerlei Vorzüge jener Art, die in Deutschland im Umgang mit der Bewertung von Leistungen und deren Mittelpunktfiguren verlorengegangen sind.

"Ja, auch in Australien muss ein Trainer möglichst viele Spiele gewinnen. Doch selbst dann wenn Siege ausbleiben, bleibt der Respekt vor dem Menschen in allen Fällen unangetastet", erklärt Marco Kurz. Und wir spüren, wie sehr er diese Achtsamkeit und Kultur des Miteinanders würdigt.

Aktiv für Löwen & Schanzer

Liga-Drei.de hat mit Marco Kurz in Melbourne Kontakt aufgenommen, weil wir ihn trotz der großen Distanz gedanklich abholen wollen in einem Teil seiner Fußball-Vergangenheit, der ihn mit 1860 München und dem FC Ingolstadt in Verbindung bringt. Das Kräftemessen des FC Ingolstadt mit den Sechzigern ist am Montagabend das Topspiel dieses Spieltags in der 3. Liga. Marco Kurz gehört zu den ganz wenigen Spitzenkräften dieser Branche, die für beide Klubs im Profifußball aktiv gewesen sind.

Für die Sechziger ist Kurz gar mit einer außergewöhnlichen, intensiven und dauerhaften Präsenz von insgesamt neun Jahren aktiv gewesen: Zunächst von 1998 bis 2004 sechs Jahre auf dem Spielfeld als Spezialist für die Arbeit im Defensivverbund.

„ Werner Lorant war ein Meister der Willensschulung. ”
über die Trainer-Legende der Löwen

Für Sechziger Ansprüche gar mit erstaunlichen internationalen Reichweiten: Als Bundesliga-Vierter erlebte Kurz Qualifikationsspiele zur Champions League. Wie schon zuvor auf Schalke, wo er einer der "Eurofighter" war, fand er sich abermals auf der UEFA-Cup-Bühne wieder. Und obendrein noch im UI-Cup. Entsprechend namhaft war das Löwen-Personal: Vorne Max und Agostino, dahinter Häßler, außen Bierofka, hinten Stranzl und eben Marco Kurz, der Kapitän.

Dabei lernte er auch einen jener drei Trainer kennen, die ihn aus heutiger Sicht besonders nachhaltig inspirieren konnten: "Werner Lorant war ein Meister der Willensschulung, Hitzfeld war wohl der kompletteste Trainer und Huub Stevens verkörperte die für mich prägendsten Erfahrungen für meine eigene Karriere als Trainer", berichtet Kurz.

Zurück auf Giesings Höhen

Seine Erinnerungen wirken keineswegs wie ein verdächtiger Versuch, diesen ehemaligen Trainern so zu gedenken, als seien sie stets im Sonntagsanzug unterwegs gewesen. Nein, Kurz hat durchaus erst eine Weile nachgedacht und dann gesprochen.

Von 2006 bis 2009 ist Marco Kurz dann auch gleich wieder zurückgekehrt, um seinen Weg als Fußball-Lehrer eben auch dort zu starten, wo er sich schon als aktiver Fußballer so wertvoll machen konnte. Zuerst einige Monate für die U23 in der Regionalliga Süd, damals noch die dritthöchste Fußball-Liga, und einem Fundus an Talenten.

Als Kurz im März 2007 mit seinen jungen Kerlen dem favorisierten FC Ingolstadt ein 1:1 abtrotzte, stand Tschauner im Tor, spielten Lars Bender, Christian Träsch, Anton Fink und Manuel Schäffler in seinem Ausbildungs-Ensemble.

Von Wildmoser ruckzuck zum Chef befördert

Schon damals ging es zuweilen recht schnell für junge Trainer. Vom damaligen Klubchef Wildmoser wurde Marco Kurz direkt zum Cheftrainer des Löwen-Teams in der 2. Bundesliga befördert.

"Diese neun Jahre bei Sechzig haben eine sehr große Verbundenheit zu diesem Verein entstehen lassen. Dort war ich jahrelang Kapitän des Teams, dort habe ich unvergessliche Derbysiege über die großen Bayern gefeiert und dort war ich eingebunden in Aktionsfelder des Vereins, die nicht allein mit dem Bundesliga-Alltag zu tun hatten. Und dort wurde meine älteste Tochter geboren", beschreibt Kurz glaubwürdig, was ihn und die Sechziger immer noch zusammenhält.

„ Die Löwen verkörpern den Klub, der in meinem Fußballherzen für immer auf Platz eins rangieren wird. ”
über die Löwen

Angesichts der Tatsache, dass er als Spieler seine größten sportlichen Erfolge auf Schalke und in Dortmund erlebt hatte, könnte er mit dieser Bewertung durchaus auch Erstaunen auslösen.
Doch Kurz stellt klar, dass dieses deutliche Votum keiner Stimmungslage entspringt, die morgen schon wieder anders ausfallen kann: "München wird in Deutschland mein Lebensmittelpunkt bleiben. Und die Löwen verkörpern den Fußballklub, der in meinem Fußballherzen für immer auf Platz eins rangieren wird."

Viereinhalb Monate Ingolstadt

Dass seine Löwen aktuell mit Ihrem Fußballspiel endlich wieder lebendig wirken und zu klettern anfangen, hat Marco Kurz erfreut registriert. Wenngleich mit dem Verlust von Daniel Bierofka beinahe schon der letzte Direktkontakt aus besseren alten Zeiten abhandengekommen ist, gilt der Blick auf die Resultate der 3. Liga auch im fernsten Kontinent stets dem Match der Sechziger. "Das hört nie auf", stellt Kurz klar, "das sind konditionierte Reflexe, das geschieht nun im Unterbewusstsein."

Warum die vielversprechende Allianz mit dem FC Ingolstadt im Jahre 2013 nur viereinhalb Monate existieren konnte, bleibt Marco Kurz demgegenüber bis heute schleierhaft und auch ein wenig schmerzhaft. Vor allem auch die 0:1-Niederlage mit den Ingolstädtern bei den Löwen damals.

Marco Kurz im Spiel gegen Dynamo Dresden.

Emotional dabei: Marco Kurz als Trainer des FC Ingolstadt. ©imago images/Contrast

Sein Portfolio an Spielern schien ausreichend. Es trugen Spieler das Trikot der Schanzer, die heute zu den Besten ihres Genres zählen. Mit Philipp Hofmann (KSC) und Manuel Schäffler (Wiesbaden), den er ja schon bei Sechzig ausgebildet hatte, waren gar zwei Torjäger an Bord, die sich aktuell in der 2. Bundesliga in Bestform präsentieren.

Den FC Ingolstadt von damals präsentierten auch Da Costa, der heute für Eintracht Frankfurt stürmt, sowie Matip und Caiuby, die über viel Erfahrung verfügten, doch sich immer noch im besten Fußballalter befunden haben.

„ Geduld ist nicht die Tugend des Fußballs. ”
über sein Aus in Ingolstadt

Doch nach drei Niederlagen hintereinander, gegen Union, beim FSV Frankfurt und gegen St. Pauli nach viereinhalb Monaten und einem Ruckelstart in die Spielzeit war im Scheidungsmonat Oktober kurzentschlossen Dienstschluss für Marco Kurz. "Geduld ist nicht die Tugend des Profifußballs", sagt Kurz. Doch anfreunden mag er sich mit diesen Spielregeln nicht.

Zwar hat Marco Kurz letztmals vor einem Jahrzehnt für 1860 München gearbeitet, doch alles was uns Kurz aus dem fernen Australien über seine Zeit bei den Löwen berichtet, lässt uns spüren, dass dieser Mann mit diesem Klub überhaupt noch nicht abgeschlossen hat.

Macht es Kurz wie Broich?

So sehr Kurz die Arbeit im fernen Aktionsfeld glücklich macht aktuell, vergisst er nicht, uns über seine grundsätzliche Haltung zu seinen aktuellen Beziehungen zu Australien aufzuklären: "Ich habe die feste Absicht, meinen aktuellen Vertrag bis 2021 zu erfüllen. Doch nach Australien auswandern, wollen meine Frau und ich nicht."

Ähnlich vorsichtig positionierte sich dem Vernehmen nach zunächst auch Thomas Broich zum australischen Fußballabenteuer. Doch jetzt ist er schon achteinhalb Jahre dort. Sieben Spielzeiten als hochdekorierter Spieler, nun fürs erste als Co-Trainer. Nun, nichts scheint also sicher. Freilich, ein Unterschied zwischen Kurz und Broich existiert bereits: Broich hält es komplett in Sydney.

Kurz indes hat eine so verlässliche Herzensbindung zum Fußball in Down Under noch nicht entwickelt. Melbourne ist schon die zweite Station dort "unten drunter", wie sich Down Under wenig charmant übersetzen ließe.

„ Wenn die Löwen dort einen Punkt erobern können, bin ich vollauf zufrieden. ”
über das Spiel TSV gegen FCI

Zu guter letzt haben wir Marco Kurz gebeten, eine Prognose für das Match in Ingolstadt zu abzugeben. Er glaubt, dass sich beide Team gerade aktuell gleichermaßen in dieser 3. Liga stabilisieren würden und kommt deshalb zu dieser Einschätzung: "Wenn die Löwen dort einen Punkt erobern können, bin ich vollauf zufrieden."

Nun, wenn am Montagabend der Abpfiff ertönt, wird bei Marco Kurz in Melbourne - wie immer, wenn es 7 Uhr wird - der Wecker klingeln. Liga-Drei.de hat ihm versprochen, dass er das Ergebnis des Spiels dann sofort in WhatsApp finden wird. Er freut sich drauf…

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