MSV Duisburg: Teamcheck

Analyse & Prognose zur neuen Saison

Autor: Christoph Volk Veröffentlicht: Dienstag, 08.09.2020 | 07:30
Mirnes Pepic im Test gegen Rotterdam.

Mirnes Pepic soll künftig im defensiven Mittelfeld die Fäden ziehen. ©imago images/Team 2

Lange Zeit sah es im Vorjahr so aus, als würde der MSV Duisburg sofort in die 2. Bundesliga zurückkehren. Von Spieltag 14 bis 32 standen die „Zebras“ ununterbrochen an der Tabellenspitze, dann ging ihnen die Puste aus. So fehlte schlussendlich nur ein Punkt auf den Relegationsplatz. Ob der MSV trotz der Abgänge einiger Eckpfeiler wieder oben angreifen kann, untersucht unser Teamcheck.

Kader & Transfers

Seine Innenverteidigung hat Duisburg fast komplett ausgetauscht. Marvin Compper (Karriereende, jetzt Co-Trainer), Lukas Boeder (Halle) und Matthias Rahn (Cottbus) sind weg, neu dabei sind der erfahrene Dominik Schmidt (Kiel), Dominic Volkmer (Jena) und Tobias Fleckstein (ebenfalls Kiel).

Neu ist aber auch das Zentrum im Mittelfeld, wo in Person von Yassin Ben Ball (Braunschweig) und Tim Albutat (Uerdingen) die „Stamm-Sechs“ abgewandert ist. Mit dem kampfstarken Wilson Kamavuaka (GKS Tychy) und Mirnes Pepic (Rostock) wurde hier aber wie in der Innenverteidigung mit ähnlichen Spielertypen reagiert.

Im offensiven Mittelfeld machte unterdessen Lukas Daschner mit elf Toren und fünf Vorlagen den FC St. Pauli auf sich aufmerksam. Das Eigengewächs war nicht zu halten und wird wohl nur sehr schwer Eins-zu-Eins ersetzbar sein. Pepic als spielstarker Sechser wird hier stärker in der Verantwortung stehen, diese Lücke gemeinsam mit Connor Krempicki zu schließen.

Nachdem sich mit Petar Sliskovic der Back-Up für Angreifer Vincent Vermeij Türkgücü München anschloss, reagierten die Verantwortlichen an der Wedau mit der Verpflichtung von Orhan Ademi, der Trainer Torsten Lieberknecht bereits aus gemeinsamen Tagen in Braunschweig kennt.

Die aktuelle Form

Mit einem 1:0-Erfolg über den letztjährigen Ligakonkurrenten Münster startete die Duisburger Vorbereitung. Es sollte der einzige Sieg bleiben, denn es folgten anschließend nur noch Spiele gegen Erstligisten. Gegen Bundesligist Mönchengladbach setzte es ein deutliches 0:4, von Heracles Almelo trennten sich die „Zebras“ 1:1.

Den Aufwärtstrend gegen den Eredivisie-Klub bestätigte der MSV gegen Bielefeld. Zwar unterlag man dem Erstliga-Aufsteiger mit 2:3, zog sich aber achtbar aus der Affäre.

Stärken & Schwächen

Im eigenen Stadion war Duisburg im Vorjahr kaum zu bezwingen, nur zwei Niederlagen setzte es an der Wedau. 39 Punkte sammelte der MSV so an der Wedau und krönte sich damit zum heimstärksten Team der Liga. Auswärts fehlte es aber an Konstanz, was sich ganz zum Schluss rächte.

Mit 48 Gegentoren war die Abwehr zudem die fünftstärkste im Vorjahr, doch sowohl in der Innenverteidigung als auch im defensiven Mittelfeld wurde das Personal nahezu komplett getauscht. Die Ergebnisse der Vorbereitung lassen vermuten, dass sich die neue Formation erst noch finden muss, um an die Leistungen seiner Vorgänger anzuknüpfen.

Offensiv sind die „Zebras“ weiterhin stark besetzt, waren im Vorjahr aber sehr abhängig von Moritz Stoppelkamp: An rund einem Drittel der MSV-Tore (68) war der Routinier direkt beteiligt (25 Scorerpunkte). Als ihm nach dem Re-Start die Körner ausgingen, musste sich Duisburg auch von den Aufstiegsplätzen verabschieden.

Orhan Ademi hat seine Torgefahr in der 3. Liga bereits in zwei Jahren Würzburg nachgewiesen, hatte bei seiner Rückkehr nach Braunschweig allerdings kein Glück und spielte beim Aufstieg der Eintracht nur eine Nebenrolle. Ihn wieder aufzubauen und an sein altes Leistungsniveau heranzuführen wird wichtig sein, damit der ganze Druck im Sturmzentrum nicht auf Vincent Vermeij lastet.

Torsten Lieberknecht und Sinan Karweina vom MSV Duisburg

Kommunikativer Typ: MSV-Coach Torsten Lieberknecht (r.) erklärt Sinan Karweina seine Vorstellungen. ©imago images/Team 2

Der Trainer

Es wird wohl noch etwas dauern, bis Torsten Lieberknecht nicht mehr mit Eintracht Braunschweig assoziiert wird. An der Hamburger Straße stand der heute 47-Jährige aber auch zehn Jahre lang an der Seitenlinie, an der Wedau sind es mittlerweile zwei. 

Den einst in Braunschweig gepflegten Umschalt-Fußball praktizieren unter ihm auch die „Zebras“, was aber nicht ganz ohne Kehrseite blieb: Im Vorjahr entwickelte sich das Team frühzeitig zu einem der Aufstiegsfavoriten, was darin resultierte, dass die Umschaltmomente weniger wurden. Hier einen verlässlichen Plan B zu finden gelang nur in Ansätzen, was seinen Anteil am schwachen Endspurt hatte.

Dort wird Lieberknecht im neuen Jahr ansetzen müssen. Denn trotz namhafter Abgänge verfügt Duisburg auch weiterhin über jede Menge Qualität, viele Gegner werden somit auch weiterhin tief stehen und ihrerseits auf Umschaltmomente lauern. Spieler wie Leroy-Jacques Mickels oder Sinan Karweina wird er auf dem nächsten Schritt begleiten und mit mehr Verantwortung ausstatten müssen, um nicht erneut zu abhängig von Moritz Stoppelkamp zu sein.

Die mögliche Startelf

Fazit & Prognose

Im Vorjahr schien der Weg in Liga zwei nur über den MSV zu führen, 2020/21 zählen wir die „Zebras“ aber nicht mehr zum Kreis der Favoriten. Das über weite Strecken funktionierende Kollektiv wurde gesprengt, speziell der Daschner-Abgang wiegt schwer. Daher erwarten wir Duisburg im Tabellenmittelfeld, mehr als Tabellenplatz acht trauen wir ihnen nicht zu.

Wen erwarten wir auf den Aufstiegsplätzen? Hier gibt’s alle Teamchecks auf einen Blick.