Münster vs CFC: Grote versteht Absturz der Preußen nicht

Früherer U21-Europameister blickt auf das Kellerduell

Dennis Grote jubelt nach Tor für Preußen Münster gegen Osnabrück

Erlebte mit den Preußen deutlich bessere Zeiten: Dennis Grote (r.) blickt nach wie vor auf seinen Ex-Verein. ©imago images/Joachim Sielski

Dennis Grote hat den Fußball-Westen wieder zu seinem Aktionsfeld gemacht. Als Mittelfeld-Stratege im Spiel von RW Essen sowie als aufmerksamer Beobachter in den Stadien der 3. Liga.  Nach drei Spielzeiten beim Chemnitzer FC  ist er zurück in der Region, in der er als Fußballer aufwuchs und eine gute Karriere machte.

In der Grote für den VfL Bochum 69 Mal in der 1. Bundesliga stürmte und mit der DFB-Auswahl U21 Europameister wurde. Mit dem VfL, in Oberhausen und in Duisburg war er in der 2. Bundesliga aktiv.

Doch unser Gesprächsthema mit Dennis Grote ist heute die 3. Liga und hier das anstehende Duell seiner Ex-Klubs Preußen Münster und Chemnitzer FC.  Mit insgesamt 479 Spieleinsätzen im Profifußball gehört Grote zu den leibhaftigen Dauerbrennern unter den noch aktiven Spielern.

Dennis Grote, unüberhörbar fahren Sie gerade recht schnell Auto. Wo sind Sie gerade?
Dennis Grote: „Auf der A31. Die beste Strecke zwischen Wettringen, meiner Heimat im Münsterland, und dem Ruhrgebiet. Ich fahre zum Training in die Essener Hafenstraße. Jeden Tag 100 Kilometer hin, 100 Kilometer zurück.“

Und hoffentlich mit entsprechendem zeitlichen Polster unterwegs?
Grote: „Kenne jede Abfahrt. Mache das schon seit Bochumer Zeiten so.“

Ich muss zugeben, dass mich die Tendenz ratlos macht. (über die Erfolglosigkeit der Preußen)

Da Sie jetzt wieder im Münsterland leben, ist der Weg zu den Preußen ein Katzensprung. Haben Sie eine Diagnose für uns, warum in Münster aktuell keine Erfolgsgeschichte geschrieben wird?
Grote: „Ich habe Preußen zweimal live im Stadion erlebt und ich muss zugeben, dass mich die Tendenz ratlos macht. Der neue Weg mit mehreren U23-Spielern ist wohl alternativlos. Dem gegenüber haben sie doch genügend Erfahrung im Team. Haben den Kittner, den Schauerte, Scherder, Schnellbacher, Dadashov und Keeper Schulze-Niehues. Alles gestandene Haudegen der 3. Liga. Den Absturz der Preußen verstehe ich nicht.“

In Chemnitz haben Sie Abstiegskampf erlebt. Was passiert mit einer Mannschaft in Wochen voller Enttäuschungen?
Grote: „In solchen Zeiten entstehen Zweifel und Ängste. Das Vertrauen in die eigenen Potenziale steht komplett auf der Kippe. Dringend siegen zu müssen, doch nicht wirklich zu wissen, wie das in diesem Zustand eines extrem beunruhigenden Arbeitsklimas funktionieren kann, ist purer Stress. Das Wichtigste im Spiel ist die Freude. Wenn diese Flamme nicht mehr leuchtet, wird es höllisch schwer.“

Als Sie bei den Preußen spielten, dies war von 2012 bis 2014, sah es in Münster noch recht gut aus…
Grote: „Ja, wir waren durchgängig ganz oben mit dran und eigentlich schien der Aufstieg in die 2. Bundesliga machbar. Der vierte Platz war wie ein großes Scheitern und löste jede Menge Katzenjammer aus. Für Pavel Dotchev war dann Schluss in Münster. Doch Pavel hat das wirklich gut gemacht. Er ist ein Liga-Insider und ein Freund der Spieler, ohne Respekt einzubüßen. Eine natürliche Autorität eben.“

Dennis Grote beim letzten Spiel für den Chemnitzer FC

Himmelblaues Fußballherz. Mit dem Wiederaufstieg verabschiedete sich Kapitän Dennis Grote vom Chemntizer FC. ©imago images/Picture Point

Einst in der Bundesliga, im Europameisterteam der U21 und auch bei den Preußen stürmten Sie am linken Flügel. Heute führen Sie im Mittelfeld Regie. Wann kam es zu dieser Umstellung des Arbeitsplatzes?
Grote: „Das war beim Chemnitzer FC. Schon in meiner ersten Spielerzeit dort. Sven Köhler, ein Chemnitzer Urgestein, war dort Trainer damals. Und er fand: Dennis, hier im Zentrum des Geschehens bist Du wertvoller! So blieb es dann zwei weitere Jahre in Chemnitz bei dessen Nachfolgern Horst Steffen und David Bergner. Und bis heute in Essen bei Christian Titz.“

Quirlig, entschlossen, kreuzgefährlich. (über CFC-Stürmer Hosiner)

Warum sind Sie nach dem Verlust der 3. Liga in Chemnitz geblieben?
Grote: „Ich wollte mich nach dem Abstieg nicht davonschleichen. Stattdessen mithelfen, die sportliche Schieflage wieder in Ordnung zu bringen. Mich hat die Energie der Entscheider gefesselt. Thomas Sobotzik hat mit einer unglaublichen Dynamik angepackt. David Bergner ist ein großartiger Trainer der neuen Generation. Einer, der seinen Spielern viel Eigenverantwortung überlässt.

Der Insolvenzspezialist war mit einem engen Verbund zum Sport präsent. So habe ich mich für eine Nachspielzeit entschieden. Zum Glück: Wir sind in die 3. Liga zurückgekehrt, Mission erfüllt. Ich war beruhigt und somit auf ging’s nach Hause.“

Wie beurteilen Sie den Zustand in Chemnitz?
Grote: „Dass Sobotzik und Bergner ausgestiegen sind, macht mich wehmütig. Doch die aktuelle sportliche Entwicklung dort zeigt uns, dass der CFC wieder in der Lage ist, mitzuhalten und aufzuholen. Hosiner ist vorne im Zentrum ein Trumpf-As. Quirlig, entschlossen, kreuzgefährlich. Den Trainer kenne ich nicht, doch ich höre viel Positives über ihn aus dem Team.“

Ist Chemnitz am Samstag Favorit in Münster?
Grote: „Die Himmelblauen wirken in der Tat recht stabil aktuell und deshalb ist das ein völlig offenes Kräftemessen. Das riecht nach einer Punkteteilung. Die würde aber keinen der beiden Vereine wirkungsvoll voranbringen. Für die Preußen wäre ein Remis wohl gar ein weiterer Tiefschlag.“

Liga-Drei.de wünscht Ihnen eine fließende Weiterfahrt, ein unfallfreies Training und viel Glück am Samstag beim Duell RWE – Lotte. 

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