Oliver Zapel: Die Einschläge kommen näher

Darauf müssen Trainer im Abstiegskampf achten

Rico Schmitt (l.) begrüßt Lukas Kwasniok.

Können Rico Schmitt (l.) und Lukas Kwasniok ihre Klubs noch vor dem Abstieg retten? ©Imago/DeFodi

Die Lage im Abstiegskampf der 3. Liga spitzt sich zu. Neben den von vielen bereits (verfrüht?) als Absteiger titulierten Teams aus Aalen und Jena fighten Cottbus, Aspach, Köln, Braunschweig, Lotte und Zwickau ums Überleben.

Selbst Uerdingen, Münster und Haching müssen noch in den Rückspiegel schauen. Ein Abstieg – hier sind sich alle Vereine einig – wäre mit gravierenden, existentiellen Veränderungen verbunden. Es droht die unbarmherzige Knochenmühle Regionalliga!

Extremsituationen erfordern außergewöhnliches Handeln. So zermartern sich natürlich insbesondere die Trainer der Krisenklubs darüber den Kopf, wie sie die letzten Prozent Leistungsbereitschaft aus ihren Akteuren herausquetschen. Kurztrainingslager, Teambuilding-Events, kollektive Mutproben abseits des Platzes – alles mittlerweile Standard.

Der Ansatz hinter Rico Schmitts Formel war richtig

Der Kreativität der Motivationskünstler sind dabei keine Grenzen gesetzt. So staunten zuletzt die Spieler des VfR Aalen nicht schlecht, als ihnen ihr Coach Rico Schmitt vor dem Abstiegsfinale gegen Jena seine Erfolgsformel für die restlichen Drittligapartien präsentierte. Da stand sie also, die komplexe Gleichung. Groß, bunt, plakativ. Aber gewinnt Mathematik Spiele?

Natürlich nicht! Dennoch ist der Ansatz, die Köpfe der Spieler zu trainieren, absolut richtig. Die Coaches, die die brach liegenden Psycho-Potenziale bei ihren Jungs zum Leben erwecken, haben gute Chancen, am Ende über dem Strich zu stehen.

Zum Saisonfinale noch am körperlichen Feinschliff und technisch-taktischen Finessen zu basteln, könnte verschenkte Liebesmüh sein. Denn wer sechs Wochen vor dem Ende der Spielzeit immer noch nicht physisch fit ist oder die Spielprinzipien und Ideen des Trainers verinnerlicht hat, dem ist eh nicht mehr zu helfen.

Fehler werden gemacht & gehören dazu

Für alle Teams im Abstiegskampf ist es enorm wichtig, die negativ behaftete Vergangenheit als geschehen hinzunehmen und zu akzeptieren. Fehler werden gemacht. Das muss so sein. Gute Spieler müssen viele Fehler machen, um sehr gute Spieler zu werden. Als Coach sehe ich darin auch genau deshalb überhaupt kein Problem.

Dabei braucht man den mannschaftlichen Halt. (über den Weg zurück in die Erfolgsspur)

Viel mehr ist es die Herausforderung, die Fehler zu registrieren, sie zu analysieren, eine passende Reaktion/Lösung zu zeigen und aus sich stetig wiederholenden Fehlern zu lernen. Klar, es ist nicht einfach und erfordert eine Menge Selbstvertrauen, zu seinem Fehlverhalten zu stehen. Das gilt für Spieler und Trainer gleichermaßen.

Doch die beste Chance, wieder zurück in die Spur zu finden und sich auf ein Ziel (Sieg!) zu fokussieren, ist die Akzeptanz, dass es passiert ist. Dabei braucht man den mannschaftlichen Halt, um eben nicht dem Gegner in die Karten zu spielen. Kommunikation, Körpersprache, die Rückkehr vom Komplizierten zum Einfachen, Klarheit in den Aktionen. Daran müssen alle gemeinsam arbeiten!

Selbstvertrauen ist das A und O

Selbstvertrauen ist und war schon immer die Wurzel erfolgreicher Arbeit. Fußballer benötigen einen Zustand des Vertrauens, der sie kontinuierlich zum Hochleistungsniveau anstachelt – und zum Verkraften unvermeidbarer Rückschläge.

Oliver Zapel ist Kolumnist für Liga-Drei.de

Oliver Zapel erklärt, worauf Trainer im Abstiegskampf den Fokus richten. ©Imago/sportnah

Erfolgreiche Spieler bauen ihr Selbstvertrauen auf, indem sie sich auf ihren persönlichen Beitrag zur Mannschaftsleistung konzentrieren. Statt andere bei Niederlagen zu beschuldigen (Anzeichen von Unsicherheit), übernehmen sie Verantwortung und sehen Rückschläge als Teil der Lernkurve. Und nicht als Katastrophe, die ihr Selbstvertrauen zerstören könnte.

Sie haben den lebensnotwendigen Mut, auch in schwierigen Momenten Verantwortung zu übernehmen. (über Spieler mit Selbstvertrauen)

Klingt logisch. Aber wie formiert man eine verunsicherte, zweifelnde Truppe zu einer schlagkräftigen Armee? Unumgänglich ist eine gute, nein, eine perfekte Vorbereitung auf den nächsten Wettkampf und das Wissen, alles getan zu haben, um zu siegen. Vielleicht hilft es, den Spielern noch mehr Informationen über den kommenden Gegner zukommen zu lassen, als bisher. Das Wissen, optimal für alle Phasen des Spiels präpariert zu sein, beruhigt das schlechte Gewissen.

Spieler mit Selbstvertrauen zeigen dies durch den Glauben an sich („Ich kann das!“), eine selbstsichere Körperhaltung/Körpersprache, Freude im Training/Spiel (Lächeln im Gesicht), keine übermäßige Sorge wegen Versagens oder Konsequenzen, Kritikfähigkeit sowie eine positive Sprache. Sie haben den lebensnotwendigen Mut, auch in schwierigen Momenten Verantwortung zu übernehmen, den Ball zu fordern.

Erfolg ist Erfolg – egal, wie klein

Nicht nur im Training herrscht absolute Konzentration und Disziplin. Ablenkungen – und seien sie noch so lapidar – müssen ignoriert werden. In Zeiten, in denen es nicht so rund läuft, zählt jeder Erfolg, egal wie klein. Daher ist es für alle Beteiligten wichtig, sich auf diese Mini-Meilensteine zu konzentrieren, sie zu registrieren und auch zu belohnen. Selbst Motive wie „als Erster auf dem Platz sein“ bzw. „als Letzter vom Platz gehen“ können Energie freisetzen. Ganz wichtig dabei: Jammerer und Nörgler ignorieren!

Fußball spielen ist eine Kombination aus Talent und Einstellung. Wie heißt es doch so treffend: Talent öffnet die Tür, Charakter bringt einen hindurch! Einstellung ist die Umsetzung der Gedanken und Gefühle eines Spielers in die Tat und die eigentlich treibende Kraft zum Erfolg.

Das Umfeld darf nicht unterschätzt werden

Dabei ist die Erkenntnis wichtig, dass die Einstellung eines jeden Spielers durch wichtige Menschen in seinem Leben (Familie, Freunde, Berater), außerdem durch die Trainer und Rahmen-/Trainingsbedingungen/Fans beeinflusst wird. Je harmonischer und reibungsloser der Umgang mit dem Umfeld, desto besser die Performance. Negativität ist Anti-Vision und Leistungsbremse!

Die Tragweite von mentalem Training als Erfolgsfaktor im Profifußball wird vielerorts (leider) immer noch unterschätzt. Yoga, Meditation und Entspannungsübungen können helfen, den Stress zu regulieren, neue Energiereserven freizulegen und den Fokus auf das Wesentliche zu schärfen.

Das gilt im Übrigen auch wieder für Spieler und Trainer. Insbesondere die Coaches müssen sich ihrer Vorbildfunktion in allen Lagen bewusst sein. Der große Arsène Wenger sagte einmal: „Das Gesicht des Trainers ist der Spiegel der Gesundheit der Mannschaft!“ Einfach mal sacken lassen!

Schon Mitglied beim Wettanbieter bwin? Jetzt aktuelle bwin Erfahrungen lesen & bis zu 100€ gratis Guthaben für deine Wette kassieren!