Oliver Zapel: Faires Spiel im Armenhaus?

Financial Fairplay kann "in die Büx gehen"

Die finanziellen Probleme der Drittligisten nehmen zu.

Nicht nur die Fans von Eintracht Braunschweig fordern Veränderungen. ©Imago/foto2press

„Die 3. Liga zeigt’s uns!“ So der Slogan des DFB für die exklusiv von ihm und ohne Mithilfe der DFL verwaltete Liga mit den Prädikaten „ehrlicher Fußball“ und „Fannähe“. Klingt spannend und macht neugierig. Nur, was genau ist damit gemeint?

Die Tatsache, dass sich im sogenannten Armenhaus des deutschen Profifußballs 20 Teams 38 Spieltage einen brutalen Existenzkampf liefern?

Der wöchentlich wiederkehrende Beweis dafür, dass auch Clubs mit sehr geringen Budgets und oftmals unzureichender Infrastruktur durch mannschaftliche Geschlossenheit im sportlichen David-gegen-Goliath-Wettkampf nicht nur mithalten, sondern sogar siegen können?

Oder der Umstand, dass die Top-Spieler der Liga bereits nach einer guten Saison zu vergleichsweise günstigen Objekten der Begierde höherklassiger Vereine oder neuerdings auch Clubs aus dem Ausland werden?

Hölzern und intransparent

Vor ein paar Tagen überraschte die Nachricht, dass der DFB die Einführung des sogenannten Financial Fairplays in der 3. Liga sowie eines Nachwuchsförderungstopfes verabschiedet hatte.

Insgesamt sollen etwa 3,5 Mio. Euro über einen noch etwas hölzern und intransparent formulierten Schlüssel an die Vereine ausgeschüttet und als Belohnung für „nachhaltiges Arbeiten und Wirtschaften“ betrachtet werden. Wobei bei genauerem Hinsehen weniger die vermeintlich saubere Bilanz als viel mehr die Spielpraxis von deutschen U21-Kickern prämiert wird.

Alleine in den letzten beiden Jahren registrierten wir vier Insolvenzen. (über die Realität in Liga drei)

Aber: Grundsätzlich zunächst einmal ein guter Ansatz. Vereine, die unseren jungen Talenten die Möglichkeit eröffnen, Spielpraxis zu sammeln und sich somit entwickeln zu können, verdienen Anerkennung. Und außerdem ist jeder Cent, der in die Drittligateams investiert wird, richtig, wichtig und verdient!

Im Kontext der 3. Liga jedoch von einem finanziellen Fairplay zu sprechen, kann insgesamt betrachtet auch deutlich „in die Büx gehen“. Denn die Realität sieht da doch etwas anders aus. Alleine in den letzten beiden Jahren registrierten wir vier Insolvenzen. Drei davon mit der üblen Konsequenz, dass die jeweilig betroffenen Clubs den Abstieg in die Regionalliga antreten mussten.

All-in oder Vorsicht?

Diverse weitere Clubs bewegen sich nach wie vor wirtschaftlich am Limit, müssen genau abwägen, ob sie den riskanten oder den soliden Weg wählen.

Riskant bedeutet im Normalfall: Wir gehen All-in, holen uns als Erfolgsrezept einen Coach mit Aufstiegsexpertise und Spieler mit höherklassiger Erfahrung, die bereit sind, für ein Jahr eine oder zwei Klassen unter ihrem Leistungsniveau zu spielen, dabei jedoch nur hauchzart auf standesgemäße Bezüge zu verzichten. Erfahrung und individuelle Qualität bringt Siege. Und Erfolge locken Zuschauer und Sponsoren. So zumindest in der Theorie.

Eine solide Planung sieht im Gegensatz dazu so aus: Das einzige und wann immer erforderlich propagierte Saisonziel ist der Klassenerhalt. Und natürlich die Entwicklung von Spielern. Was gleichbedeutend für die Absicht steht, diese am Saisonende gewinnbringend zu veräußern. Zwar würde man sich auch nicht gegen einen etwaigen Aufstieg wehren. Doch vordergründig soll unter allen Umständen ein finanzielles Fiasko verhindert werden.

Oliver Zapel ist Kolumnist für Liga-Drei.de

Steht dem Financial Fairplay kritisch gegenüber: Liga-Drei.de-Kolumnist: Oliver Zapel. ©Imago/Hartenfelser

Sicherheit wird über Bord geworfen

Um diese Ziele zu realisieren, bauen gleich mehrere Vereine in der 3. Liga auf talentierte Nachwuchsspieler, die in anderen Clubs (nicht selten Erstligisten) in den Nachwuchsleistungszentren ausgebildet, dort jedoch für vorläufig nicht einsatzfähig deklariert wurden.

Außerdem findet man in solchen Kadern vielfach auch die sogenannten „Gescheiterteten“. Kicker, die – aus welchen Gründen auch immer – woanders aufs Abstellgleis gestellt wurden oder auf eine 2. oder 3. Chance nach Langzeitverletzungen hoffen. Die Verlockung, einen der Aufstiegsränge zu ergattern und dann an den deutlich pralleren TV-Töpfen zu naschen, ist groß. Oftmals größer als der Sicherheitsgedanke.

Paderborn und Magdeburg erfreuen sich an Einnahmen in völlig anderen Dimensionen. (über die letztjährigen Aufsteiger)

Um mal ein paar Zahlen zu nennen: Während jeder Drittligaverein in diesem Jahr knapp 1,3 Millionen Euro an Fernsehgeldern erhält, erfreuen sich die beiden letztjährigen Aufsteiger Paderborn (7,4 Mio.) und Magdeburg (6,8 Mio.) an Einnahmen in völlig anderen Dimensionen. Vereine wie Köln und auch der HSV kassieren gleich mal mehr als 20 Mio. Euro pro Jahr.

Und das, obwohl es nicht wenige Fachleute gibt, die basierend auf den positiven Ergebnissen und Platzierungen der jüngsten Aufsteiger (z.B. Regensburg, Kiel, Paderborn) behaupten, dass es rein sportlich betrachtet eh nur geringfügige Unterschiede zwischen beiden Ligen gibt.

Die Schere geht immer weiter auseinander

Insofern sollten wir sensibel mit der Gesamtthematik umgehen. Zwar ist die 3. Liga seit ihrer Gründung im Jahre 2008 umsatzstärker als die erstklassigen Ligen in allen anderen Sportarten. Die Zuschauerresonanz liegt im Schnitt pro Spiel über dem der Deutschen Eishockey Liga und der Handball-Bundesliga und international auf einem Niveau mit den zweiten Ligen in Italien, Frankreich und Spanien.

Doch solange die Budgets der Vereine innerhalb der 3. Liga und vor allem in Relation zu den Zweitligisten so extrem auseinanderdriften wie im Moment, werden wir es schwer haben, allein mit Prämien für wirtschaftliche Nachhaltigkeit und Nachwuchsförderungshonoraren die Risikobereitschaft der Vereine einzudämmen.

Hoffen wir vielmehr, dass wir endlich einmal ein Jahr ohne weitere Insolvenzanträge erleben. Das wäre ein wirklich großer Schritt nach vorn!

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