Oliver Zapel: Spitz auf Knopf am stumpfen Ende

Wer kommt aus dem Keller?

Pierre Fassnacht grätscht

Harter Kampf im Tabellenkeller, nicht nur bei Jena und Braunschweig. ©Imago/Picture Point LE

6 Runden (und damit ein ganzes Drittel der Restrückrunde 2019) sind bereits gedreht. Und nun liegt eine extrem knackige Englische Woche vor uns, in der es für diverse Teams um richtig viel geht. Grund genug, speziell die Situation in der „Red Zone“ etwas genauer unter die Lupe zu nehmen.

In einem sind sich die aktuellen Kellerkinder sowie die latent gefährdeten Patienten oberhalb der Todeslinie einig: ein Abstieg in eine der (noch…) 5 Regionalligen wäre der Super-GAU. Aus diesem Grunde tagten um die Weihnachtszeit nahezu allerorts die Kriegsräte, um Strategien zu entwickeln und die Wahl der Waffen für die anstehenden Stammeskämpfe zu verabschieden.

Wer kommt mit Skalp nach Hause?

Wie sich gezeigt hat, mit unterschiedlichem Erfolg. Denn während dem routinierten Meppen-Häuptling Chrischie Neidhardt und seinem Co-Blutsbruder Mario Neumann nach einer Mega-Siegesserie bereits die eine oder andere Friedenspfeife schmeckt, qualmen in Aalen, Cottbus und Jena lediglich die Köpfe.

In Braunschweig wiederum präpariert man sich für einen Lagerfeuer-Feixtanz, wenn die Eintracht nach einem Heimsieg gegen Würzburg (möglicherweise früher als erhofft) über den Strich hüpft. Und auch in Lotte kann es sich Coach Drube ganz entspannt mit seiner (Punktaus)Beute in seinem Tipi gut gehen lassen. Die Krieger aus Großaspach, Köln und Zwickau dagegen reiten jeweils 3 richtig schweren Schlachten mit ungewissem Ausgang entgegen. Ob da alle mitsamt Skalp nach Hause kommen?

Gute Planung das A und O

Hinterher wissen es natürlich alle besser. So auch beim Schlusslicht VfR Aalen. Hier wurde nach zwei Niederlagen zu Jahresbeginn dann doch die letzte Patrone in den Lauf gelegt und der glücklose Übungsleiter Aggi Giannikis durch Rico Schmitt ersetzt. „Viel zu spät!“, so der allgemeine Tenor im Aalener Umfeld angesichts eines bis auf nun satte 8 Punkte angewachsenen Rückstandes zum rettenden Ufer. Erst recht, da der agile Schmitt mit seiner emotionalisierenden Herangehensweise die verunsicherte Truppe offensichtlich neu zu beleben scheint.

Schmitt scheint die verunsicherte Truppe zu beleben. (über den VfR Aalen)

Andererseits war es schon bemerkens- und im Prinzip ja auch lobenswert, mit welch einer Beharrlichkeit und Überzeugung die VfR-Verantwortlichen dem drittligaunerfahrenen Giannikis, der erst vor der Saison als Nachfolger von Trainer-Ikone Peter Vollmann und Aufstiegstrainer 2021 in spe verpflichtet wurde, das Vertrauen geschenkt haben.

Eventuell war die Last für Giannikis dann aber doch zu groß. Denn neben seiner Rolle als Trainer sollte er gleichzeitig das Amt des sportlichen Leiters ausüben. Gerade einem jungen Trainer, der sich zunächst einmal in der 3. Liga akklimatisieren muss, hätte ein guter, routinierter Kaderplaner, der noch dazu über ein liga-affines Netzwerk verfügt, eine wertvolle Stütze sein können.

Wie wichtig ein harmonisches und vor allem konstruktives Miteinander zwischen Trainer und Sportdirektor ist, dokumentieren die Beispiele der erfolgreichen Mannschaften. Über das Tandem Schmedes/Thioune (VfL) haben wir bereits mehrfach berichtet. Aber auch die Pärchen Kreuzer/Schwartz (KSC), Heskamp/Ziegner (HFC), Hock/Rehm (SVW) sowie in den vergangenen Spielzeiten Krösche/Baumgart (SCP), Kallnik/Härtel (FCM) oder Keller/Herrlich (SSV) zeigen, dass es nur zusammen so richtig flutscht.

Ralf Heskamp mit Torsten Ziegner

Vorbildliches Gespann: HFC-Sportdirektor Ralf Heskamp und Trainer Torsten Ziegner. ©Imago/Contrast

Ähnlich kritisch stellt sich vor diesem Aspekt die Lage in Jena und Köln dar. Auch in diesen Vereinen wurde im Zuge der Neubesetzungen der Trainerposition den auserkorenen Newcomern (beide bis dahin ebenfalls ohne Drittligaerfahrung) direkt die gesamte sportliche Verantwortung übertragen. Neuer Verein, neue Mannschaft, neue Liga, neues Umfeld. Und nun auch noch ein neues Aufgabenfeld, das auch abseits des Platzes zweifelsfrei sehr anspruchsvoll ist, viel Zeit in Anspruch nimmt und einer gesonderten beruflichen Expertise verlangt.

Beobachtet man hierzu den Trend in der Bundesliga, so lässt sich feststellen, dass immer mehr Vereine das Aufgabenfeld des Sportdirektors/Geschäftsführer Sport auf zusätzliche Schultern verteilen (Schalke = Vorstand Sport + Sportdirektor +  Sportlicher Leiter/Kaderplaner).

Eine One-Man-Show funktioniert in der Regel nur dann, wenn die jeweiligen Allrounder bereits mehrere Jahre in einem Verein arbeiten und Zeit hatten, unter etwas weniger Druck – in der Regionalliga – stabile Strukturen aufzubauen (z.B. Neidhardt in Meppen, Koschinat in Köln, Wollitz in Cottbus).

Alarmstufe Rot in Köln und Jena

OK, Tomek Kaczmarek übernahm die Doppelfunktion von Uwe Koschinat zu einem Zeitpunkt, als wohl niemand bei der Fortuna ernsthaft damit rechnete, mit diesem gefestigten Kader in den Abstiegskampf verwickelt zu werden. Da war man sich seitens des Vereins und des Trainers sehr sicher, einen stressfreien Übergang hinzubekommen.

Doch nach dem exorbitanten Fehlstart war man plötzlich mittendrin im Schlamassel. Und ist es bis heute. Zwar konnten sich die Kölner durch die Siege in den direkten Duellen gegen Zwickau und Jena so eben von den direkten Abstiegsplätzen hieven. Doch nach wie vor herrscht Alarmstufe Rot in der Südstadt. Jetzt kommen Brocken wie Lotte, Osnabrück und Uerdingen. Wollen wir mal hoffen, dass es die Fortunen beim Karneval nicht zu doll krachen ließen!

Geknallt hat es zuletzt auch deftig im Paradies. Da nämlich musste sich der neue Jenaer Zepterschwinger Lukas Kwasniok mächtig anzählen lassen. Nur 1 Tor aus den letzten 7 Spielen sowie das Anwachsen des Rückstandes auf Platz 16 um 4 Punkte waren zuviel für die treue FCC-Fangemeinde. Kwasniok selbst bezeichnete sich angesichts der Entwicklungen als Krisenmanager.

Auch wenn die Bewältigung von Phasen, in denen es weniger rund läuft, zum gängigen Repertoire eines Drittligatrainers gehören sollte, so darf diese Äußerung durchaus als ein weiteres Indiz dafür gewertet werden, dass ein Bindeglied zwischen Mannschaft, Trainerteam und den Vereinsgremien insbesondere in schweren Zeiten wie diesen hilfreich sein könnte. Für Carl-Zeiss geht es jetzt nach Lautern, dann kommt Lotte und abschließend führt die Reise zum VfL an die Bremer Brücke. Ob der Tor-Knoten ausgerechnet gegen diese Burner platzt?

Oliver Zapel nachdenklich

Erwartet harte „Stammeskämpfe“: Oliver Zapel. ©Imago/pmk

Ein ähnliches Leid kann auch Pele Wollitz spätestens nach dem Auftritt seiner Combo im Abstiegs-Fight in Großaspach beklagen. Da präsentierten sich die Lausitzer gegen eigenartig passive Aspacher endlich mal wieder in blendender Spiellaune. Und dennoch langte es nicht zum erhofften Dreier, da massenhaft allerbeste Torchancen von Hexer Broll vernichtet wurden.

Was dennoch bleibt, ist die Hoffnung, dass es bei Konservierung dieser Form fast schon zwangsläufig wieder im Karton rappeln wird. Vielleicht ja schon gegen die Preußen aus Münster. Ein Sieg in diesem extrem wichtigen Match kann brutal viel Energie erzeugen!

Gute Vorzeichen in Braunschweig

Komplett anders sieht derzeit wieder die Welt der Eintracht aus Braunschweig aus. Zwar hätte man sehr gerne auch in Jena gewonnen. Doch 4 Siege, ein Remis und lediglich eine Niederlage können sich wahrlich sehen lassen. Würzburg, Lautern, Meppen. So lauten die nächsten Aufgaben. Mit der Konstanz und dem Rückenwind der letzten Wochen können die Blau-Gelben auf der Überholspur an der Konkurrenz vorbeiziehen und Anschluss an das Mittelfeld herstellen.

Allerdings gelten für die Braunschweiger die selben Gesetze, wie für alle anderen Drittligisten. Jeder kann jeden schlagen. Aber man kann auch gegen jeden verlieren. Und sollten die Schubert-Schützlinge noch einmal nachlässig und rückfällig werden, dann wird eine erneute Aufholjagd ungleich schwerer. Zumal die Tabelle – Stand heute – immer noch besagt, dass es in der kommenden Saison auf die Sportplätze der Regionalliga Nord geht. Es heißt also dranbleiben und nachladen!

Der Dorfklub tanzt Pogo auf der Rasierklinge. (über Großaspach)

Selbiges sollte zwingend auch das Motto für die Jungs vom Sonnenhof sein. Die Freude über den Überraschungssieg gegen den VfL Osnabrück bleibt ihnen unbenommen. Andererseits – so ehrlich muss man sein – waren dieser Erfolg und der Heimsieg gegen Uerdingen auch zwingend notwendig, um im Geschäft zu bleiben. Mehr als ärgerlich sind rückblickend die 4 Unentschieden daheim gegen Köln, Jena und Cottbus sowie in Aalen.

Gerade in diesen Spielen kommt es darauf an, die Big Points einzusammeln. Punkteteilungen helfen da wenig. Dazu kommt, dass die Leistungen gegen Aalen (über weite Strecken) und vor allem gegen Cottbus (über das gesamte Spiel) sehr dünn waren. Hier muss zwingend eine Steigerung her, will man gegen Rostock, Wehen und Haching etwas Zählbares mitnehmen. Zuzutrauen ist es den Schwaben selbstverständlich jederzeit, denn der Kader ist gut und breit besetzt. Allerdings tanzt der Dorfklub aktuell Pogo auf der Rasierklinge.

Abgerundet wird die Truppe der gefährdeten Sieben durch die FSVler aus Zwickau. Nach den Lichtblicken gegen Jena (2:0) sowie beim 1:1 auf dem Betze folgte zuletzt eine mehr als schmerzhafte 0:2-Heimpleite gegen Lotte. Was für eine verkorkste Generalprobe vor dem wahrscheinlich emotionalsten Comeback des Jahres am kommenden Wochenende! Nun muss Joe Enochs bei seiner Rückkehr in sein Ex-Wohnzimmer seiner alten Liebe weh tun. Gibt sicher Schöneres!

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