Oliver Zapel: Süßes oder Saures?

Wer vom Klassenerhalt träumen darf & wer richtig zittern muss

Jubel von Philipp Hofmann und Manuel Janzer und Trauer bei Marcel Bär und Matthias Morys

Während die Eintracht neuen Mut gefasst hat, ist der VfR Aalen auf Tristesse gepolt. ©Imago/osnapix/eibner

Heute ist es wieder soweit: Furcht einflößende Zombies rennen von Tür zu Tür. Mit mehr oder weniger großer Überzeugungskraft spulen sie ihre einstudierten Texte herunter und hoffen auf süße Entlohnung. Was anfangs noch lustig und ein wenig spannend rüberkommt, geht jedoch spätestens beim 3. Klingeln gehörig auf die Nerven.

Ähnlich ergeht es derweil auch einigen Fans bei ihren Lieblingsclubs. Während sie zu Saisonbeginn noch fest den Aussagen vertrauten, Umbrüche im Kader und auf der Trainerbank führten zwangsläufig über längere Akklimatisierungs- und Formfindungsprozesse zum Erfolg, schütteln mittlerweile viele ob solcher Theorien nur noch wütend den Kopf. „Aufwachen!“ und „Wir woll’n Euch kämpfen sehen!“ hallt es durch einige gereizte Kehlen in den Arenen. Die Stimmung ist vielerorts – sagen wir mal – angespannt.

Der Schein trügt

Dieses Gefühl der Sorge scheinen jedoch die meisten Aktiven der Drittligaclubs aktuell noch nicht zu empfinden. Zumindest dringt davon nur sporadisch etwas an die Öffentlichkeit. Allenfalls in Jena und in Cottbus war bisher die Parole „Abstiegskampf“ vernehmbar. Andernorts werden die Falten auf der Stirn der Verantwortlichen zwar tiefer. Das A-Wort scheint allerdings tabu. Gefühlt ist die ganze Liga ja eh leistungsmäßig sooo eng zusammen. Und überhaupt ist die Saison ja noch sooo lang.

Sportsfreunde, das sehe ich kritischer! Ja, die Liga ist auch dieses Jahr wieder so ausgeglichen, dass jeder jeden schlagen kann. Ja, es sind noch 25 Spiele zu gehen. Ja, zwischen Platz 10 (Würzburg, 18 Punkte) und Platz 19 (Meppen, 12 Punkte) liegen gerade einmal sechs Pünktchen.

Aber: Nach nunmehr einem Drittel der Serie lügt die Tabelle nicht! Nur noch sechs Matches, dann ist Bergfest, Kassensturz, Bilanzabgabe. Spätestens da wird es dann doch hektisch. Wenn nämlich das Punktekonto nicht stimmt, wirft in den meisten Fällen auch das bei der Sparkasse durch fehlende Zuschauereinnahmen und Sponsorengelder rote Zahlen aus.

Blau-Gelbe-Power ein entscheidender Faktor

Orientiert man sich an den letzten fünf Jahren – und klammert dabei die letzte Saison mit den Insolvenz-Absteigern aus -, dann sind 43 Punkte das absolute Minimum der Gefühle, um auf Platz 16 und damit über dem Strich zu landen. Eher sollten die Vereine 46 Punkte im Visier haben, um kein blaues Wunder zu erleben. Das wiederum bedeutet jedoch, dass es im Halbjahreszeugnis mindestens 23 Punkte sein sollten, um dem Verweis „Versetzung gefährdet“ zu entgehen.

Eintracht Braunschweig müsste folglich fünf von sechs Spielen gewinnen. Das könnte eng werden. Bei lediglich überhaupt erst einem Saisonsieg kaum vorstellbar. Allerdings ist am letzten Wochenende trotz der Heimniederlage gegen Osnabrück etwas passiert, was dem Team Hoffnung machen sollte. Die Fans haben endgültig den Ernst der Lage erkannt und sind zurück! Diese unfassbar wuchtige und wichtige Blau-Gelbe-Power ist am Ende vielleicht DER entscheidende Faktor, dass die Eintracht eine starke Rückrunde hinlegt und sich rettet.

Emsland-Mentalität ist ein Pfund

Auch in Meppen ist der Heim-Support ein extrem wichtiger Faktor. Aber die jüngste Niederlage auf eigenem Geläuf gegen Münster und erst recht der Last-Minute-K.O. in Aspach haben den kurzzeitigen Aufschwung nach Siegen gegen Braunschweig und 1860 im Keime erstickt. Dabei waren beide Niederlagen gemessen an den Chancen total unnötig.

Aber genau das ist das Meppener Dilemma. Man kickt immer gut mit, fühlt sich auf Augenhöhe oder darüber. Aber die Resultate passen nicht. Im Gegensatz zu anderen Vereinen bin ich mir beim SVM aber sicher, dass Trainerteam, Spieler und Fans an einem Strang ziehen und die Karre aus dem Mist befördern. Die Emsland-Mentalität ist deren Pfund!

In Aalen herrscht dagegen seit ein paar Wochen ein bremsendes Klima. Die Atmosphäre auf den Rängen ist eher desillusioniert und skeptisch. Es entspricht keinesfalls den Erwartungen der stolzen Schwaben, mit dem zur Verfügung stehenden Kader auf einem direkten Abstiegsplatz zu stehen. Darauf war man nicht eingestellt, zumal der 3-Jahresplan ja andere Meilensteine vorsieht. Das Spiel gegen Lotte am kommenden Wochenende kann richtungsweisend sein.

In seiner Kolumne auf Liga-Drei.de gibt's von Oliver Zapel jede Menge Lob für Osnabrück.

Sieht Lotte und Großaspach nach den Trainerwechseln auf dem richtigen Weg: Liga-Drei.de-Kolumnist Oliver Zapel. ©Imago/Hartenfelser

Auf die Jenaer Anhängerschaft konnte sich Coach Mark Zimmermann bisher eigentlich immer verlassen. Doch irgendwie gewinnt man als Externer den Eindruck, dass man auch bei Carl Zeiss insgeheim andere Pläne hatte als Klassenerhaltskampf und daher etwas verkrampft. Ich will nicht gleich von depressiver Stimmung sprechen, doch ein wenig geht die Enttäuschung in diese Richtung. Das kommende Programm hat es noch dazu ganz fett in sich. Siege in den nächsten beiden Partien sind eigentlich Pflicht, um neu durchzustarten.

Energie in der Fremde gefordert

Beim FSV Zwickau stehen auch erst drei Siege auf der Habenseite. Dabei gab es gegen die vermeintlichen Favoriten eigentlich sehr ordentliche Ergebnisse. Die Niederlagen gegen Lotte, Aalen und Cottbus jedoch haben dafür gesorgt, dass die Rote Zone immer näher gekommen ist. Insbesondere in den Heimspielen gegen Haching, Meppen und Aspach sollten nun 3er eingefahren werden, um über dem Strich zu bleiben.

Energie Cottbus hat frühzeitig die Zeichen der Zeit erkannt. Péle Wollitz predigte schon in der Sommervorbereitung, dass es einzig um den Verbleib in der 3. Liga geht. Und so ist es dann auch gekommen. Daheim liegt die Basis für den Überlebensfight von Energie. Das war besonders bei den zuletzt gewonnenen Ost-Duellen gegen Zwickau und Jena zu spüren. Es wäre allerdings ebenfalls nicht verkehrt, wenn auch auf fremden Plätzen mehr Punkte eingefahren werden.

Sportfreunde Lotte machen Namen alle Ehre

Bei der SG Sonnenhof war der Tiefpunkt am 10. Spieltag erreicht. Erstmals seit drei Jahren fand sich der Verein auf einem Abstiegsplatz wieder. Man sah Handlungsbedarf und wechselte den Trainer. Und es gab den so sehnlichst erwarteten Impuls. Der Last-Minute-Sieg gegen Meppen hat Großaspach neues Leben eingehaucht. Auch der Auftritt bei den Münchener Löwen war in Ordnung. Die Tendenz stimmt.

Auch der Trainerwechsel in Lotte kam zum richtigen Zeitpunkt. Einfach überragend, wie Nils Drube sofort die richtigen Hebel gefunden und mit seiner Sozialkompetenz die Mannschaft wiederbelebt hat. Die Sportfreunde machen ihrem Namen einmal mehr alle Ehre, halten zusammen und spielen mutigen Fußball. Zwar ist man längst nicht aus dem Gröbsten raus. Doch das Selbstvertrauen ist groß.

Ob der Abgang von Ikone Uwe Koschinat doch tiefere Konsequenzen nach sich zieht, als in Köln befürchtet, werden die nächsten Wochen zeigen. Die Zusammenarbeit mit dem neuen Cheftrainer und der Mannschaft sollte jedenfalls sehr zügig funktionieren. Denn angesichts der enormen Qualität, die im Fortuna-Kader steckt, ist es eh etwas erstaunlich, dass man bis zum jetzigen Zeitpunkt keinen größeren Puffer zu den Abstiegsplätzen aufbauen konnte.

Alle restlichen Teams werden zwar nicht zwingend ihre Zwischenziele erreichen. Allerdings haben sie auch keine Aktien im gruseligen Abstiegskampf!

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