Osnabrück vs Lotte: Interview mit Henning Grieneisen

Ich werde den VfL auch in zehn Jahren noch verfolgen

Ehemaliger Spieler Henning Grieneisen

Henning Grieneisen trug sowohl das lila-weiße als auch das Sportfreunde-Trikot. ©Imago/SportPresseFoto/Revierfoto

Der 32-Jährige geht mittlerweile einer „normalen“ Berufung nach, in seiner sportlichen Laufbahn lief Henning Grieneisen allerdings sowohl für den VfL Osnabrück als auch die Sportfreunde Lotte auf. Im Liga-Drei.de-Interview äußert sich der ehemalige Profi vor dem anstehenden Nachbarschaftsduell über seine Zeit in Lotte, besondere Spiele an der Bremer Brücke und gibt einen abschließenden Tipp ab.

Herr Grieneisen, am Wochenende steht das Derby zwischen dem VfL Osnabrück und den Sportfreunden aus Lotte an. Wie verfolgen Sie die Partien?
Henning Grieneisen: „Leider werde ich die Partie nur per Liveticker verfolgen, da ich privat unterwegs bin. Mein Handy wird mich über das Ergebnis informieren. Natürlich wäre ich gerne vor Ort gewesen und hätte das Duell im Stadion verfolgt. Ich war im Pokal gegen den Hamburger SV live dabei, zu solchen Spielen geht man natürlich gerne hin.“

Sie haben ja für beide Vereine gespielt, in Lotte erhielten Sie sogar das Vertrauen als Interimscoach. Schlecht lief es dabei nicht: 6 Spiele, 3 Siege, 2 Unentschieden und nur eine Niederlage. Wie kam es damals dazu?
Grieneisen: „Michael Boris schied in Lotte als Trainer aus und es begann die Suche nach einer Lösung. Da ich zu den erfahreneren Spielern gehörte, haben wir uns eng mit Manfred Wilke ausgetauscht. Glücklicherweise war er für diese Vorgehensweise offen.

Dann haben wir von Woche zu Woche geschaut, da Herr Wilke keinen neuen Trainer per Schnellschuss engagieren wollte. Meine Trainertätigkeit war zufriedenstellend, natürlich auch ergebnistechnisch. Im Nachgang war es aber die beste Entscheidung, sich die Zeit zu nehmen, da mit Ismail Atalan bekanntlich ein erfolgreicher Trainer verpflichtet werden konnte.“

Wir hatten keine schlechte Truppe. (über seine Zeit als Interimscoach)

Waren Sie damals selbst überrascht, dass es so gut lief?
Grieneisen: „Ich habe es sehr gerne und mit großer Überzeugung gemacht. Es war eine sehr interessante Aufgabe. Zum damaligen Zeitpunkt war ich selber verletzt und konnte so als Interimscoach tätig sein. Das hat gepasst. Die Verantwortung habe ich mir damals mit Torwart Benedikt Fernandez, Bastian Görrissen und Physiotherapeutin Melanie Hubert geteilt.

Überrascht hat uns der Erfolg nicht zwingend, da sich Trainerwechsel ja oft positiv auswirken. Das haben wir für uns genutzt. Wir hatten ja auch keine schlechte Truppe, die Siege waren also nicht glücklich.“

Anschließend kamen Sie erneut als Spieler unter Ismail Atalan zum Einsatz. Wie lief die „Wiedereingliederung“ ab?
Grieneisen: „Problemlos. Zwar habe ich mich während der Trainertätigkeit auch in einer anderen Kabine aufgehalten, aber ich war ja nicht urplötzlich von der Mannschaft distanziert. Ich habe mich weiterhin auch als Spieler gefühlt.

Die Jungs wussten wie ich bin, von daher gab es in dieser Hinsicht wenig Schwierigkeiten. Sicherlich war es schon eine Herausforderung, zwischenzeitlich habe ich schon über die Auswirkungen meiner Entscheidungen nachgedacht.

Es lag in meiner Hand die Mannschaft aufzustellen und der ein oder andere war sicherlich nicht davon begeistert, wenn er auf die Bank musste. Aber das hat mich keiner spüren lassen. Die Jungs haben das alles sachlich gesehen und nicht persönlich genommen.“

Herr Atalan wechselte ja bekanntlich zum VfL Bochum, dort steht er aktuelle aber schon etwas unter Druck. Wie schätzen Sie Ihn als Trainer ein?
Grieneisen: „In Lotte habe ich ja noch ein gutes halbes Jahr mit Herrn Atalan zusammengearbeitet. Die Rückserie unter ihm lief gut, wir konnten uns aus dem Tabellenkeller befreien. Im Folgejahr kamen dann die spektakulären Leistungen, die mit dem Aufstieg in die 3. Liga gekrönt wurden.

Er hat sich von unten nach oben gearbeitet. (über Ismail Atalan)

Natürlich habe ich ihn etwas als Trainer kennenlernen können, aber ich denke, dass er danach noch eine Entwicklung genommen hat. Er hat sich immer sehr mit dem Fußball identifiziert, sein Weg passt zu ihm.

Herr Atalan hat sich von unten nach oben gearbeitet, das ist im Fußball manchmal nicht so verkehrt. Man weiß wo man herkommt, was man geleistet hat und hat den Ehrgeiz, weiter an sich zu arbeiten.“

Auch die Bremer Brücke kennen Sie sehr gut, 64 Pflichtspiele haben Sie für die Lila-Weißen bestritten. Wie oft wurden Sie vor dem Pokal-Spiel gegen den HSV zuletzt auf Ihren Treffer gegen die Norddeutschen angesprochen?
Grieneisen: „Wenn ich mit Leuten über das letzte Spiel gegen den HSV gesprochen habe, dann kam das schon ab und an zur Sprache. Es hat mich aber keiner angerufen, um mich explizit darauf hinzuweisen. Aber ich erinnere mich gerne daran, dass gebe ich gerne zu.

Für mich war das eine absolute Sternstunde für den VfL. Auch für den Verein, mal abgesehen vom neuerlichen Erfolg gegen den HSV, zählt dieses Spiel sicherlich zu den Highlights der letzten acht, zehn Jahre. Es ist schön, dass ich daran beteiligt war.“

Drei Jahre haben Sie beim VfL gespielt, wie intensiv verfolgen Sie die Geschehnisse noch?
Grieneisen: „Dadurch, dass ich noch Kontakt zu einigen Spielern pflege und immer noch sehr fußball-affin bin, verfolge ich das schon noch. Ich lebe in der Region und auch durch die Presse bekommt man natürlich einiges mit, was beim VfL passiert. Alles rund um den Verein ist ein Thema, mich wird das auch in den nächsten zehn Jahren nicht loslassen.“

Selbst bei einer Ecke brennt die Brücke. (über die Bremer Brücke)

Mit Kiel und Arminia Bielefeld II sind Sie aber auch mal gegen den VfL angetreten. Was macht die Bremer Brücke für Gegner so unangenehm?
Grieneisen: „Wenn man VfL-Spieler ist und die Leistung stimmt, dann stehen die Fans hinter einem und feuern die Mannschaft an. Für Gegner ist es teilweise sehr schwierig, denn selbst bei einer Osnabrücker Ecke brennt die Brücke. So war es schon in den besten Zeiten. Die Stimmung pusht einen und ist wie eine zweite Luft.

Der Gegner merkt das natürlich. In der 2. Bundesliga konnten wir uns oft auf unsere Heimstärke verlassen, da waren wir bärenstark – und den Gegnern ist das natürlich auch nicht entgangen.

Da ist auch mal ein Tor gefallen, bei dem man sich selbst gefragt hat, wie wir ausgerechnet in der Phase des Spiels einen Treffer erzielen konnten. Es ist immer ein gutes Zusammenspiel zwischen den Zuschauern und den Spielern.“

Ein abschließender Tipp von Ihnen – welches Team hat am Samstag das bessere Ende für sich?
Grieneisen: „Ich glaube, die VfL-Fans wissen um die Brisanz dieser Partie und werden die Mannschaft nach vorne treiben. Osnabrück gewinnt also mit 2:1.“

2:1 für den VfL. (über das anstehende Derby-Ergebnis)

Sie haben nach Ihrer Zeit noch in Bersenbrück gespielt, sind Sie nach überstandenem Kreuzbandriss noch aktiv? Wie sehen Ihre Zukunftspläne aus?
Grieneisen: „Aktiv bin ich nicht mehr, nein. Nach dem Kreuzbandriss war für mich Schluss, aus dem aktiven Geschäft habe ich mich dann zurückgezogen. Ich spiele derzeit Tennis, auch andere Sportarten betreibe ich ab und an.

Zudem habe ich einen „normalen“ Job als Controller. Allerdings bin ich Teil der VfL-Traditionsmannschaft, auch wenn ich noch nicht so viele Einsätze vorweisen kann. Eine Rückkehr ins aktive Fußball-Geschehen plane ich derzeit allerdings nicht.“

Vielen Dank für das Interview, Herr Grieneisen!

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