Pele Wollitz: Dankbar sein, dass wir acht Punkte haben

"Das ist ein Tanz auf der Rasierklinge."

Pele Wollitz trainiert den FC Energie Cottbus

Pele Wollitz will auch langfristig Erfolg haben mit Energie. ©Imago/Steffen Beyer

Cottbus-Trainer Claus-Dieter „Pele“ Wollitz spricht vor dem Duell gegen 1860 München (Freitag, 19 Uhr) mit Liga-Drei.de über die Unterschiede zwischen den Aufsteigern, die finanzielle Situation von Energie Cottbus, aber auch über Trainer-Kollege Michael Frontzeck und die schwierige Situation der Zweitliga-Absteiger Kaiserslautern und Braunschweig.

Herr Wollitz, wenn zwei Aufsteiger wie 1860 München und Energie Cottbus aufeinandertreffen, klingt das zunächst nach einem Duell auf Augenhöhe. Täuscht diese Annahme?
Pele Wollitz: „Die beiden Vereine trennt einiges. Das geht schon damit los, dass 1860 München mehr Zuschauer anlockt und deren Stadion am Freitagabend vermutlich ausverkauft sein wird. Zudem hat der Verein ganz andere Möglichkeiten als wir.

Das hängt natürlich auch mit dem Standort München zusammen. 1860 München ist als Traditionsverein sehr interessant. Dann haben sie einen Investor. Wer einen Investor hat, kann investieren. Und wenn richtig investiert wird, kann man erfolgreich arbeiten.“ 

Sie haben in der vergangenen Woche in einer Pressekonferenz die mangelnden finanziellen Möglichkeiten von Energie Cottbus bemängelt und gesagt: „Wenn die Gelder in den nächsten Monaten nicht kommen, sehe ich schwarz für die Entwicklung des Klubs.“ Haben Sie das Gefühl, dass Sie damit etwas bewirkt haben?
Wollitz: „Das bleibt abzuwarten. Ich wollte auch nicht jammern, sondern einfach nur den Finger rechtzeitig heben, bevor es sonst irgendwann zu spät ist. Sie müssen sich folgendes vorstellen: Obwohl uns ein weiterer Stürmer (Kevin Scheidhauer, Anm.d.Red.) verletzungsbedingt fehlt, können wir aufgrund der wirtschaftlichen Situation nicht nachladen.

Das ist momentan ein Tanz auf der Rasierklinge, ein wirklich gefährliches Spiel. Um die Mannschaft weiterzuentwickeln, bräuchten wir eine Auffrischung.“

Das ist momentan nicht der Fall. (über die Voraussetzungen für einen weiteren Aufstieg)

Und wenn das die finanziellen Möglichkeiten des Vereins nicht hergeben?
Wollitz: „Dann dürfen wir die Erwartungshaltung nicht bis in das Maximale steigen lassen, sondern sollten dankbar sein, dass wir bereits acht Punkte haben. Und vor allem sollten wir glücklich sein, wenn wir auch nächste Saison noch in der 3. Liga spielen.“

Das heißt, eine Rückkehr in die 2. Bundesliga wäre dann auch mittelfristig nicht möglich?
Wollitz: „Ich habe selber die Vision geäußert, dass wir bis 2022 in die 2. Bundesliga zurückkehren könnten. Dafür müssten aber auch die Voraussetzungen erfüllt werden. Und das ist momentan nicht der Fall. Ich kann mich nur wiederholen: Wir sind mit einem Kader in die Saison gegangen, der aufgrund der finanziellen Möglichkeiten ohnehin nicht optimal zusammengestellt werden konnte.

Wir haben zwei Spieler geholt, aber auch vier Spieler abgegeben. Nun bricht ein weiterer Stürmer weg und wir können nicht darauf reagieren. Leider sehe ich momentan nicht die Möglichkeit, an unserer finanziellen Situation etwas zu verändern. Das wäre nur durch Sponsoren möglich.“

Hätten Sie gerne einen Investor wie 1860 München mit Hasan Ismaik?
Wollitz: „Nein, ich würde mir Kontinuität und Nachhaltigkeit wünschen, sodass wir uns mit einem festen Fundament weiterentwickeln können. Dazu bräuchten wir eben Sponsoreneinnahmen, mit denen wir fest kalkulieren können.“

Dazu müssten wir investieren. (über die Verlängerung auslaufender Spielerverträge)

Die Verträge vieler Spieler laufen zum Saisonende aus. Würden Sie Energie Cottbus verlassen, wenn sich an der finanziellen Situation nichts ändert?
Wollitz: „Nein, das wäre ja erpresserisch. Ich habe hier noch zwei Jahre Vertrag. Richtig ist aber, dass die Verträge von 20 Spielern zum Saisonende auslaufen. Viele dieser Spieler würden grundsätzlich gerne hier bleiben – allerdings nur, wenn sich der Verein weiterentwickelt.

Und dazu müssten wir investieren. Das bedeutet nicht, dass wir hier die Millionen raushauen. Wir bräuchten aber eine stabile Entwicklung.“

Das heißt: Wenn sich nicht plötzlich durch Zuschauereinnahmen oder Sponsoren die finanzielle Situation verbessert, steht Energie Cottbus im Sommer 2019 ein großer Umbruch bevor…
Wollitz: „So einen Umbruch hatten wir vor zwei Jahren nach dem Abstieg aus der 3. Liga schon einmal. Damals haben wir das gut hinbekommen. Ich weiß aber nicht, ob das noch einmal so umsetzbar wäre. Das ist zwar möglich, aber auch fragwürdig.“

Was sagt das über die 3. Liga aus, wenn selbst die Zweitliga-Absteiger Eintracht Braunschweig und 1. FC Kaiserslautern momentan große Probleme haben? Ist das der Beweis, dass Geld keine Siege garantiert?
Wollitz: „Alle haben Kaiserslautern und Braunschweig vor der Saison als große Favoriten genannt, weil sie einen etwas höheren Etat haben. Dabei wird gerne vergessen, dass sie auch mehr Ausgaben haben. Ich habe damals schon gesagt, dass sie es schwer haben werden.

Sie unterliegen einem unfassbaren Druck, einer unfassbaren Erwartungshaltung. Wenn man dann auch noch mit einer komplett neuen Mannschaft in die Saison geht und auf starke Gegner trifft, kann der Start schwierig werden. Hinzu kommt, dass sich viele andere Vereine hinter diesen großen Namen verstecken.“

Das stimmt. In der 3. Liga traut sich kaum jemand, vom Aufstieg zu sprechen.
Wollitz: „Dementsprechend erfrischend fand ich, dass Hansa Rostock trotz der starken Absteiger und der Aufsteiger Uerdingen und 1860 München sich öffentlich dazu bekannt hat, in die 2. Bundesliga aufsteigen zu wollen.

Auch andere Vereine wie zum Beispiel Wehen Wiesbaden oder Würzburg haben die Möglichkeit zum Aufstieg. Ich gehe davon aus, dass der Aufstiegskampf sehr eng wird. Aber der Druck liegt eben auf Kaiserslautern und Braunschweig.“

Was empfinden Sie als Trainer-Kollege, wenn Michael Frontzeck beim 1. FC Kaiserslautern bereits jetzt in den Medien in Frage gestellt wird?
Wollitz: „Das ist leider der harte Alltag in unserem Beruf. Es ist immer einfach, den Trainer herauszupicken. Ich finde, dass Michael Frontzeck in Kaiserslautern zum Ende der Zweitliga-Saison einen richtig guten Job gemacht hat. Jetzt brauchen er und seine Mannschaft auch ein wenig Match-Glück.

Mitleid braucht man in diesem Beruf mit niemandem zu haben. (über Trainer unter Druck)

Vor allem braucht das Umfeld auch etwas Geduld. Bleiben wir mal bei dem Beispiel Kaiserslautern: Die haben gegen Halle verloren, weil diese Mannschaft an diesem einen Tag eine außergewöhnliche Leistung erbracht hat. So etwas passiert in der 3. Liga.

Dann triffst du im DFB-Pokal auf eine starke TSG Hoffenheim und verlierst deutlich. Dann spielst du 0:0 gegen Karlsruhe, die letzte Saison auf dem 3. Tabellenplatz gelandet sind. Die sind nicht einfach zu bespielen. Ich wünsche Michael Frontzeck jedenfalls, dass er diese Situation für sich und den Verein meistert.“

Das klingt so, als hätten Sie Mitleid mit dem Kollegen…
Wollitz: „Nein, Mitleid braucht man in diesem Beruf mit niemandem zu haben. Wir haben uns diesen Beruf selber ausgesucht. Aber ich habe Mitgefühl, weil ich weiß, wie sich ein Umbruch in Verbindung mit einer hohen Erwartungshaltung anfühlt. Es ist nicht immer möglich, gleich zum Saisonbeginn all diesen Erwartungen gerecht zu werden – über 38 Spieltage aber schon eher.“

Herr Wollitz, vielen Dank für das Gespräch!

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