Schubert über Typen, Regeln & Tricks im Abstiegskampf

Braunschweigs Retter erklärt, wer aktuell gefährdet ist

Autor: Luis Hagen Veröffentlicht: Freitag, 13.03.2020 | 11:55

André Schubert an der Seitenlinie.

André Schubert weiß aus eigener Erfahrung, was es im Abstiegskampf der 3. Liga braucht. ©imago images/Joachim Sielski

Elf Spieltage sind in der 3. Liga noch zu absolvieren. Elf Spiele , die in der unteren Tabellenhälfte darüber entscheiden, welche vier Teams den Sturz in die Regionalligen nicht verhindern können.

Vor einem Jahr um diese Zeit hat auch Eintracht Braunschweig um seine Existenz im Profifußball ringen müssen. Zur Winterpause schien es noch so, als würde nichts auf der Welt Braunschweigs zweiten Ligaverlust hintereinander verhindern können. Aus elf Zählern, also fast vier Siegen, bestand der Rückstand auf den rettenden 16. Tabellenplatz nach 20 Spielen.

Aufholjagd unter Schubert

Doch in den folgenden zehn Spielen zeigten die Löwen aus Niedersachsen plötzlich Zähne und konnten somit nach 30 Spielen mit 35 Punkten erstmalig vom rettenden 16. Rang grüßen. Hinter dem BTSV Eintracht lag eine erstaunliche Aufholjagd, doch gezittert werden musste bis zum letzten Pfiff.

Liga-Drei.de hat den damaligen Braunschweiger Trainer André Schubert in den Rückspiegel schauen lassen, um mit seiner Hilfe herauszufinden, worauf es in diesem finalen Abschnitt dieser Spielzeit in der 3. Liga ankommen könnte.

„ Braunschweig war außergewöhnlich und unvergleichbar. ”
über die Saison 2018/19

André Schubert, in ihrer Vita stehen 29 Spiele im hammerharten Existenzkampf der 3. Liga. Können Sie anhand Ihrer Erfahrungen einschätzen, wer dieses Dilemma aktuell gerade ähnlich gut meistert wie Sie vor einem Jahr mit Eintracht Braunschweig?
André Schubert: "Diese Saison in Braunschweig war in vielerlei Hinsicht außergewöhnlich, dies kann ich mit nichts anderem vergleichen. Zumal ich die Hintergründe in den Vereinen nicht alle kenne. Das Wichtigste ist, konstant zu punkten und nicht in einen negativen Strudel zu geraten. Kleine Erfolgsserien mit fünf, sechs ungeschlagenen Spielen oder Erfolge gegen die unmittelbaren Konkurrenten - wie unlängst Chemnitz mit dem 1:0 gegen Halle - können am Ende entscheidend sein."

Es entsteht durchaus der Eindruck, dass Glöckner und der CFC Ihren erfolgreichen Braunschweiger Existenzkampf gerade erfolgreich kopieren. Angefangen bei der Runderneuerung des Spielerkaders in der Winterpause. Liegt hier der Schlüssel?
Schubert: "Bei uns in Braunschweig musste ein massiver personeller Umbruch erfolgen, weil wir herausgefunden hatten, dass die Mannschaft im Hinblick auf Alter, Erfahrung und Typen nicht funktionierte. Es passte überhaupt nichts zusammen, um erfolgreich sein zu können."

„ Abstiegskampf bedeutet Existenzkampf. ”
über den Druck im Tabellenkeller

So haben Sie zehn Ihrer Spieler weggeschickt und neun Neue geholt…
Schubert: "Wir mussten diesen großen Umbruch vornehmen, um das Wunder noch schaffen zu können. In dieser Lage benötigten wir ein Team, dass gemeinsam jede Herausforderung annehmen würde. Kämpfer, die niemals aufgeben würden und sich auch von Rückschlägen nicht aus der Bahn werfen lassen.

Und positiv eingestellte Typen, die für eine gute Stimmung sorgen und auch andere Spieler führen können. Abstiegskampf bedeutet ständigen Druck und in der 3. Liga ist es tatsächlich ein Existenzkampf, da die Regionalliga nicht zwingend Profifußball ermöglicht. Da braucht es diese Persönlichkeiten, robuste Typen, die Widerstände bewältigen können."

Routiniers wie Torwart Fejzic, wie Nehrig, Kessel oder Pfitzner, den Sie im eigenen Klub reaktiviert haben…
Schubert: "… haben eine ganz wichtige Rolle gespielt. Mit ihrer positiven Art, ihrem Mut und ihrer Erfahrung haben sie die jungen Spieler stabilisiert. Zudem hat es uns gutgetan, dass Spieler wie Becker und Nkansah schon am Ende der Hinrunde immer stabiler und zu Leistungsträgern wurden. Und auch die Neuzugänge wir Bär und Feigenspan brachten frischen Wind und viel positive Energie mit ein."

„ Die Chancen auf den Liga-Erhalt sind gut. ”
über den Chemnitzer FC

Worauf kommt es des Weiteren an, um in diesem Konkurrenzstreit um den Erhalt der 3. Liga erfolgreich zu trotzen?
Schubert: "Auch wenn Maßnahmen greifen und der Weg positiver wird, wird es kaum einer Mannschaft auf einer derart existenzbedrohenden Wegstrecke gelingen, jedes Spiel zu gewinnen oder plötzlich fehlerfrei zu bleiben. Das ist kaum möglich. Hierbei geht es dann um einen positiven Umgang mit Rückschlägen.

Die passieren, doch sie dürfen den neuen eingeschlagenen erfolgreichen Weg nicht in Gefahr bringen. In Braunschweig ist es uns gelungen, die Stimmung permanent mit Optimismus zu füllen. So haben uns auch knappe Niederlagen wie in Osnabrück nicht aus der Bahn geworfen."

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Auch dieser Trend ist aktuell beim Chemnitzer FC erkennbar. Wenige Tage nach dem 3:4 in allerletzter Sekunde an der Grünwalder Straße gegen Sechzig hat der CFC die starken Hachinger 1:0 besiegt. Wie ist Ihre Einschätzung des aktuellen Ringens um die Existenz?
Schubert: "In Braunschweig waren wir uns alle ab Oktober bewusst, dass der Rest der Saison mit einer riesigen Aufholjagd und komplizierten Spielen verbunden sei wird. Ich denke, Chemnitz hat sich schon von Anfang an damit auseinandergesetzt, dass es eine schwere Saison werden kann. Das kann ein Vorteil sein gegenüber Teams, die eigentlich ganz andere Ziele hatten und sich jetzt mehr oder weniger überraschend mit dem Klassenerhalt beschäftigen müssen.

In diesen Vereinen ist natürlich auch die Unzufriedenheit im gesamten Umfeld deutlich größer, auch das kann eine Rolle spielen. Chemnitz hält sich nun fast die gesamte Saison in der Nähe des rettenden 16. Tabellenplatzes auf und setzt sich aktuell sogar leicht ab. Die Chancen auf den Liga-Erhalt sind gut."

„ Der Druck für diese Traditionsvereine ist besonders groß. ”
über FCK, FCM & HFC

Wie schaffen Sie es, ein großes Ziel wie dieses niemals aus den Augen zu verlieren?
Schubert: "Der Klassenerhalt ist ein sehr weites Ziel, die Blicke richten sich auf die rettenden Plätze, die weit entfernt scheinen. Ich habe gute Erfahrungen damit gemacht, sich kleine Teilziele zu setzen, die es für Woche für Woche zu erreichen gilt.

Solche Teilziele erscheinen möglicher, greifbarer. Und sie bedeuten auch kleine Teilerfolge, Woche für Woche. Das ist psychologisch sehr wichtig. So haben wir uns zum Beispiel eine bestimmte Anzahl an Zu-Null-Spielen, an Heim- und Auswärtssiegen und ähnlichen Herausforderungen zum Ziel gesetzt. Und sind so unserem Endziel Schritt für Schritt näher gekommen."

Dies heißt auf den aktuellen Kraftakt bezogen, was?
Schubert: "Es wird ein harter Kampf für alle Teams, bis zum Ende. Uerdingen sollte noch zwei Siege holen können, der Abstiegskampf beginnt für mich ab Platz 12 mit Viktoria Köln. Allerdings räume ich Viktoria sehr gute Chancen ein. Sie werden es schaffen.

Kompliziert ist die Lage für Kaiserslautern, Magdeburg und Halle, die alle mit ganz anderen Zielen in die Saison gestartet sind. Diese Teams sind deutlich besser aufgestellt als die Konkurrenz, doch der Druck für diese Traditionsvereine ist auch besonders groß.

Zwickau und Münster haben aktuell die schlechtesten Karten, sie haben aber beide mit teilweise überraschenden Ergebnissen in der Rückrunde gezeigt, dass mit ihnen weiterhin zu rechnen sein wird. Eine Prognose vermag ich da nicht abzugeben, es kann jeden dieser Teams erwischen."

Liga-Drei.de bedankt für Ihre Einblicke in die bedrohliche Welt des Abstiegskampfes in der 3. Liga, André Schubert.

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