Sportfreunde Lotte: Hinter den Kulissen – der Platzwart

Fred Brandt im Gespräch

Fred Brandt Platzwart Lotte

Der Rasen ist Fred Brandts Arbeitsplatz – auch wenn er ihn nicht immer mähen darf. ©Imago/osnapix

Jeder Rasen in den 20 Drittligastadien benötigt Pflege und Zuwendung, so auch in Lotte. Fred Brandt heißt der Mann, der sich im Tecklenburger Land um das Geläuf kümmert. Im Interview mit Liga-Drei.de für die Rubrik Hinter den Kulissen spricht Brandt über seinen Job, die Spielabsage gegen den BVB und erklärt, warum er den Rasen gar nicht selbst mäht.

Herr Brandt, die Sportfreunde haben die Sommerpause genutzt, um das Stadion mit einem neuen Rasen zu bestücken. Wie nötig war das neue Grün?
Brandt: „Ich kann nur sagen, dass dieser Schritt gut war. Der alte Rasen war wirklich schon sehr betagt. Wir sind froh, dass wir nun einen neuen Untergrund haben, bei dem passend zum Saisonstart alles in Ordnung ist.“

In der letzten Spielzeit erhielt Ihr „Arbeitsplatz“ ziemlich viel Aufmerksamkeit, die Pokalabsage gegen den BVB war deutschlandweit in den Medien. Wie haben Sie die damaligen Diskussionen verfolgt?
Brandt: „Mit einem Schmunzeln. Natürlich kam an dem Tag alles zusammen, eine Schneehaube hatte den Platz bedeckt, sodass dieser dann angeblich nicht bespielbar war. Der Schnee wäre meiner Meinung nach zu Spielbeginn wieder aufgetaut gewesen. Es gab eine Stelle neben dem Tor, die zudem außerhalb des Platzes lag, wo sich dennoch alle draufgestürzt haben.

Die hätten auch eine Pfütze fotografieren können. (über die Spielabsage gegen den BVB)

Jeder hat diese Stelle fotografiert. Neben dem Tor ist ein enger Durchgang, da war es doch klar, dass es dort matschig wird, wenn bei nassem Wetter hunderte Leute da herlaufen. Ich habe immer gedacht: Da könnte man auch eine Pfütze auf dem Parkplatz fotografieren, die liegt auch außerhalb des Platzes.“

Würden Sie rückblickend etwas anders machen?
Brandt: „Ehrlich gesagt, war da nichts anders zu machen. Es lag ja nicht in unserer Hand, ob es schneit oder nicht. Vielleicht hätte man den Durchgang irgendwie verbreitern können, was aufgrund der vielen Mitarbeiter des Fernsehens und Werbung an dieser Stelle aber nicht möglich war. Aber was anders machen? Nein, da fällt mir nichts ein.“

Lotte Rasen

Der Lotteraner Rasen war ein heiß diskutiertes Thema. ©Imago

Sie sind nun schon seit einigen Jahren in Lotte aktiv, in dieser Zeit hat sich viel im Tecklenburger Land getan. Mit welchem Gefühl nehmen Sie Ihre Arbeit auf?
Brandt: „Es ist doch immer wieder spannend mit anzusehen, was sich hier tut. Natürlich gibt es ruhigere Zeiten als die Wochen vor einer neuen Saison, aber es macht sehr viel Spaß.

Ich habe ja auch einen engen Kontakt zur Mannschaft, da wir uns bezüglich der Trainingsplätze etc. immer abstimmen müssen, da ist es sehr interessant zu verfolgen, was sich hier in der Sommerpause tut. Ich freue mich auf die neue Saison und auf die hoffentlich vielen spannenden Spiele.“

In der Vergangenheit war es ja auch oft so, dass Fußballobmann Manfred Wilke selbst Hand angelegt hat und den Rasen gemäht hat. Macht er dies immer noch? Oder liegt dies jetzt fest in Ihrer Hand?
Brandt: „Das macht Herr Wilke schon seit eh und je, das wird sich auch nicht ändern. Er braucht das, er liebt den Rasen. Natürlich springe ich manchmal ein, aber er sagt immer, dass es seine schöpferische Pause ist, die er sich gönnt. Wir teilen uns das eigentlich ganz gut auf. Er mäht das Stadion, ich bereite die Trainingsplätze vor. Das ist in Ordnung so.“

Er braucht das. (über die Arbeitsteilung mit Fußballobmann Manfred Wilke)

Nicht nur Herr Wilke packt immer mal wieder mit an, auch einige Spieler haben beispielsweise beim Tribünenbau mitgeholfen. Schätzen Sie diese Mentalität im Verein?
Brandt: „Ja, das stimmt. Gerade das ist es aber, was das Schöne in diesem Verein ist und was hochgehalten wird, was Freude macht. Ein anderes schönes Beispiel spielte sich ja auch vor dem Pokal-Spiel gegen 1860 München ab. Der Platz war ziemlich vom Schnee bedeckt, innerhalb von wenigen Stunden folgten zahlreiche Helfer jedoch dem Aufruf des Vereins und kamen zur Hilfe.“

Wie darf man sich die Tage vor einer neuen Spielzeit vorstellen? Wie stressig ist Ihr Job dann?
Brandt: „Die neue Spielzeit beginnt ja immer in einer Zeit, wo die Vegetation keine Pause kennt. Von daher sind wir momentan natürlich auch dabei, alles im Umfeld in Ordnung zu bringen – den Platz, die Tribünen, die Parkplätze.

Die Vegetation kennt keine Sommerpause. (über die Saisonvorbereitung im Stadion)

Wir kennen ja den Zeitpunkt, zu dem wir fertig sein müssen. Die Sommerpause wurde auch genutzt, um Veränderungen vorzunehmen, es wurden einige Bereiche beispielsweise neu gepflastert. Es ist eine unglaublich stressige Zeit, im Laufe der Saison wird es dann aber auch wieder ruhiger.“

Manche Trainer mögen es lieber, wenn der Rasen vor einer Partie nochmal bewässert wird. Haben Sie mit dem neuen Trainer Oscar Corrochano bereits über dieses Thema gesprochen?
Brandt: „Nein, noch nicht. So etwas wird meistens vor einem Spiel thematisiert. Im Moment kümmert sich unser Torwarttrainer Bastian Görrissen um die Trainingsplätze und bewässert diese im Vorfeld, sodass sie etwas griffiger sind. Alles andere ist doch eher eine kurzfristige Sache.“

Die meiste Zeit verbringen Sie bekanntlich vor dem Spiel auf dem Rasen, doch wo und wie verfolgen Sie anschließend das eigentliche Geschehen?
Brandt: „An einem Spieltag bin ich den ganzen Tag im Einsatz, da gilt es, viele Vorbereitungen zu treffen. Ich habe mir einen Stehplatz auf der Haupttribüne gesucht, dort findet man mich während des Spiels.

Das weiß auch jeder, sodass ich im Notfall auch gefunden werden kann. Aber auch während der Partie bin ich im Einsatz, hier und da gibt es halt immer was zu tun. Manchmal kann ich aber durchatmen, stehen und in Ruhe das Spiel schauen.“

Vielen Dank für das Interview, Herr Brandt!

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