Sportfreunde Lotte: Interview mit Thomas Blomeyer

"Wir sind ein verschworener Haufen."

Thomas Blomeyer im Spiel gegen Jena.

Sieht Lottes Stärke im Kollektiv: Thomas Blomeyer. ©Imago/Karina Hessland

Seit Ende Januar läuft Thomas Blomeyer für die Sportfreunde Lotte auf. Der Innenverteidiger ließ sich von Zweitligist MSV Duisburg bis Saisonende ins Tecklenburger Land verleihen. Im Interview mit Liga-Drei.de spricht der 22-Jährige über seine Entscheidung für Lotte, das kommende Spiel in Osnabrück und sein Studium, das er parallel zur Profikarriere absolviert.

Herr Blomeyer, im Winter wechselten Sie auf Leihbasis aus Duisburg nach Lotte. Wie haben die Sportfreunde Sie von sich überzeugt?
Thomas Blomeyer: „Das lief alles ziemlich kurzfristig ab. Es gab vor den Sportfreunden schon einige Interessenten, aber durch eine Verletzung kurz vor der Winterpause wurde alles es ein bisschen komplizierter. Kurz vor Ende des Transferfensters hatte ich dann ein Gespräch mit Nils Drube. Ein junger, dynamischer Trainer, das Gespräch mit ihm war sehr positiv.

Daraufhin habe ich dann gesagt, ich gehe nach Lotte. Natürlich war mir bewusst, dass man sich in Lotte auch auf gewisse Sachen einlassen muss. Ich habe das aber angenommen und richtig Bock bei der Sache.“

Worauf mussten Sie sich denn einlassen?
Blomeyer: „Natürlich ist Lotte von der Größe oder den Strukturen her nicht mit dem MSV Duisburg zu vergleichen. Ich hatte vor meiner Leihe aber schon mit Gerrit Nauber, der ja damals von Lotte nach Duisburg gewechselt ist, gesprochen. Er konnte mir nur positives von den Sportfreunden berichten und hat mir noch das eine oder andere mit auf den Weg gegeben. Das war eine Bestärkung, den Wechsel anzugehen.“

Wir können frei aufspielen, weil wir nach der Durststrecke nicht viel zu verlieren haben. (über das nächste Spiel in Osnabrück)

In den ersten sechs Spielen nach der Winterpause verlor Lotte kein Spiel, dann folgten vier Spiele ohne Sieg. Was ist passiert?
Blomeyer: „Zunächst lief es sehr gut, das stimmt. Unser Defensivkonzept hat in den Spielen, in denen wir gepunktet haben, super funktioniert. In der englischen Woche gab es dann vielleicht die ein oder andere unglückliche Schiedsrichterentscheidung, obwohl man es auf die nicht schieben möchte.

Letztendlich haben wir auch bei den Punktverlusten in Spielen wie gegen Kaiserslautern, Jena oder Braunschweig nicht viel zugelassen, nur der Ball ging halt am Ende zu unseren Ungunsten ins Tor.  Jetzt blicken wir voraus auf das Spiel gegen den Tabellenführer Osnabrück.

Für uns ist ein zusätzlicher Ansporn, dass es durch die Nähe eine gewisse Rivalität gibt. Wir werden von allen wohl schon vorher abgeschrieben und wollen auch uns selbst beweisen, dass wir eine gute Truppe haben.“

Welchen Plan haben Sie sich zurechtgelegt, um etwas an der Bremer Brücke zu holen?
Blomeyer: „Letztendlich muss jeder die Stärken unserer Mannschaft verinnerlichen: Taktische Disziplin, Einsatz und Mentalität. Wenn wir das auf den Platz bringen, können wir jeden Gegner schlagen. Osnabrück hat eine gute Mannschaft, einen Lauf und das Heimpublikum im Rücken.

Ich hoffe, wir können frei aufspielen, weil wir nach der Durststrecke nicht viel zu verlieren haben. Jeder muss sich voll reinhängen und 100 Prozent geben. Wenn wir diese Tugenden abrufen, dann können wir etwas mitnehmen.“

Das funktioniert nur, wenn jeder einzelne an die Leistungsgrenze geht. (über den Klassenerhalt mit Lotte)

Vor dem 31. Spieltag beträgt der Vorsprung auf den ersten Abstiegsplatz zwei Punkte. Was stimmt Sie optimistisch, die Klasse zu halten?
Blomeyer: „In der englischen Woche war das Glück ein bisschen gegen uns. Auch danach haben wir nicht gut gepunktet. Davor lief es aber super. Von daher fällt es mir schwer, von jetzt auf gleich alles schlecht zu reden. Wir müssen das zeigen, für was dieser Verein steht.

Das funktioniert nur, wenn jeder einzelne an die Leistungsgrenze geht. Auch der Teamspirit zeichnet diese Mannschaft aus. Wir sind ein verschworener Haufen. Diese Qualität haben glaube ich nicht viele.“

Sie sind nur bis zum Saisonende ausgeliehen. Bei Ihrem Stammverein MSV Duisburg plant man trotz Vertrages bis 2020 nicht mehr mit Ihnen. Wie geht es ab Sommer weiter?
Blomeyer: „Was im Sommer passiert, ist für mich schwer abzusehen. So weit möchte ich aber auch noch gar nicht schauen. Mein Ziel ist der Klassenerhalt mit Lotte. Ich persönlich möchte so viele Spielminuten sammeln, wie es geht.“

Der Verein mit den Strukturen und den Fans: das ist Minimum zweitligareif. (über seinen Stammverein Duisburg)

Sie waren zweieinhalb Jahre in Duisburg, wie intensiv verfolgen Sie die „Zebras“ noch?
Blomeyer: „Duisburg ist im Endeffekt meine erste Profistation nach meiner Ingolstädter Zeit. Ich schaue immer auf die Ergebnisse und wenn es geht, auch die Spiele. Mit dem einen oder anderen habe ich auch noch Kontakt.

Ich hoffe natürlich, dass sie drinbleiben. Obwohl sie natürlich in einer schwierigen Position sind. Ich drücke den Jungs die Daumen. Der Verein mit den Strukturen und den Fans: das ist Minimum zweitligareif.“

In der Hinrunde haben Sie kein Spiel bestritten. Hatten Sie die Hoffnung, dass sich Ihre Situation nach dem Trainerwechsel von Ilja Gruev zu Torsten Lieberknecht ändert?
Blomeyer: „Mit Sicherheit. Durch einen Trainerwechsel wünscht sich jeder Spieler, der nicht so zum Zuge kommt, dass die Karten neu gemischt werden. Für mich ging es leider nicht so gut aus, obwohl ich anfangs einen guten Eindruck hatte. Man sollte aber letztlich immer vor der eigenen Haustüre kehren. Es wäre am Ende einfach nicht sinnvoll gewesen, in Duisburg zu bleiben.“

Nebenher ein bisschen den Kopf einzuschalten, ist sicher auch nicht verkehrt. (über sein Studium)

Verlassen wir den Fußballplatz zum Abschluss: Sie stellten Ihr Medizinstudium für den Profifußball zurück. Als wir die Sportfreunde Lotte um ein Interview mit Ihnen baten, hieß es, Sie seien gerade in der Uni. Haben Sie das Studium also aufgenommen?
Blomeyer: „Ich studiere nebenbei, aber natürlich nicht Medizin. Diese Überlegung hatte ich mal, aber Medizin ist ein Vollzeit-Studium, mehr als ein Fulltime-Job. Aktuell studiere ich nebenbei Wirtschaftspsychologie. Am Dienstag hatte ich Prüfungen, die gut liefen. Generell ist es mir wichtig, ein zweites Standbein zu haben. Nebenher ein bisschen den Kopf einzuschalten, ist sicher auch nicht verkehrt.“

Ist das Medizinstudium dann endgültig vom Tisch?
Blomeyer: „Nein, das ist erstmal nur zurückgeschoben. Wir alle kennen die Storys im Fußball, wie schnell sich alles nach oben und unten entwickeln kann. Ich habe das Medizin-Studium auf dem Schirm, aber die Planungen sind erstmal zurückgestellt.“

Herr Blomeyer, vielen Dank für das Gespräch!

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