SV Meppen: Das machen Bähre & Co. heute

Zwischen englischer Härte und Bayernliga

Benjamin Girth und Mike-Steven Bähre jubeln

Meppener Erfolgsduo der letzten Saison. Wie läuft es für Girth (l.) und Bähre momentan? ©Imago/Werner Scholz

Mit zehn Zu- und acht Abgängen hielt sich der personelle Wandel beim SV Meppen in Grenzen. Von vorneherein war klar, dass der Abgang des Top-Torjägers Benjamin Girth nur schwer zu kompensieren sein wird. Der Angreifer folgte dem Lockruf aus Kiel.

Auch Mike-Steven Bähre verließ nach der halbjährigen Leihe wieder das Emsland. Mittlerweile ist er über Hannover 96 beim FC Barnsley in der dritten Liga Englands gelandet. Mit Liga-Drei.de hat er über den britischen Fußball und seine Zeit beim SV Meppen gesprochen. Auch wie es um die anderen Abgänge bestellt ist, zeigen wir Euch in der Übersicht.

Herr Bähre, in der vergangenen Rückrunde haben Sie für den SV Meppen in der 3. Liga gespielt. In diesem Sommer ging es für Sie zum FC Barnsley in die englische 3. Liga. Worin bestehen die größten Unterschiede zwischen diesen beiden Spielklassen?
Mike-Steven Bähre: „Es geht hier wesentlich mehr zur Sache. Die sogenannte englische Härte kann ich zu hundert Prozent bestätigen. Wenn man hier nur mit 80 oder 90 Prozent in den Zweikampf geht, dann hat man den schon verloren.

In Deutschland ist das Spiel mehr auf Taktik ausgelegt, während es hier oft einfach hin- und hergeht. Man hat weniger Zeit. Da gibt es nicht viele Mannschaften, die im Mittelfeld noch Pässe spielen. Und ich muss sagen, hier sind viele Spieler technisch versierter. Das hätte ich im Vorfeld nicht gedacht.“

Sie haben nun schon ein paar Sachen angesprochen. Aber was genau können Sie jetzt auf den englischen Fußballplätzen lernen, das Ihnen später hilft?
Bähre: „Allen voran das Dagegenhalten, mehr Grundspannung zu erlangen und körperlich zuzulegen. Ich erfahre noch mehr, was Zweikampfführung bedeutet. Sobald man den Ball bekommt, hat man zwei oder drei Gegner gegen sich. Also muss ich mich noch schneller orientieren und lerne mit weniger Kontakten zu spielen.“

Es geht hier wesentlich mehr zur Sache (über den englischen Fußball)

Wie gelingt Ihnen denn abseits des Feldes die Eingewöhnung in England?
Bähre: „Das läuft richtig gut. Besser als ich es erwartet habe. Anfangs habe ich im Hotel gewohnt und es standen ein paar Dinge an, um die ich mich kümmern musste: neue Sozialversicherungsnummer, Bankkonto, viele andere Kleinigkeiten. Aber das lief alles recht reibungslos und mittlerweile habe ich auch meine eigene Wohnung und ein Auto hier.“

Und schon an den Linksverkehr gewöhnt?
Bähre: (lacht) „Ich kann sagen, ausgesprochen gut. Ich war von Anfang an gezwungen, hier Auto fahren zu müssen, um zum Training und wieder nach Hause zu kommen. Es ist erst mal eine Konzentrationssache, aber man gewöhnt sich schnell daran.“

Hierzulande wird oft von der großartigen Stimmung in England gesprochen. Wie nehmen Sie diese wahr?
Bähre: „Die Stimmung ist anders als in Deutschland. Die Fans hier in England bewerten viel häufiger einzelne Aktionen. Du bekommst im Zentrum einen Pass, drehst dich auf, setzt dich dabei gegen deinen Gegenspieler durch und spielst den Ball auf die andere Seite. Eine gute Aktion, die so speziell für sich von den deutschen Fans nicht wahrgenommen wird und hier in England wird man dafür beklatscht und erhält Beifall.

Das ist eine Sache, die mir sehr gut gefällt. Das pusht mich auf dem Feld. Hier ist jeder fußballverrückt. Wobei man auch erwähnen muss, dass es in Deutschland Fans gibt, die im Stadion 90 Minuten lang für Stimmung sorgen und einen mit ihren Fangesängen nach vorne peitschen. Das gibt es hier weniger – zumindest nicht so permanent.“

Eine richtig wichtige Zeit für mich. (über den SV Meppen)

Ihr Trainer heißt wieder Daniel Stendel. Den kennen Sie noch aus der A-Jugend von Hannover 96. Wie wichtig ist er für Ihre Entwicklung?
Bähre: „Ich glaube, wenn er nicht hier in Barnsley wäre, wäre ich auch nicht hierhergekommen. Wahrscheinlich hätte sich mir gar nicht die Möglichkeit zu dem Wechsel geboten. Da war Daniel Stendel natürlich ein wichtiger Faktor.

Er hat mir auch sehr dabei geholfen, mich hier einzuleben. Er war schon in der Jugend wichtig für meine Entwicklung. Später habe ich ja auch unter ihm bei den Profis mittrainiert und kam zu einigen Zweitligaeinsätzen. Er hat mich sehr gepusht und ich glaube, dass er eine Menge von mir hält.“

Sie hatten sich auch schon in der letzten Rückrunde gut beim SV Meppen eingelebt und entwickelt. Wie sehr haben Sie diesen Verein noch im Blick?
Bähre: „Jedes Mal, wenn es die Zeit zulässt, gucke ich auf Telekom Sport die Spiele vom SV Meppen. Auch ansonsten verfolge ich, wie sie gespielt haben. Zu vielen Spielern habe ich noch Kontakt, auch Christian Neidhardt habe ich letztens zum Geburtstag gratuliert. Immerhin habe ich mich dort auch sehr wohl gefühlt.

Es ist ein richtig guter Verein und es war dort auch eine richtig wichtige Zeit für mich. In dem halben Jahr ging es nach einer langen Verletzung und immer wiederkehrenden Rückschlägen, die ich vorher hatte, endlich wieder bergauf. Und gerade in der zweiten Hälfte der Rückrunde habe ich richtig gute Leistungen gebracht und kontinuierlich gezeigt, was ich draufhabe.“

Genug Qualität, um da unten rauszukommen. (über die Lage des SV Meppen)

Nun steckt der SV Meppen im Tabellenkeller fest. Aber was stimmt Sie persönlich denn optimistisch, dass das Team es da unten wieder herausschafft?
Bähre: „Also, ich denke, sie haben genug Qualität, um da unten rauzukommen. Sie müssen jetzt einfach mal wieder ein paar Erfolgserlebnisse sammeln. Sie mussten auch erst einmal den Abgang von Benjamin Girth und zugegebenermaßen auch von mir kompensieren.

Aktuell haben sie immer noch einige Verletzte wie Marcel Gebers und Fabian Senninger. Markus Ballmert und Luka Tankulic waren ebenfalls lange verletzt. Daher war es schon schwer. Aber ich denke, jetzt wird leistungsmäßig wieder mehr Normalität einkehren und die Jungs werden wieder besser punkten. Am Ende der Saison haben sie nichts mit den Abstiegsplätzen zu tun.“

Vorhin waren wir bei den englischen Fans. Es ist aber auch bekannt, dass der SV Meppen ebenfalls ziemlich leidenschaftliche Fans hat.
Bähre: „Ja, absolut.“

Gehe davon aus, dass der Verein die Kaufoption zieht. (über seine Zukunft in Barnsley)

Wie haben Sie denn diese Fußballbegeisterung im Emsland wahrgenommen?
Bähre: „Die ist Wahnsinn. Gefühlt war jedes Auswärtsspiel von Meppen sechs oder sieben Stunden Fahrt entfernt und trotzdem hatten wir immer Hunderte von Fans dabei, die uns unterstützt haben.

Da kann ich auch im Nachhinein nur sagen: riesiger Respekt an die Fans vom SVM. Das, was die jedes Mal in Kauf genommen haben – für 90 Minuten Fußball den ganzen Tag unterwegs gewesen –, war schon phänomenal. Die Euphorie, die in Meppen seit dem Aufstieg da ist, ist nicht nur gerechtfertigt, die muss auch weiterhin so Bestand haben.“

Kommen wir zum Abschluss noch mal zu Ihrer Person. Der Wechsel nach Barnsley ist ja auch nur auf Leihbasis. Wie wollen Sie sich denn langfristig bei Ihrem Stammverein Hannover 96 durchsetzen?
Bähre: „Um ehrlich zu sein, es ist im Grunde genommen nur eine Leihe, weil die neuen Transferregularien in England keinen Kauf hergaben. Nach dem ersten Spieltag dürfen die Vereine hier ja nur noch Spieler leihen und nicht mehr fest verpflichten.

Der FC Barnsley hat eine Kaufoption für den nächsten Sommer und ich gehe davon aus, dass ich mich hier durchsetzen kann und der Verein diese Option zieht. Ich fühle mich auch nicht als richtiger Leihspieler. Stattdessen setze ich darauf, hier noch einige weitere Jahre zu spielen.“

Die übrigen Abgänge:

Benjamin Girth hatte in Meppener Trikot reichlich zu jubeln: In 36 Spielen erzielte er 19 Tore.

Für die KSV Holstein konnte Ex-Meppener Benjamin Girth bis dato zweimal einen Treffer bejubeln. ©Imago/Werner Scholz

Benjamin Girth
Mit 39 Toren in zwei Jahren für Meppen empfahl sich der Angreifer für höhere Aufgaben, Holstein Kiel schlug im Sommer zu. Beim Zweitligisten kämpfte er sich über Einwechslungen in die Startelf, in der er an den letzten vier Spieltagen dreimal stand. Zwei Tore stehen nach sieben Einsätzen in seiner Statistik.

Dennis Geiger
Beim Regionalligisten Jeddeloh erwischte er mit drei Startelfeinsätzen einen guten Start, dann setzte ihn allerdings ein Rippenbruch außer Gefecht. Über zwei Monate musste der Innenverteidiger pausieren, nach seiner Rückkehr kehrte er jedoch sofort in die Startelf zurück und führte sein Team beim Sieg über Havelse erstmals als Kapitän an.

Menno Heerkes
Der defensive Mittelfeldspieler kehrte nach zwei Jahren in Meppen zurück in seine niederländische Heimat. Dort schloss er sich dem Drittligisten Hardenberg an und spielte an den ersten beiden Spieltagen jeweils durch. Doch beide Spiele gingen verloren und seitdem wartet der 25-Jährige auf einen Einsatz. Drei Mal saß er auf der Bank, fünf Mal nur auf der Tribüne.

Julian Püschel
Nach zwei Jahren und nur einem Einsatz, noch in der Regionalliga, ging es für den 21-Jährigen im Sommer zur zweiten Mannschaft in die Bezirksliga. Bislang stand er acht Mal auf dem Feld und steuerte ein Tor und eine Vorlage zum ersten Platz bei.

Devann Yao
Für den US-Amerikaner gab es im Sommer keine Perspektive, er wurde an die zweite Mannschaft abgegeben. Dort hielt es ihn aber nicht lange, Mitte August wurde der Vertrag aufgelöst. Mittlerweile hat er sich dem Berliner AK angeschlossen, für den Regionalligisten traf er bei drei Einwechslungen bereits ein Mal.

Jens Robben
Nach 285 Spielen für den Klub beendete der 35-Jährige im Sommer seine Karriere. Ohne den SV Meppen geht es beim Eigengewächs aber nicht, er blieb ihm als Scout und Videoanalyst treu.

Haris Hyseni
Nach Ablauf seiner einjährigen Leihe kehrte er zu seinem Stammverein Regensburg zurück. In der 2. Bundesliga schaffte er es aber noch gar nicht in den Spieltagskader. Dafür sammelt er in der zweiten Mannschaft Spielpraxis, die in der Bayernliga antritt, und erzielte bislang sechs Treffer in fünf Einsätzen.

Schon Mitglied beim offiziellen 3.Liga-Sponsor bwin? Jetzt anmelden & bis zu 100€ Willkommensbonus kassieren!