SV Meppen: Interview mit Andreas Helmer

"Die Fans waren alle gleichermaßen verrückt"

Andreas Helmer am Ball für den SV Meppen

Urgestein: Andreas Helmer stand 356 Mal für den SV Meppen auf dem Platz ©Imago/Alfred Harder

Jeder, der sich mit dem Fußball im Emsland beschäftigt, kommt an dem Namen Andreas Helmer nicht vorbei. Der heute 51-Jährige bestritt in seiner Karriere weit über 300 Zweitliga-Einsätze und stand dabei sowohl für den SV Meppen als auch für den VfL Osnabrück sowie Preußen Münster auf dem Feld. Im Interview mit Liga-Drei.de spricht er über die aktuelle Lage seiner Ex-Klubs, seine Trainertätigkeit beim VfL Herzlake und lässt vergangene Tage Revue passieren.

Herr Helmer, von Ihren Ex-Vereinen Osnabrück, Meppen und Münster steht der SVM am besten dar. Wie überrascht sind Sie davon?
Andreas Helmer: „Es hat mich schon ein wenig überrascht und ehrlicherweise habe ich nicht damit gerechnet, dass Meppen bislang so gut durchkommt. Einige Partien habe ich auch live verfolgt, da wurde jedoch deutlich, dass es eine gute Truppe ist, die auch eingespielt wirkt. Mit Benjamin Girth hat der Verein natürlich auch einen Spieler, der fast jede Chance nutzt.“

Wie bewerten Sie denn die Leistungen der anderen beiden Vereine?
Helmer: „Osnabrück musste vor der Saison einige Leistungsträger ziehen lassen, dadurch kam die Mannschaft nicht so recht in die Spur. Das war schon ein größerer Verlust im Sommer. Wenn man dann einen Anti-Lauf hat, dann wird es manchmal schwer, sich da schnell zu befreien. Das hatte nicht zwingend mit der Person Joe Enochs zu tun.

In Münster haben sich die Verantwortlichen vielleicht erhofft, dass die gute Serie aus der letzten Rückrunde weitergeht und man dementsprechend in die Saison startet. Von den Geschehnissen beim SCP bin ich jedoch weiter entfernt, sodass ich keine Gründe für den bisherigen durchwachsenen Verlauf nennen kann.“

Es hat mich schon ein wenig überrascht (über die starke Meppener Hinrunde)

12 Jahre trugen Sie das Trikot der Emsländer. Warum sind Sie dem Verein in Ihrer Karriere so lange treu geblieben?
Helmer: „1990 habe ich meinen Lebensmittelpunkt ins Emsland verlegt und etwas später dann auch meine Frau kennengerlernt. Wir sind hier hängengeblieben. Zwar habe ich mich 1998 nochmal für einen Wechsel nach Münster entschieden, bin jedoch drei Jahre später wieder zurückgekommen.

In Westfalen gab es damals nämlich die Möglichkeit, direkt aufzusteigen. Zwar hatte ich anschließend auch noch die Möglichkeit, zu den Stuttgarter Kickers zu wechseln, aber dabei hat nicht alles gestimmt. Wir hatten damals bereits eine Familie gegründet und ein Haus gebaut, das wollten wir nicht für ein paar Jahre Fußball aufgeben.“

Sie haben noch mit Jens Robben zusammengespielt und ihm als Spielertrainer zu seinem Profidebüt verholfen. Eine ziemlich ungewöhnliche Konstellation damals
Helmer: „Ja, das stimmt. 2001 bin ich zurückgekommen, da war Alfons Weusthof noch Trainer. Nach der Saison hat sich der Verein jedoch dazu entschlossen, eine andere Konstellation auszuprobieren und die günstigere Variante mit mir als Spielertrainer zu wählen.

Zwar wollte ich nicht so früh ins Trainergeschäft einsteigen und noch etwas kicken, aber damals erschien es als beste Option. Wir haben mit jungen Leuten gearbeitet, auch Jens Robben ist dann zum Einsatz gekommen.

Er ist im Anschluss auch seinen Weg gegangen. Nun muss man jedoch sehen, inwieweit der Spieler seinen Zenit vielleicht schon überschritten hat und ob er noch Einsatzzeit erhalten wird. Ich denke, seine Karriere wird so langsam zu Ende gehen.“

Die Fans waren alle gleichermaßen verrückt (über Unterschiede zwischen Meppen, Münster & Osnabrück)

Ihre Vereinswechsel waren jedoch mutig. Hatten Sie nie Angst, dass die Fans Ihnen die Farbwechsel übelnehmen?
Helmer: „Das ist immer die Diskussion. Viele sagen, dass ein Spieler nur dem Geld folgt, bei mir war das damals nicht der Fall. Es ging viel mehr um Perspektiven. In Osnabrück bin ich aus der Jugend in den Profi-Bereich gewechselt, ich habe mich dort sehr wohl gefühlt.

Aber irgendwann kam der Punkt, wo man als Spieler nicht mehr weiterkommt und über einen Vereinswechsel nachdenkt. So habe ich mich dann dem SV Meppen angeschlossen. Unter Horst Ehrmantraut habe ich mich dann gut entwickelt, er hat mich sehr gefördert.

1998 folgte dann der Abstieg, in der Folge gab es im Verein einige Unstimmigkeiten und ich habe mich entschlossen, den Verein nicht in die Regionalliga zu begleiten. In Münster habe ich dann drei Jahre gespielt, am Ende wurde mein Vertrag nicht verlängert und ich bin wieder ins Emsland gewechselt. Die Fans haben mir das jedoch nie böse genommen, heutzutage würden solche Wechsel vielleicht an mancher Stelle anders wahrgenommen werden.“

Wodurch haben sich die drei Vereine voneinander am deutlichsten unterschieden?
Helmer: „Die Fans waren alle gleichermaßen verrückt und standen immer hinter der Mannschaft. In Meppen war alles sehr familiär, man hat viel auf die eigenen Leute gesetzt. Auch nach Aufstiegen. Der SVM war für mich immer ein gemütliches Umfeld. In Osnabrück war es etwas anders, dort wurden viele Profis von außerhalb geholt und man hatte eigentlich nur mit den jüngeren Spielern Kontakt.

Beim SCP war es vielleicht nur eine Art Zweckgemeinschaft, die zusammen aufsteigen wollte. Es wurden dort alle Hebel in Bewegung gesetzt, um dieses Ziel zu erreichen. Aber so wie in Meppen war es bei keinem der beiden anderen Vereine. Das hatte aber vielleicht auch damit zu tun, dass meine Familie dort gelebt hat und ich folglich meinen Lebensmittelpunkt dort hatte.“

Andreas Helmer, Manfred Kubik, Thomas Böttche und Bernd Deters

Meppener Zweitliga-Zeiten: Andreas Helmer, Manfred Kubik, Thomas Böttche und Bernd Deters (v.l.n.r.) in der Saison 91/92 ©Imago/Rust

Am ersten Spieltag nach der Winterpause kommt es zum Duell Meppen gegen Münster. Wen sehen Sie in der Partie vorne?
Helmer: „Mit Blick auf die Tabelle dürfte Meppen sicherlich als Favorit in die Partie gehen. Ich hoffe, dass der Verein wieder schwungvoll aus der Winterpause kommt. Das wäre auch für die gesamte Region wünschenswert.

Münster wird es meiner Meinung nach jedoch schaffen, aus eigener Kraft aus dem Tabellenkeller zu kommen. Gleichzeitig hoffe ich aber auch, dass Meppen dort nicht reinrutscht. Es bleibt abzuwarten, ob das Team schon so weit ist, dem Ganzen Stand zu halten. Ich hoffe, dass Meppen die drei Punkte holt.“

In Münster haben Sie einige Partien gemeinsam mit dem neuen Preußen-Coach Marco Antwerpen bestritten. Was hat ihn damals als Stürmer ausgezeichnet?
Helmer: „Marco war ein sehr mannschaftsdienlicher Spieler, der wusste wo das Tor stand. Er hatte einen Riecher dafür. Jedoch wurde er von vielen Gegnern immer unterschätzt, weil er etwas steif aussah mit seiner Größe. Leider hat er nie ganz das Potenzial abgerufen und auf den Platz gebracht, was in ihm steckte.

Wie er nun als Trainer durchstarten wird, weiß ich nicht. Er hatte mit Viktoria Köln zuletzt eine gute Zeit, vielleicht kann er auch mit Münster eine bessere Rolle spielen. Frischer Wind tut dem Verein gut, es bleibt aber abzuwarten, ob seine Methoden greifen. Ich wünsche ihm, dass er einen guten Job macht. Aber in Meppen muss er nicht zwingend damit anfangen.“

Das ist für mich keine Option (über eine Trainertätigkeit in höheren Gefilden)

Sie sind seit längerem selbst als Trainer tätig, coachen den VfL Herzlake in der Bezirksliga. Welche Tugenden wollen Sie Ihren Spielern vermitteln?
Helmer: „Wir sind als Aufsteiger in die Saison gestartet. Laufen können die Jungs alle, aktuell arbeiten wir vornehmlich im Koordinationsbereich, auch das Passspiel wollen wir verbessern. Zudem wollen wir im taktischen Bereich noch Änderungen vornehmen, das wurde in der Vergangenheit etwas vernachlässigt. Das ist jedoch auch ganz natürlich, da in den unteren Ligen der Fokus auf anderen Dingen liegt.“

Ihr Vertrag läuft vorerst bis zum Saisonende. Kommt für Sie danach auch eine Trainertätigkeit im höherklassigen Amateurbereich in Frage?
Helmer: „Nein, das ist für mich keine Option. Es war auch schon eine Ausnahme, dass ich den VfL Herzlake als Trainer übernommen habe. Für mich ist der Zeitaufwand sehr groß. Wir haben dreimal die Woche Training, dazu kommt dann noch die Gegnerbeobachtung und die eigene Partie am Wochenende.

Da geht viel Zeit drauf. Es ist geplant, dass ich am Saisonende aussteige. Eine andere Entscheidung müsste ich auch erst mit meiner Familie besprechen und prüfen, ob es machbar ist. Man erreicht irgendwann ein Alter, wo man die Dinge ein bisschen ruhiger angehen lassen will.“

Herr Helmer, vielen Dank für das Interview!