Torgelower FC Greif: „Abwehr kann Hansa das Leben schwer machen“

Interview mit Außenverteidiger Ben Tiede

Djordjije Cetkovic gegen Pawl Trzaska.

Duell mit Historie: Torgelow und Hansa (hier mit Djordjije Cetkovic, r.) begegnen sich regelmäßig im Landespokal. ©Imago images/Contrast

Wenn am kommenden Samstag der Torgelower FC Greif auf Hansa Rostock trifft, ist das für Ben Tiede eine besondere Partie. Der Rechtsverteidiger des Oberligisten kickte in der vergangenen Saison für die zweite Mannschaft des FCH und studiert außerdem aktuell in Rostock. Wie er die Chancen seines Torgelower FC vor der Partie gegen Hansa einschätzt, verrät er uns im Interview.

Herr Tiede, Sie spielten in der letzten Saison für Hansa II. Welche Eindrücke konnten Sie von dort mitnehmen?
Ben Tiede: „Ich habe dort meine erste Oberliga-Erfahrung gesammelt und allgemein viel gelernt. Wir haben trainiert wie die Profis, auch wenn wir räumlich von ihnen getrennt waren und wenig mit ihnen zu tun hatten. Ab und an kam mal der ein oder andere Spieler runter, wenn sie Spielpraxis brauchten. Mit den Topstars wie Hüsing oder Hilßner hatte man aber nichts zu tun. Allerdings bekam ich einen guten Einblick in das Leben der Profis durch Lukas Scherff, mit dem war ich nämlich in einer WG.“

Haben Sie noch Kontakt zu ihm?
Tiede: „Ja, wir haben uns sogar erst letztens in der Mensa getroffen und uns unterhalten. Leider hat er ja momentan ein angerissenes Kreuzband. Ich bin mir aber sicher, dass er davon umso stärker zurückkommen wird, weil er einfach einen guten Charakter hat.“

Sie sprachen eben von der Mensa. Was studieren Sie denn?
Tiede: „Ich studiere in Rostock Sport- und Sozialkunde auf Lehramt.“

Das ist Fluch und Segen zugleich. (über den prominenten Finalgegner.)

Wie viel bekommen Sie in Rostock von der Begeisterung mit, die rund um den FC Hansa herrscht?
Tiede: „Ich wohne dort sogar in der Nähe vom Stadion. Wenn Hansa samstags spielt und ich über das Wochenende in der Stadt bin, dann höre ich den Helikopter kreisen und die Zuschauermassen brüllen – das bekomme ich also hautnah mit. Ich habe bei mir in der Heimat auch viele Freunde, die Hansa-Fans sind. Der Verein hat einen sehr hohen Stellenwert in Mecklenburg-Vorpommern. Daher ist es auch ein bisschen schade, dass Hansa nur in der dritten Liga spielt.“

Wie nehmen Sie die Begeisterung im Umfeld des Torgelower FC Greif war, da es nun gegen den „großen“ FC Hansa geht?
Tiede: „Es ist etwas komisch. Torgelow spielt jetzt wieder gegen Hansa im Landespokal – das ist Fluch und Segen zugleich. Man freut sich, dass man gegen Profis spielt, aber es ist auch relativ suboptimal, dass man jedes Jahr gegen eine Profimannschaft rausfliegt und eigentlich keine Chance hat, als Amateurverein in den DFB-Pokal zu kommen.“

Es ist egal, welcher Spieler kommt. (über Rostocker Einzelspieler.)

Damit es vielleicht doch mit dem DFB-Pokal klappt, kann sich Torgelow eventuell auf seine Defensivstärke verlassen. Kein Gegentor hat die Mannschaft im Landespokal bisher kassiert. Wie viel Selbstvertrauen gibt das?
Tiede: „Klar, unsere Defensive hielt im Pokal sehr gut, aber auch zuletzt in der Liga. Wir haben erst in Neustrelitz gespielt, wo ja dann das Landespokalfinale stattfindet und dort die Null gehalten. Gegen Hansa II gingen wir auch ohne Gegentor vom Platz. Da konnten wir uns also schon gut dran gewöhnen. Wir haben also eine gute Abwehr und damit können wir den Hanseanten das Leben schwer machen.“

Über Ihre rechte Seite könnten Merveille Biankadi kommen, oder auch Anton Donkor. Haben Sie sich schon über die Stärken informiert?
Tiede: „Es ist egal, welcher Spieler kommt. Wir spielen hier auch in der Oberliga gegen starke Spieler wie zuletzt gegen Kerem Bülbül oder Karim Benyamina, die ja auch schon in der dritten Liga gekickt haben. Da macht man sich keinen Kopf. Und so groß ist der Unterschied zwischen ehemaligen und aktuellen Profis auch nicht.“

10:30 Uhr ist natürlich eine ungewöhnliche Anstoßzeit. (über die erwartete Stimmung.)

Der Torgelower FC ist Ihr Heimatverein: Was macht ihn besonders?
Tiede: „Wir sind eine Stadt mit 8.000 bis 9.000 Einwohnern. Hätten wir nicht mit ME-LE einen solchen Hauptsponsor, wäre so ein hochklassiger Fußball in dieser Region nicht möglich. So können wir aber auch Spieler von außerhalb holen, zum Beispiel aus Stettin oder Neubrandenburg. Direkt aus Torgelow kommen dafür neben mir nur noch Robert Jager und Florian Runge. Wir drei werden dann auch öfters von den Fans angesprochen, zum Beispiel beim Einkaufen: Entweder heißt es dann ‚Heute war es gut‘ oder ‚Das geht besser‘.“

Jetzt pilgern Ihre Fans erstmal ins Neustrelitzer Parkstadion, wo das Landespokalfinale stattfindet. Welche Atmosphäre erwarten Sie dort?
Tiede: „Man schätzt, dass zwischen 2.000 und 3.000 Zuschauer kommen. 10:30 Uhr ist natürlich eine sehr ungünstige Anstoßzeit für ein Landespokalfinale. Ich habe gelesen, Hansa muss irgendwann um sechs losfahren, bei uns geht es um sieben los. Das ist nicht optimal. Die Stimmung kann man daher auch nicht vorhersagen, weil man nicht weiß, wie viele Fans sich dann tatsächlich auf den Weg machen. Wäre das Spiel um 14 Uhr, könnte ich mir vorstellen, dass doppelt so viele Leute kommen.“

Zumindest für Ihre vorher angesprochenen vielen Hansa-Fans im Bekanntenkreis müssen Sie dann keine Karte reservieren oder?
Tiede: „Ja, von meinen Kumpels haben tatsächlich viele nach Karten gefragt, von meiner Familie sowieso. Da brauche ich aber nichts bestellen, denn es werden sowieso viele Plätze frei bleiben.“

Herr Tiede, vielen Dank für das Gespräch!

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