Wehen Wiesbaden: Arbeitssiege reihen sich auf

Über den Kampf ins Aufstiegsrennen

Autor: Simon Thijs Veröffentlicht: Montag, 07.12.2020 | 09:08
Rüdiger Rehm von Wehen Wiesbaden

Über den Kampf zum Spiel: Die neue Normalität unter Rüdiger Rehm. ©Imago images/Osnapix

Die 3. Liga ist eng, das wusste man beim SV Wehen Wiesbaden schon bevor es nach einem Jahr 2. Bundesliga wieder runter ging. Jeder kann jeden schlagen ist keine bloße Phrase in dieser Spielklasse, nicht immer dominieren die spielerischen Faktoren.

So war auch das 2:1 des SVWW über Hansa Rostock nicht hauptsächlich der fußballerischen Überlegenheit geschuldet. Auch wenn die Hessen einige sehenswerte Angriffe fuhren, von denen Benedict Hollerbach zwei erfolgreich abschloss, konstatierte der Doppeltorschütze auf der Klub-Homepage: „In erster Linie stand heute der Kampf im Vordergrund. Wir haben die Duelle geführt und am Ende einen Arbeitssieg eingefahren.“ 

Auch sein Trainer lobte die Einstellung seiner Elf: „Die Jungs haben, wie Rostock auch, alles reingeworfen und alles gegeben.“ Dass dem 42-Jährigen angesichts der Qualität des Gegners die Art und Weise des Sieges eher egal war, ist verständlich. Bei vergangenen Erfolgen war das nicht so.

Kampfgeist noch nicht fest im Repertoire

Nach dem 2:1 gegen Magdeburg gab es Kritik trotz Sieg, mit der Leistung war der Trainer damals nicht zufrieden. Auch das 1:0 gegen den SV Meppen fiel in die Kategorie Arbeitssieg.

Einerseits mag man darin einen Rückschritt des Absteigers erkennen, der beim Aufstieg vor zwei Jahren geradezu von Sieg zu Sieg wirbelte. Andererseits können diese Siege auch von einer dringend benötigten neuen Qualität des SV Wehen zeugen, die das Team freilich noch nicht dauerhaft verkörpert. Schließlich folgte etwa dem Magdeburg-Spiel mit den Niederlagen gegen die Bayern U23, Ingolstadt und Unterhaching wieder Partien, in denen eben jener Kampfgeist vermisst wurde. 

Dazu kommen auch immer wieder Partien mit dem typischen SVWW-Fußball der Vergangenheit, etwa beim 3:3 gegen Saarbrücken. Dass in dieser Hinsicht keine Kontinuität herrscht, kann den Verletzungen zugeschrieben werden. Die langfristigen Ausfälle von Johannes Wurtz und Stefan Aigner reduzieren die offensiven Möglichkeiten des Trainer enorm. Doch die berühmten Grundtugenden sollte die Mannschaft auch mit Personalnot zeigen können.

Gegen Rostock war die Mentalität wieder im Vordergrund, diesmal sogar gepaart mit gutem Fußball, und sie katapultierte den Klub zurück ins Aufstiegsrennen, liegt man doch nur noch drei Zähler hinter Rang zwei zurück. Beim mit dem Rücken zur Wand stehenden MSV Duisburg dürfte sie erneut gefragt sein.