Dynamo Dresden: Interview mit Patrick Weihrauch

"Wir haben gesehen, dass das kein Selbstläufer wird"

Autor: Oliver Jensen Veröffentlicht: Mittwoch, 14.10.2020 | 16:30
Patrick Weihrauch im Elbderby gegen Magdeburg.

Auf Anhieb Stammspieler bei Dynamo Dresden: Patrick Weihrauch. ©imago images/Steffen Kuttner

Patrick Weihrauch wechselte im vergangenen Sommer von Arminia Bielefeld zu Dynamo Dresden. Mit Liga-Drei.de spricht der 26-jährige Mittelfeldspieler über den Saisonstart, über das bevorstehende Auswärtsspiel am Samstag beim VfB Lübeck, über den Schutz vor Corona und über seine Vergangenheit beim FC Bayern München.

Herr Weihrauch, obwohl Dynamo Dresden eine neu zusammengestellte Mannschaft hat, wird Ihr Verein von fast allen Experten als Top-Favorit auf den Aufstieg genannt. Wie gehen Sie mit dieser Erwartungshaltung um?
Patrick Weihrauch: „Es ist generell so, dass die Zweitliga-Absteiger immer als Aufstiegs-Favoriten genannt werden. Wir wissen, dass wir eine gute Truppe haben und schwer zu schlagen sind. Aber wir haben in den ersten Spielen auch gesehen, dass das kein Selbstläufer wird.“ 

Inwiefern gab der Pokalsieg gegen den Hamburger SV der Mannschaft einen zusätzlichen Motivationsschub?
Weihrauch: „Das war natürlich ein geiler Auftritt von uns. Alles hat zusammengepasst. Jeder Schuss ging rein. Diese Euphorie wollten wir mit in die Saison nehmen, haben dann auch das erste Saisonspiel gegen Kaiserslautern gewonnen. Aber wir haben auch gesehen, dass nicht immer gleich der erste Schuss zum Tor führt. Wir müssen Woche für Woche gucken, dass wir über 90 Minuten ein gutes Spiel machen.“

über das 0:3 gegen die FC Bayern U23
„ Diese Niederlage hat uns auf den Boden zurückgeholt. ”

Lediglich das 0:3 gegen den FC Bayern München II trügt das Gesamtbild. Was hat Ihre Mannschaft aus der Niederlage gelernt?
Weihrauch: „Wir haben nicht das umgesetzt, was wir uns vorgenommen haben. Jeder hat zu sehr sein eigenes Ding gemacht. In den Wochen zuvor hatte es uns ausgezeichnet, dass wir gemeinsam als Team angreifen und verteidigen. Diese Niederlage hat uns auf den Boden zurückgeholt. Die Liga ist sehr ausgeglichen. Man muss an jedem Spieltag 100 Prozent auf den Platz bringen. Ansonsten wird es gegen jeden Gegner schwer.“

Samstag steht das Auswärtsspiel beim Aufsteiger VfB Lübeck an, die bislang noch sieglos sind. Was für ein Spiel erwarten Sie?
Weihrauch: „Lübeck ging in fast jedem Spiel zunächst in Führung. Das ist eine spielstarke Mannschaft, die schnell nach vorne umschaltet. Es wird auf jeden Fall ein schwieriges Auswärtsspiel. Für den VfB Lübeck ist es sicherlich etwas Besonderes, gegen Dynamo Dresden zu spielen.“ 

Im Fußball häufen sich die Corona-Infektionen und wirbeln den Spielplan durcheinander. Erwarten Sie aufgrund der möglicherweise vielen Nachholspielen irgendwann eine völlige Wettbewerbsverzerrung?
Weihrauch: „Das ist schwer vorauszusagen. Ich hoffe, dass sich weiterhin alle Vereine sowie Spieler an die Vorgaben halten und es nur wenig Spielabsagen geben wird.“ 

über seinen Wechsel von 1860 zum FC Bayern
„ Das ist eine Chance, die man vielleicht nicht noch einmal im Leben bekommt. ”

Haben Sie sogar Angst vor einer erneuten Saisonunterbrechung?
Weihrauch: „Ich befasse mich relativ wenig damit, da wir das eh nicht ändern können. Ich halte mich einfach an die Vorgaben. Den Rest müssen wir auf uns zukommen lassen.

Wie schützen Sie sich vor der Gefahr einer Infektion?
Weihrauch: „Wir machen die Dinge, die uns vorgegeben wurden, tragen also häufig eine Maske, vermeiden größere Gruppen an Menschen, halten Abstand, bleiben lieber zu Hause und gehen nicht ins Restaurant. Das sind viele Kleinigkeiten, die dazu beitragen, dass wir verschont bleiben.“ 

Themawechsel: Sie stammen ursprünglich aus dem Nachwuchs des TSV 1860 München, sind dann aber mit 16 Jahren in die Nachwuchsabteilung des FC Bayern München gewechselt. Was war der Grund für den Wechsel?
Weihrauch: „Ich war von klein auf Bayern-Fan. Ich hätte schon früher zum FC Bayern gehen können, hatte mich zunächst allerdings für 1860 entschieden, weil ich dort viele Freunde hatte. Irgendwann kam dann das Angebot von Bayern. Das ist eine Chance, die man vielleicht nicht noch einmal im Leben bekommt.“ 

Patrick Reihrauch (l.) im Testspiel der Bayern.

Für die Profis des FC Bayern kam Patrick Weihrauch nur in Testspielen zum Einsatz. ©imago images/Ulmer

Sie haben zwar nie ein Pflichtspiel für den FC Bayern bestritten, saßen aber in der Bundesliga und auch in der Champions League auf der Ersatzbank. Wie hat es sich angefühlt, Teil einer europäischen Top-Mannschaft zu sein?
Weihrauch: „Das war natürlich etwas Besonderes. Früher hat man diese Spieler nur im Fernsehen oder im Stadion gesehen. Ich konnte aus der Zeit jedenfalls sehr viel mitnehmen – wie diese Top-Stars arbeiten, was sie auf und außerhalb des Platzes machen. Als junger Spieler dort mit zu trainieren, war sehr lehrreich.“

Mit welchen Spielern haben Sie sich gut verstanden?
Weihrauch: „Zunächst einmal gab es natürlich auch einige andere junge Spieler in der Mannschaft, mit denen ich mich gut verstanden habe. Hinzu kamen Spieler wie Mario Gomez oder Bastian Schweinsteiger, die die jungen Spieler an die Hand genommen haben.“ 

Was für Tipps haben Ihnen diese Spieler gegeben?
Weihrauch: „Mir wurde gesagt, ich solle einfach ich selbst sein und mir etwas zutrauen. Als junger Spieler muss man sich dort erst einmal eingewöhnen. Das ist schließlich eine völlig andere Welt als Jugendfußball.“ 

über Pep Guardiola & Jupp Heynckes
„ Jeder Spieler hat für diese beiden Trainer alles gegeben. ”

Wie haben Sie die Trainer Jupp Heynckes und Pep Guardiola erlebt?
Weihrauch: „Ich habe beide in guter Erinnerung behalten. Es sind natürlich zwei komplett verschiedene Typen, weil sie unterschiedlich mit der Mannschaft umgehen. Pep Guardiola war sehr detailversessen. Er konnte eine gegnerische Mannschaft in einer Besprechung komplett auseinandernehmen. Das war sehr beeindruckend. Aber auch Jupp Heynckes war super im Umgang mit der Mannschaft. Ich glaube, jeder Spieler hat für diese beiden Trainer alles gegeben. Der Erfolg gab ihnen auch recht.“ 

Wie groß war Ihre Hoffnung, sich als junger Spieler bei den Bayern durchsetzen zu können?
Weihrauch: „Die Kaderbreite und die Qualität des Kaders sind bei den Bayern enorm. Für junge Spieler ist es dort sehr schwierig. Es müssten sich schon einige Spieler verletzten, sodass man eine Chance bekommt. Das ist zwar nicht aussichtslos.

Aber irgendwann muss man abwägen, ob man bei anderen Vereinen eher Spielpraxis bekommt. Daher wechselte ich damals nach Würzburg. Trotzdem: Es bringt jeden jungen Spieler voran, beim FC Bayern auf diesem hohen Niveau mit zu trainieren.“

Herr Weihrauch, vielen Dank für das Interview!

 

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