Best of: Interviews

Besondere Gespräche & Umstände

Autor: Simon Thijs Veröffentlicht: Sonntag, 24.01.2021 | 07:30
Davy Frick vom FSV Zwickau

Klare Worte und immer bodenständig: Davy Frick steht beispielhaft für den FSV Zwickau. ©Imago images/Eibner

Wir haben uns irgendwann für diesen Job entschieden, weil wir Fußball lieben. Die Gelegenheit, mit Leuten aus dem Bereich zu sprechen, ist daher eine der schönsten Seiten am Beruf. Selbstverständlich hat nicht jedes Interview den ganz großen Mehrwert, zu gut geschult sind die Kicker und Trainer von heute, als dass sie sich mit Aussagen womöglich angreifbar machen. Dennoch sind uns – und hoffentlich auch Euch – ein paar Gespräche aus unterschiedlichen Gründen besonders im Gedächtnis geblieben.

Auch wenn eine der Künste des online Redakteurs in der Kürzung liegt, war in dieser Hinsicht im Austausch mit Roland Koch Hopfen und Malz verloren. Der damalige Nachwuchsleiter der Viktoria und frühere Co-Trainer von Christoph Daum war so auskunftsfreudig, dass wir sein Interview auf drei Teile strecken mussten.

Hildmann im Freizeitpark, Ziesche beim Friseur

Unvergessen auch, dass Halil Savran im Interview mit Liga-Drei.de exklusiv sein Karriereende verkündete. Die äußeren Umstände machten das Gespräch mit Sascha Hildmann, damals Trainer bei der SG Sonnenhof Großaspach, speziell. Der immer sympathische Übungsleiter war gerade im Zuge des Teambuilding mit seiner Mannschaft im Europa-Park, als wir ihn telefonisch erreichten.

Gestört wurde auch unser Telefonat mit Markus Zschiesche, der uns zu Enes Küc Auskunft geben wollte, aber dann beim Friseur an die Reihe kam. Laut wurde es jüngst mit José Matuwila, der seit einigen Wochen bei seinem neuen Klub in Angola weilte und dort offenbar unmittelbar am Flughafen wohnte. Inhaltlich hatte diese Unterhaltung besonders viel zu bieten, gab tiefe Einblicke in den afrikanischen Fußball und die Zeit Matuwilas beim FCK.

Überhaupt stellten wir fest, dass ihr gerne etwas von Euren Ehemaligen hört. Daher haben wir beispielsweise Tomislav Piplica befragt, als Energie Cottbus aufstieg. Der Ex-Keeper, der Anfang des Jahrtausends nicht nur wegen eines kuriosen Eigentors zu den schillerndsten Figuren der Bundesliga gehörte, überraschte mit weitestgehender Distanz zu Energie, auch wenn er sich immer noch für den Ex-Klub freute.

Das Pokal-Duell zwischen dem SC Paderborn und dem großen FC Bayern bot 2018 die Gelegenheit, Ex-Paderborner Markus Bollmann, der einst selbst mit dem SCP gegen den Rekordmeister antrat, zu sprechen. Der frühere Verteidiger gab gut gelaunt Auskunft über seine damalige Gefühlslage und gab vergeblich Tipps für seine Nachfolger, die letztlich mit 0:6 unter die Räder kamen.

Björn Lindemann bei Osnabrück und Magdeburg

Vielseitiger Experte: Björn Lindemann war bei vielen Drittligisten aktiv. ©Imago images

Jena-Fans freuten sich hoffentlich über unser Interview mit Orlando Smeekes. Auf Grund es doch starken Akzents des Niederländers gehörte es sicherlich zu den größeren Herausforderungen unseres Redakteurs. Typisch für seine Landsleute nahm er im Vorfeld des Thüringen-Derby zwischen Rot-Weiss Erfurt und seinem FCC kein Blatt vor den Mund, sprach offen von Antipathie für RWE, Siegesfeiern sowie seinen bekannten Pflegevater und den Job nach dem Fußball.

In den Jahren, die wir Liga-Drei.de gemacht haben, kreuzten sich mit einigen Protagonisten immer wieder die Wege. Björn Lindemann ist so ein Beispiel. Der wechselfreudige Mittelfeldspieler sammelte Erfahrungen in Paderborn, Magdeburg, Osnabrück, Jena, Kiel und Lübeck, war damit ein idealer Ansprechpartner für Themen rund um diese Klubs. 2017 interviewten wir ihn z.B. vor dem Duell Osnabrück gegen Paderborn. Er gab aus dem fernen Thailand seine Einschätzungen und verriet auch, woran eine Rückkehr zum FCM scheiterte.

Schwäne nie abgehoben

Ebenfalls immer bereit Rede und Antwort zu stehen, waren die Spieler des FSV Zwickau. Alleine die Tatsache, dass in der Zeit, die wir den Klub begleiteten, das Rückgrat der Mannschaft um den inzwischen zum Sportchef beförderten Toni Wachsmuth, Davy Frick und Stürmer Ronny König unverändert blieb, bestätigt den Eindruck, den wir von den bodenständigen und trotz oft prekärer sportlicher Situationen immer gut aufgelegten „Schwänen“ gewinnen konnten.

Marcus Piossek bei den Sportfreunden Lotte

Marcus Piossek machte in Lotte unschöne Erfahrungen. ©Imago images/Noah Wedel

Positiv überrascht hat uns ehrlich gesagt die mit Freundlichkeit gepaarte Professionalität des Weltklubs Bayern München. Gerne kamen die Verantwortlichen der FCB U23 unseren Anfragen nach, lesenswerte Gespräche etwa mit Timo Kern waren das Ergebnis. Der Mittelfeldmann sprach über seine Rolle als Führungsspieler und die Umstände seines Wechsels von Mannheim nach München.

Notzon als Leser

Lange gekämpft hatte unser Redakteur dagegen um ein Interview mit FCK-Sportdirektor Boris Notzon. Ein Kampf, der sich gelohnt hat, nicht nur, weil sich Notzon als Leser von Liga-Drei.de entpuppte, sondern auch, weil er unangenehmen Fragen nicht auswich.

Ein unangenehmes Thema besprachen wir auch mit Marcus Piossek, nachdem dessen Anstellung bei den Sportfreunden Lotte mit Verbannung aus dem Mannschaftstraining und Vertragsauflösung endete. Für seine dortigen Trainer hatte er deutliche Worte übrig.

Manche Interviews werden im Rückblick nochmal richtig interessant. Dass Marvin Pourié den KSC als familiären Klub lobt, würde man nach den letzten zwölf Monaten nicht unbedingt mehr vom Stürmer erwarten.

Spannend auch der Einblick, den Trainer Horst Steffen in seine Tätigkeit während einer Sommerpause gab. Im Gedächtnis blieb seine Feststellung, dass Trainingsinhalte von Julian Nagelsmann in der 3. Liga nicht unbedingt umsetzbar sind. Wir haben uns dennoch immer um erstklassige Inhalte für die 3. Liga bemüht, denn ihre Fans haben es verdient!