Friedhelm Funkel: Uerdingen im Herzen, doch nicht auf der Zunge

Der Rekordtrainer vor dem Duell seiner Ex-Klubs

Friedhelm Funkel an der Seitenlinie

Erfahrung pur: Friedhelm Funkel stand in über 800 Partien als Trainer an der Seitenlinie. ©Imago images/Uwe Kraft

1860 gegen Uerdingen. Fußballtradition Süd gegen Fußballtradition West. 20 Jahre Bundesliga gegen 14 Jahre Bundesliga. 1. Bundesliga wohlgemerkt. Doch dies ist schon verdammt lange her.

Kritiker, Zyniker und Lästerer der aktuellen Entwicklungen in beiden Vereinen reduzieren das Samstag-Duell in der 3. Liga freilich nicht mehr allein auf das Sportliche. 1860 gegen Uerdingen ist für sie Hasan Ismaik gegen Mikhail Ponomarev. Arabisches Geld gegen Russisches Geld. Zu viel Einfluss von außen gegen viel zu viel Einfluss von außen. Aus der Hand gegebene Fußballkompetenz gegen aus der Hand gegebene Fußballkompetenz.

Wohl auch Friedhelm Funkel, den Veteran des deutschen Fußballs mit einer – freilich sehr unterschiedlichen – Vergangenheit in beiden Lagern, erscheinen Personen mit derlei Streben nach Macht, für die Welt des Fußballs nach wie vor eher als Fremdkörper, Eindringlinge, Störenfriede. Zumindest, wenn es um die Realisation eigener fußballerischer Ideen geht. Und darum, dies macht Funkel stets deutlich, sollte in der Arbeit eines Trainers stets primär gehen.

Rekordtrainer für die Ewigkeit

Bei 1860 München hat es Funkel vor sechs Jahren dennoch selbst ausprobiert, klarzukommen mit derlei wuchtiger Obrigkeit. War sieben Monate und 23 Spiele in der 2. Bundesliga bei den Löwen, die schon damals unter dem Einfluss Ismaiks standen. Die Verbindung, die keine war, geriet zur kürzesten Station in Friedhelm Funkels einzigartiger Fußballkarriere als Spieler und als Trainer. In einer Woche kommt es zu 500. Bundesligaspiel und zum 805. Match insgesamt als Cheftrainer. Längst ein Rekord. Wohl für die Ewigkeit.

Bei den Sechzigern hat sich Hasan Ismaik vor rund acht Jahren für 18 Millionen Euro in die 1860 München GmbH & Co. KGaA eingekauft, hält seither die erlaubten 49 Prozent der Aktien, eine Position im Aufsichtsrat und beansprucht Einfluss an allen Ebenen. Als nach sieben Monaten erkennbar wurde, dass Friedhelm Funkel und Ismaik nicht auf Nenner kommen würden, ist der Trainer gegangen. „Ich wollte einige grundlegende Veränderungen vornehmen. Herr Ismaik wollte dies nicht. Das war’s dann“, erinnert sich Funkel im Gespräch mit Liga-Drei.de.

Wäre bei den Sechzigern gern geblieben. (Funkel über die Trennung)

Freilich legt er dennoch großen Wert darauf, festzuhalten, dass ihm, dem Mann aus dem Westen, die Arbeit mit der Materie Fußball auch dort unten im Fußball-Süden viel Freude bereitet und er viele großartige Charaktere kennengelernt habe. „Aus dieser Perspektive heraus, wäre ich andererseits durchaus gern geblieben“, sagt Funkel rückblickend.

Umso mehr ist an dieser Stelle deutlich geworden, dass ein so erfahrener und prinzipientreuer Fußballkenner wie Funkel, sich wohl aufs nichts einzulassen bereit ist, was ihn in seiner Geradlinigkeit und Überzeugung manipulieren könnte. Stattdessen vertraut ein Haudegen wie Funkel lieber der bewährten Lebensweisheit, wonach: Wenn eine Tür zugeht, geht irgendwo auch immer eine neue Tür auf. Sie öffnete sich – wenngleich mit viel Geduld –  bei Düsseldorfs Fortuna.

Große Loyalität zu Trainerkollegen

Über den KFC Uerdingen möchte Funkel in diesem Kontext vorsorglich nicht sprechen. Darüber nicht sprechen zu wollen, deutet an, dass er auch dort Vieles nicht goutieren mag, was in der Willkür des Geldgebers so alles geschehen ist. Wer um die ausgeprägte Loyalität des Friedhelm Funkel zur Berufsgruppe der Fußball-Lehrer weiß, kann sich vorstellen, was Funkel zuvorderst anprangern würde, wenn er denn doch reden würde.

Er tut es besser nicht. Schließlich geriet auch Norbert Meier in den Austauschwahn des dortigen Allesentscheiders. Seit gut anderthalb Jahren betreibt Ponomarev den Fußball an der Grotenburg über die Gesellschaften KFC Uerdingen Entertainment GmbH und Fußball GmbH.  Obendrein agiert er als Präsident des KFC Uerdingen e.V.

Im Gespräch mit Friedhelm Funkel spüren wir, warum er zu alledem besser schweigt.

Funkel denkt an das Sportliche, an die Fans, an die Mannschaft, die mehr Unterstützung bräuchte. Die Grotenburg in Uerdingen, sie fehle an allen Ecken und Enden. Dort, wo die Geschichte lebt, wo die größten Erfolge unvergesslich bleiben: Bundesliga, DFB-Pokal, gar Europacup.

Friedhelm Funkel beim KFC Uerdingen

Seinen langen Weg im Profigeschäft begann Friedhelm Funkel einst in Uerdingen. ©Imago images/Sven Simon

So wird spürbar, dass Funkel auch diese aktuelle Suche nach einer Art Zuhause auf Leihe, auf Zeit, aus der Notlage heraus nicht als förderlich bewertet. „Kein eigenes Stadion zu haben, kein echtes Heimspiel bestreiten zu können, das ist ein elementarer Wettbewerbsnachteil. Das kostet Punkte, womöglich viele Punkte“, glaubt Funkel.

So hat auch er noch kein einziges Heimspiel der Uerdinger live erlebt, obwohl seine Fortuna Gastgeber ist. Wenn Fortuna auswärts spielt, spielen die Uerdinger in der Arena. Meist vor spärlicher Kulisse. „Nein, das hat bisher nicht gepasst“, sagt Funkel. Er lässt offen, ob es nicht passen konnte oder nicht passen sollte.

Doch Funkel stellt klar, dass er diesen, seinen Verein in seinem Fußballherzen trägt. 19 Jahre alt war er, als er 1973 dort erstmals Profi in der 1. Bundesliga wurde. 36 war er, als er dort seine Spielerkarriere beendet und 1990 dort sofort auch Trainer wurde. „Das sind 20  Fußballjahre in Uerdingen. Diese lange Zeit und diese Intensität bleiben für immer“, sagt Funkel weiter. 14 Jahre Spieler in zwei Etappen, sechs Jahre Trainer.

Den Spieler Friedhelm Funkel gab es dort in zwei verschiedenen Versionen. Im Fußball-Podcast „Phrasenmäher“ verrät der Rekordtrainer Interessantes über den Friedhelm Funkel dieser Zeit: Die Zeit von 1973 bis 1980 bezeichnet er als seine Lehrzeit. „Ich war unsicher, scheu, ohne Selbstverstrauen.“

Vom Führungsspieler zum Trainer

Doch als er einem dreijährigen Engagement auf dem Betzenberg in Kaiserslautern als Wunschspieler des damaligen Trainers Timo Konietzka, nach Uerdingen zurückgeholt wurde, war das Gegenteil der Fall. Das große Vertrauen, das er damals von Konietzka erhielt, war der Schlüssel zu einem ganz anderen Friedhelm Funkel: „Ich wurde endlich Führungskraft und erlebte meine erfolgreichsten Jahre als Bundesligaspieler“, sagt Funkel.

Die Uerdinger Geburtsstunde zur Führungskraft darf somit als Start einer Persönlichkeits-Entwicklung gelten, aus der heraus Friedhelm Funkel dann auch erst den Mut aufbringen konnte, Trainer zu werden. Der besondere Trainer, der er heute ist.  

Bei aller Distanz zum aktuellen KFC Uerdingen räumt Funkel ein, bei einem Blick auf die Spielergebnisse der 3. Liga, stets zuerst nach dem Resultat der Uerdinger suchen. „Das wird nie aufhören. Dieser Verein wird trotz allem immer besonders nahe sein“, sagt er und ergänzt: „In meinem Fußballherz immer an erster Stelle stehen.“

Übrigens: Das allererste Tor in der Bundesligageschichte erzielte 1963 jener Timo Konietzka, der später so viel Anteil an den unterschiedlichen Karrieren des Friedhelm Funkel hat. Mit einem einzigen Impuls hat er Funkel den richtigen Weg gewiesen…

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