Hansa Rostock: „Del-Angelo Williams‘ Waffe ist seine Aggressivität“

Interview mit seinem Ex-Trainer Dragan Sicaja

Bislang schaffte es Del-Angelo Williams erst ein Mal in Hansas Startelf.

Traf in sechs Drittliga-Einsätzen ein Mal und bereitete einen weiteren Treffer vor: Del-Angelo Williams (l.). ©Imago/foto2press

Del-Angelo Williams hat einen rasanten Aufstieg hinter sich. Vor zwei Jahren kickte der Angreifer noch in der 5. Liga für Eintracht Stadtallendorf, mit der er in die Regionalliga aufstieg. Nach einem Jahr in der 4. Liga ging es nochmal eine Klasse weiter nach oben, im Sommer wechselte er zu Hansa Rostock. Für die Kogge lief er am Wochenende erstmals in der Startelf auf.

Dragan Sicaja, sein ehemaliger Trainer in Stadtallendorf, spricht im Interview mit Liga-Drei.de über Williams‘ Potential, seine Chance auf weitere Nominierungen für die Startelf und die Besonderheiten, im Amateur-Bereich zu arbeiten.

Herr Sicaja, Del-Angelo Williams kam 2014 vom Gruppenliga-Absteiger VfB Marburg nach Stadtallendorf in die Oberliga. Wie sicher waren Sie, dass er eine Verstärkung sein würde?
Dragan Sicaja: „Wir waren damals in der Oberliga. Er kam und fragte: ‚Trainer, kann ich mal vorspielen?‘ Kein Problem, habe ich gesagt. Er hat dann ein paar Mal mittrainiert, bis ich zu ihm gesagt habe: ‚Du kannst Fußball spielen, ich behalte dich.‘ Wir haben damals einen Schnitt gemacht, uns von vielen älteren Spielern verabschiedet und viele junge Leute geholt.

Zu diesem Neuanfang hat Del-Angelo einfach gepasst. Es entstand eine positive Stimmung. Die haben wir mitgenommen und er hat sich von Spiel zu Spiel und Jahr zu Jahr weiterentwickelt. Dabei habe ich immer das Gefühl gehabt, er kann noch mehr.“

Wann wurde er zum Leistungsträger in Stadtallendorf?
Sicaja: „Im zweiten Jahr in der Oberliga war er schon einer der Besten, nicht nur, weil er das ein oder andere Tor gemacht hat, sondern, weil er die körperlichen Voraussetzungen hat. Ich wusste, sollte er den Weg nach oben gehen, kann er dort mithalten. Das hat sich dann bestätigt, als wir in die Regionalliga aufgestiegen sind.

Ich brauchte keinen anderen Stürmer, sondern wusste, Del-Angelo würde seinen Weg machen. Er hat von Anfang an funktioniert, Tore gemacht. Am vierten Spieltag gegen die Stuttgarter Kickers war er nicht zu halten, hat zwei Tore gemacht. Nach ein paar Spielen in der Regionalliga war mir klar, es wird schwer den Jungen zu halten. Ich fand auch, er muss es eine Klasse höher probieren.“

Es ist zu erwarten, dass er unter Profi-Bedingungen noch zwei Schritte nach vorne machen kann. (über Williams' Potential)

Wo liegen seine Qualitäten?
Sicaja: „Er hat eine enorme körperliche Präsenz, geht immer sofort ins Gegenpressing, läuft unermüdlich hoch an, hat die letzte Linie nie in Ruhe gelassen. Fußballerisch ist er auch sehr gut. Er behauptet den Ball sehr gut. Man kann ihn immer schicken.

Obwohl er nicht so groß ist, ist er durch seine große Sprungkraft und sein Timing auch kopfballstark. Einen guten Schuss hat er auch. Seine größte Waffe ist aber seine Aggressivität.“

Dragan Sicaja übernahm im März 2012 das Traineramt bei den Hessen.

Führte Eintracht Stadtallendorf aus der Hessen- in die Regionalliga: Dragan Sicaja. ©Imago/foto2press

Hatte er schon immer den Anspruch, es in den Profi-Bereich zu schaffen?
Sicaja: „Das glaube ich schon. Er hat in der Regionalliga selbst gemerkt, er kann mithalten. Wir haben dann gesehen, dass er ein bisschen mehr will. Er hat sich dann auf die 3. Liga fixiert. Wenn sich jemand von einem kleinen Verein wie unserem, der auf Amateur-Basis arbeitet, gegen diese Profis durchsetzt, dann ist zu erwarten, dass er, wenn er unter Profi-Bedingungen trainiert, bestimmt noch zwei Schritte nach vorne machen kann.“

Einige arbeiten, ein paar studieren. (über seine Spieler in Stadtallendorf)

Stadtallendorf ist ja ein recht kleiner Ort in Hessen. Wie kann man sich die Bedingungen dort vorstellen, was den Fußball angeht?
Sicaja: „Für uns war es schon nicht einfach letzte Saison. Nach dem überragenden Jahr, dass wir vor allem in der letzten Hinrunde gespielt haben, war klar, dass einige Spieler weggehen. Es kamen Berater ins Spiel. Ab dieser Liga fängt der Fußball an, der vor allem Trainer nervt. Berater wollen mit allen Spielern sprechen und ihnen sagen, wo sie spielen können.

So kam Unruhe rein, wir konnten uns nicht mehr auf das Wesentliche konzentrieren und bekamen schon in der Rückrunde Probleme. Wir trainieren viermal die Woche, haben auch eine soziale Verantwortung den Jungs gegenüber. Für die paar Groschen können wir nicht erwarten, dass sie den Job aufgeben wegen des Fußballs.“

Es gab also kaum hauptberufliche Fußballer?
Sicaja: „Einige arbeiten, ein paar studieren. Ein paar, die aus Kroatien kommen, machen vielleicht erstmal nichts, aber 90 Prozent der Jungs machen etwas. Del-Angelo Williams hat zum Beispiel eine Lehre zum Speditions-Kaufmann abgeschlossen. Wir können den Spielern kein Profitum bieten. Deshalb ist es schwer in diesem Jahr. Aber die Messe ist noch nicht gelesen.“

Er kann den Jungs den einen oder anderen Tipp geben oder sie ermuntern (über Stadtallendorfs Berater Eike Immel)

Wie schwer ist für einen Fußballer aus dem semi-professionellen Bereich die Umstellung auf Vollprofitum?
Sicaja: „Wir haben mit ihm Kontakt gehabt, als wir zum Trainingslager in der Nähe von Erfurt waren, wo Rostock ein Freundschaftsspiel hatte. Trainer und Manager in Rostock wussten, dass sie ihn erst an die Gegebenheiten gewöhnen mussten. Das ist nicht einfach: Die Spieler dort trainieren seit Jahren unter Profi-Bedingungen, er kommt als Amateur.

Aber nach ein paar Monaten kommt er jetzt häufiger zu Einsätzen. Das heißt, er ist nah dran an der Mannschaft. Nach der Wintervorbereitung hat er eine gute Chance, auch von Anfang an zu spielen, glaube ich.“ 

Bei Eintracht Stadtallendorf wirkt auch der frühere Nationaltorwart Eike Immel mit. Inwieweit hilft er den Spielern, sich auf professionellen Fußball vorzubereiten?
Sicaja: „Mit guten Ratschlägen vor allem. Er stammt auch aus einfachen Verhältnissen, der Vater hatte einen Landwirtschaftsbetrieb hier in der Nähe. Mit 17 Jahren nach Dortmund zu gehen, war nicht einfach, wahrscheinlich damals noch schwerer als heute. Er kann den Jungs den einen oder anderen Tipp geben oder sie ermuntern.

Aber dass man noch mit 19 oder Anfang 20 entdeckt werden kann, das ist vorbei durch die ganzen Stützpunkte und Leistungszentren. Jemand, der wie Del-Angelo bei uns aus der Gruppenliga kommt und sich dann durch Oberliga und Regionalliga für die 3. Liga empfiehlt, ist sehr selten.“

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