1. FC Magdeburg: Teamcheck

Analyse & Prognose zur neuen Saison

Autor: Simon Thijs Veröffentlicht: Samstag, 05.09.2020 | 07:30
Sebastian Jakubiak vom 1. FC Magdeburg

Sebastian Jakubiak spielte schon in der Eredivisie. ©Imago images/Jan Huebner

Den sofortigen Wiederaufstieg hatte man beim 1. FC Magdeburg bewusst nicht als Ziel ausgegeben, als es im letzten Jahr nach nur einer Spielzeit 2. Bundesliga gleich wieder runter ging. Wieder in der Klasse etablieren lautete das Motto, das gelang kaum. Sogar der Absturz in die Regionalliga drohte zeitweilig. Erst der zweite Trainerwechsel brachte Aufschwung, am Ende trennten den FCM drei Zähler von einem Abstiegsplatz. In der neuen Saison soll vieles besser gemacht werden.

Kader & Transfers

Angefangen wurde dieses Unterfangen mit einigen Umwälzungen im Kader. Von einer Reihe Spieler trennte man sich bewusst. Alexander Brunst, Rico Preißinger, Manfred Osei Kwadwo, Björn Rother, Charles Elie Laprevotte, Tarek Chahed oder Marcel Costly hatten die 2. Liga und teilweise auch den Aufstieg noch mitgemacht, standen auch in der letzten Saison noch viel auf dem Platz. Sie wurden dennoch als nicht mehr zur Neuausrichtung passend abgegeben.

Überraschend fiel auch Spielmacher Mario Kvesic in diese Kategorie und erhielt nach nur einem Jahr kein neues Angebot. Patrick Möschl vermochte in seinem halben Jahr nicht zu überzeugen und wurde ebenfalls wieder verabschiedet. Leihspieler Thore Jacobsen ist so der einzige Abgang, der unfreiwillig erfolgte. Einer feste Verpflichtung des Bremers war nicht zu realisieren. Verletzungsbedingt ist außerdem mit Anthony Roczen, Dustin Bomheuer und Dominik Ernst vorerst nicht zu rechnen.

Eine Achse aus „alten“ Spielern verbleibt dennoch: Morten Behrens im Tor, Tobias Müller in der Abwehr, Jürgen Gjasula im Zentrum, sowie der unvermeidbare Christian Beck im Sturm. Dazu kommen auf links Timo Perthel und Leon Bell-Bell, der vor allem nach seiner Versetzung in die defensivere Position überzeugen konnte, sowie Sören Bertram, mit zehn Toren hinter Beck der gefährlichste Magdeburger.

Für die neue Saison wurden mit Kai Brünker und Korbinian Burger (Großaspach) sowie Raphael Obermair (Jena) drei Spieler von Drittliga-Absteigern verpflichtet. Mit Luka Sliskovic vom FC Winterthur, Sebastian Jakubiak von Heracles Almelo und Adrian Malachowski von GKS Belchatow kamen drei Spieler für das zentrale Mittelfeld aus dem Ausland. Vor allem auf Sliksovic, der hervorragende Torquoten aufweist, darf man gespannt sein. Der 25-Jährige ist auch ein Spezialist für den ruhenden Ball. 

Sind an dieses Sextett durchaus Leistungsträger-Erwartungen zu knüpfen, wurden in den Außenverteidigern Nico Mai und Henry Rorig sowie Sechser Andreas Müller drei junge Spieler mit NLZ-Ausbildung geholt, die erstmals ihre Chance im Profi-Bereich suchen. Bisher konnte vor allem Müller im zentralen Mittelfeld überzeugen, profitierte aber auch ein wenig davon, dass Malachowski  Corona-bedingt 14 Tage in Quarantäne war. In Tobias Weiner wurde noch der benötigte Keeper im U23-Alter von Holstein Kiel ausgeliehen.

Die aktuelle Form

Malachowskis Corona-Infektion und die daraus resultierende Unterbrechung des Trainings ist nicht das einzige Hindernis in der Vorbereitung des 1. FC Magdeburg gewesen. Verletzungen und Krankheit führten zum Beispiel zur Absage des Testspiels gegen Eintracht Braunschweig. So blieb es vor der Generalprobe gegen Wolfsburg am 5. September bei drei Tests.

Im ersten von diesen gab es ein souveränes 6:1 über Oberligist Lok Stendal. Teilweise ansprechend war auch die Leistung gegen Zweitligist Erzgebirge Aue, beim 1:3 unterliefen den Magdeburgern aber recht leichte Fehler, Schwächen bei Standards wurden offenbart. In diesem Bereich zeigte sich die Mannschaft beim 1:1 gegen Regionalligist Rödinghausen verbessert.

Stärken & Schwächen

Im letzten Jahr krankte es beim FCM vor allem am Erspielen von Chancen. Wenn Mario Kvesic fehlte, gab es kaum Kreativität im Spiel, das Flügelspiel kam zu selten in Gang. Überraschungsmomente gab es kaum, was vor allem in der Anfangsphase der Saison, als viele Teams dem Ex-Zweitligisten die Favoritenrolle zuwiesen und sich tief staffelten, ein Problem war. 49 Tore wurden nur von den beiden Schlusslichtern Jena und Großaspach unterboten.

Christian Beck kommt immer noch große Bedeutung zu, die Abhängigkeit von „Beckus“ ist groß. Sören Betram schien Abhilfe zu schaffen, steuerte jedoch nach dem Jahreswechsel nur noch zwei Tore bei. Ob es mit Brünker, der mit seinen sechs Toren im Vorjahr seine persönliche Bestleistung im Profibereich aufstellte, besser wird, bleibt abzuwarten. Sliskovic ist diesbezüglich jedoch eine gute Rolle zuzutrauen. Mit ihm und den weiteren Neuzugängen im Zentrum könnte die spielerische Lösung nun sogar zur Stärke werden.

Keine Sorgen mussten sich FCM-Fans um die Abwehr machen. Einzig Ingolstadt kassierte weniger Tore. In der Verteidigung gab es keine Abgänge, mit Korbinian Burger kam sogar eine zusätzliche Option dazu. Ob in Dreier- oder Viererkette, Magdeburg war stets schwer zu knacken.

Thomas Hoßmang vom 1. FC Magdeburg

Thomas Hoßmang ist erstmals Chef-Trainer in der 3. Liga. ©Imago images/Christian Schroedter

Der Trainer

Als mit Thomas Hoßmang ein Mann aus der Nachwuchsarbeit zum Saisonende als dritter Mann an der Seitenlinie installiert wurde, wirkte er FCM plötzlich deutlich frischer. Dass Hoßmang jungen Spielern wie Julian Weigel eine Chance gab, trug sicher dazu bei.

Weggefährte Petrik Sander beschrieb ihn im Interview mit Liga-Drei.de besonders im charakterlichen Bereich und als Motivator stark, gleichzeitig ist er sehr von seinem Weg überzeugt. Wie die Reihe der verabschiedeten Spieler zeigt, scheut er auch keine unpopulären Entscheidungen. Taktisch hat Flexibilität bei ihm Vorrang, weswegen ein Spieler wie Jürgen Gjasula bei ihm Gold wert ist: Mit ihm kann im Zweifel selbst während des Spiels zwischen Dreier- und Viererkette gewechselt werden.

Die mögliche Startelf

Mögliche Aufstellung des 1. FC Magdeburg

Mögliche Aufstellung des 1. FC Magdeburg

Fazit & Prognose

So dramatisch wie es zeitweise im letzten Jahr zuging, wird es 2020/21 nicht. Mit dem Aufstieg wird der FCM aber auch nichts zu tun haben. Die Breite im Kader wurde zwar erhöht, jedoch kamen keine Drittliga-Spitzenspieler. Wir erwarten den 1. FC Magdeburg daher im Mittelfeld um Platz 10 in einer erneut sehr engen Liga.

Wie sind die anderen einzuschätzen? Hier geht es zu den übrigen Teamchecks.