1860 München: Bekiroglu gereift für neue Aufgaben

Keine Sorgen trotz Vertragsende im Sommer

Autor: Luis Hagen Veröffentlicht: Samstag, 11.04.2020 | 08:30

Efkan Bekiroglu bei 1860 München

Der Löwe im Raum: Efkan Bekiroglu. ©Imago images/Kolbert Press

In jedem Sommer laufen zahlreiche Verträge aus. So auch in der 3. Liga. Bisher konnten sich die meisten Spieler sicher sein, recht schnell wieder handelseinig zu werden. Diese Zeit scheint  – vor dem Hintergrund von Corona und der damit verbundenen wirtschaftlichen Schieflage an den meisten Drittliga-Standorten    nun erst einmal vorbei. Doch es gibt Spieler, die sich trotz eines bevorstehenden Vertragsendes keine Sorgen um einen  Arbeitsplatz machen müssen. Liga-Drei.de stellt einige dieser Kandidaten vor. Heute: Efkan Bekiroglu.

Inmitten der zahllosen Mitstreiter aus den Abteilungen des eher handwerklich organisierten Fußballspiels fallen seine Fähigkeiten in der 3. Liga genauso aus der Reihe wie die Stimme eines Edeltenors in einem stimmlich eher schlicht aufgestellten Kirchenchor. Efkan Bekiroglu  ist ein Fußball-Ästhet, ein Streichler des Balles, ein Meister des Zuspiels in die Brennpunkte. Es sind nicht die eigenen Treffer, die ihn unverwechselbar machen. Auch nicht jene direkten Torvorbereitungen, die als Assist festgehalten werden.

Es ist das Erkennen des oftmals nur einen Augenblick lang und nur einen Spalt breit freigewordenen Raumes, das den Mann mit der Nr. 20 auf dem Rücken des Trikots der Münchner Löwen zu einer echten Fußballrarität in dieser Spielklasse machen kann. 

Als die Sechziger, die sämtliche neun Spiele seit der Genesung des Oberschenkelmuskels ihres Spielmachers nicht verloren haben, Ende Februar letztmals daheim an der Grünwalder Straße in Aktion treten durften und kurz vor dem letzten Atemzug den starken Chemnitzer FC 4:3 besiegen konnten, hat Löwen-Coach Köllner seinem Schützen und Gestalter in der anschließenden Matchkonferenz eine Art Expertise gewidmet.

„ An der Ökonomisierung seines Spiels arbeiten. ”
Sechzig-Coach Köllner über seinen Fußballkünstler

Mit viel Lob, doch mit ebenso vielen Lernhilfen sagt Köllner sagt über Efkan Bekiroglu:

„Wir hätten ohne ihn nicht so viele Torchancen herausgespielt.“

„Er will jedem unserer Spiele etwas Besonderes geben.“

Und als gute Ratschläge für die nächsten Karriereschritte hat der Fußball-Lehrer, der als Löwen-Coach seit seinem Amtsantritt Anfang November 2019 kein einziges Match verloren hat, dem Fußballkünstler in seinem  Team sogleich noch dies mit auf den Weg gegeben:

„Efkan Bekiroglu täte gut daran, an der Ökonomisierung seines Spiels zu arbeiten.“

Damit könnte gemeint sein: Bekiroglu sollte besser nicht alles in Personalunion erledigen wollen. Nicht jeden Weg gehen, nicht jeden Eckball treten, nicht jede Aktion übernehmen wollen. Motto: Aus ein wenig weniger Omnipräsenz eines Einzelnen kann so viel mehr werden für das große Ganze. Und:

„Er muss lernen, auch dann weiterzuarbeiten, wenn einmal etwas schiefläuft.“

Der Hintergrund dieser Bemerkung ist entstanden, als Bekiroglu nach einem fatalen Fehlpass, den die Chemnitzer zu einem Treffer nutzten, abwinkend stehengeblieben war. 

Doch auch dieses Spiel mit den Gesten gehört zu Bekiroglu wie der feine Touch in seinem rechten Fuß. Eigene fußballerische Missetaten kränken einen Hauptdarsteller, wie er dies in jedem Wimpernschlag eines Spiels sein möchte, derart, dass er die Arbeit am liebsten zur Strafe niederlegen würde.

Neues Management, neuer Verein?

Michael Köllner mag sich inzwischen denken können, dass er seinen, wie er selbst sagt, „fußballerischen besten Spieler“, in diesem Sommer wohl verlieren wird. Schließlich hat Bekiroglu vor kurzem sein Management gewechselt. Dies tut ein Fußballprofi in der Regel vor allem dann, wenn das neue Management mit einem konkreten, attraktiven Karrieresprung um die Ecke kommt.

Schon im letzten Winter soll es für Bekiroglu, über den Teamkollege Mölders sagt, dass er „an fast allen Angriffen seines Team beteiligt“ sei, Anfragen von Klubs aus der 2. Bundesliga gegeben haben. Denen aber seien die Entscheider bei den Löwen mit einer abschreckenden Ablöseidee entgegengetreten. Doch nun ist Bekiroglu frei. Vogelfrei. In alle Richtungen.

Den Traum von der Bundesliga hatte der Freistoßspezialist vor wenigen Jahren auch schon beim FC Augsburg entwickelt. Dort war er in der U23 aktiv und häufig  einer der Besten. Doch der Weg nach oben blieb ihm dort versperrt. Wie so häufig bei Spielern, deren Entwicklungspotenziale im eigenen Haus eher stiefmütterlich bewertet werden. Motto dort: Einmal Lehrjunge, immer Lehrjunge. Vielleicht war es auch in Augsburg so.

Vielleicht aber hat es einfach nur Zeit gebraucht, bis Efkan Bekiroglu diese Reife aufzubringen in der Lage ist, um so stabil zu sein wie er jetzt wirkt. Mit 24 Jahren inzwischen scheint er erwachsen geworden zu sein. Und offenbar bereit für neue Aufgaben…