Alex Dercho: „Ein Kämpfer braucht immer ein Ziel.“

Interview mit Osnabrücks Routinier

Alexander Dercho vom VfL Osnabrück

Alex Dercho kämpft täglich gegen Schmerzen an. ©Imago/Osnapix

Alexander Dercho ist schon fast mit dem VfL Osnabrück verwachsen. Der 31-jährige Außenverteidiger spielt mit einem Jahr Unterbrechung seit 2009 bei den Lila-Weißen und hat Aufstieg wie Abstieg miterlebt. Mit uns hat er über den guten Saisonstart, seine Verletzungsprobleme und das anstehende Duell mit dem Nachbarn aus Lotte gesprochen.

Herr Dercho, wie viel Spaß macht der Blick auf die Tabelle derzeit?
Alexander Dercho: „Momentan lässt sich die Tabelle natürlich gut lesen. Es macht einfach wieder Spaß nach der schwierigen letzten Saison.“

Hätten Sie der Mannschaft vor der Saison diesen Klasse-Start zugetraut?
Dercho: „Schwer zu sagen. Es gab ja einen relativ großen Umbruch im Sommer. Wir haben uns viel erhofft. Dass es dann aber so gelingt: Das hätte keiner zu träumen gewagt.“

Wir haben einen guten Kabinen-Geist. (über den Zusammenhalt beim VfL)

Manuel Farrona Pulido sprach bei uns im Interview über den „geilen Zusammenhalt“ innerhalb der Mannschaft. Wie äußerst sich dieser?
Dercho: „Wir haben einen guten Kabinen-Geist, machen aber auch außerhalb des Trainingsgeländes untereinander was. Das schweißt zusammen. Generell herrscht eine gute Mischung zwischen Jung und Alt. Die Jungen lassen sich von den Älteren helfen und nehmen deren Erfahrung an. Die Älteren lassen sich inspirieren von der Frischheit und Coolness der Jungen.“

Sie selbst müssen seit dem sechsten Spieltag verletzungsbedingt zuschauen. Wie sehr schmerzt das?
Dercho: „Das ist schon sehr schmerhaft. Nach der einjährigen Pause durch den Knorpelschaden war ich heiß, habe viel gearbeitet und bin auch top zurückgekommen. Dann warf mich diese Verletzung wieder zurück. Momentan sieht es aber wieder ganz gut aus. Auch wenn kein Tag vergeht, an dem ich keine Schmerzen spüre. Aber damit muss man wohl leben. Ein Kämpfer braucht immer ein Ziel, deswegen hört man nicht auf.“

Es vergeht kein Tag, an dem ich keine Schmerzen spüre. (über seine Verletzungen)

Wie kämpfen Sie sich denn zurück?
Dercho: „Seit dieser Woche trainiere ich wieder ganz normal mit der Mannschaft. Davor das ganz normale Reha-Programm und die Laufeinheiten für die Fitness. Also alles das, was keinen Spaß macht (lacht).“

Sehen wir Sie dann bald wieder zurück auf dem Feld?
Dercho: „Ja, davon gehe ich fest aus. Es fehlt noch ein bisschen die Fitness und die Form, aber beides sollte in den nächsten zwei Wochen da sein.“

Sie haben beim VfL Osnabrück schon viel erlebt. Wie sehr hat sich der Verein über die Jahre verändert?
Dercho: „Großartig verändert hat er sich nicht. Der VfL Osnabrück ist ein Familienverein, der von seinen Fans lebt. Es ist alles ein großes Miteinander. Eine tiefgreifende Veränderung gibt es daher nicht.“

Ohne die Fans wäre der VfL nicht das, was er ist. (über die Rolle der Anhänger)

Bei Ihrem Comeback Anfang der Saison wurden Sie von den Fans besonders gefeiert. Was macht für Sie das Publikum an der Bremer Brücke aus?
Dercho: „Das war ein richtig, richtig schönes Gefühl, so eine Wertschätzung für seine Arbeit zu bekommen, die man fast ein Jahrzehnt dort abgeliefert hat. Generell haben wir aber auch ein kritisches Publikum. Der harte Kern ist aber immer da. Egal ob wir gut oder schlecht spielen. Ohne die Fans wäre der VfL nicht das, was er ist. Wer leben schon sehr von dem Support.“

Selten war die Defensive so stabil wie momentan. Worauf legt Trainer Daniel Thioune in dieser Hinsicht besonderen Wert?
Dercho: „Wir trainieren eigentlich gar nichts spezielles in der Defensive. Das ganze Teamgefüge stimmt einfach. Jeder arbeitet nach hinten mit, beim Stürmer oder den offensiven Mittelfeldspielern angefangen. Das sind ja gerne mal die Positionen, die sich rausnehmen, wenn es nach hinten geht. Bei uns ist das nicht so. Jeder spult Kilometer ab und das macht uns defensiv so stark.“

Wurde innerhalb der Mannschaft ein konkretes Saisonziel ausgeben?
Dercho: „Wir haben uns gezielt kein Ziel gesetzt und wollen Woche für Woche Vollgas geben. Unser Anspruch ist es, das maximale herauszuholen. Das bedeutet: Fleißig Punkte sammeln wie die Eichhörnchen.“

Es geht schon um das Prestige in der Stadt. (über das Duell mit den Sportfreunden Lotte)

Am Samstag geht es im Nachbarschaftsduell gegen die Sportfreunde Lotte. Das letzte Aufeinandertreffen endete mit einem kuriosen 3:2-Sieg für Osnabrück. Inwieweit ist dieses Spiel noch im Hinterkopf?
Dercho: „Eigentlich gar nicht. Diese Spiele werden relativ schnell abgehakt. Wir freuen uns alle auf das Spiel und fahren mit einer breiten Brust nach Lotte.“

Kann man gegen Lotte als Osnabrücker eigentlich von einem Derby sprechen?
Dercho: „Eigentlich nicht. Traditionell gesehen ist da natürlich Münster und Meppen ganz weit vorne. Aber die Lotteraner spielen ja gefühlt eine Hausecke weiter, viele Spieler leben in Osnabrück oder man sieht sich in der Stadt. Das Spiel hat nicht unbedingt Derbycharakter, aber es geht schon ein bisschen um das Prestige innerhalb der Stadt.“

Nach einem schwachen Saisonstart hat Lotte die Kurve gekriegt. Worauf müssen Sie bei den Sportfreunden besonders achten?
Dercho: „Wir werden nicht besonders auf Lotte achten, sondern auf uns und unser Spiel durchziehen. Dann muss Lotte mehr auf uns achten, als wir auf die.“

Herr Dercho, vielen Dank für das Gespräch!

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