Andreas Hinkel: „Nicolas Sessa ist der klassische Zehner-Typ“

Interview mit Ex-Nationalspieler

Eine echte Verstärkung für Aalen: Nicolas Sessa (r.). ©Imago/Revierfoto

Mit der Verpflichtung von Nicolas Sessa gelang dem VfR Aalen im Sommer ein echter Glücksgriff. Der quirlige 22-Jährige erkämpfte sich auf Anhieb einen Stammplatz und ist unter Trainer Argirios Giannikis im offensiven Mittelfeld gesetzt. Zuvor spielte er eineinhalb Jahre in der zweiten Mannschaft des VfB Stuttgart unter Andreas Hinkel.

Mit dem ehemaligen Profi, der 22 Länderspiele für Deutschland absolvierte und gerade seinen Fußballlehrer macht, haben wir über seinen ersten Eindruck von Sessa, dessen Veranlagung und Vergleiche mit Lionel Messi gesprochen.

Herr Hinkel, Sie machen gerade die Fußballlehrer-Ausbildung, wie läuft es?
Andreas Hinkel: „Wir haben intensive Wochen hinter uns. Es ist sehr interessant, aber auch anstrengend, ständig zu reisen. Die positiven Eindrücke überwiegen aber auf jeden Fall.“

Könnten Sie sich eine dauerhafte Doppelbelastung Lehrgang/Trainerjob, wie sie etwa Daniel Bierofka hat, vorstellen?
Hinkel: „In meinem Lehrgang haben ungefähr die Hälfte diese Doppelbelastung. Ich bin froh, dass es bei mir momentan nicht so ist und ich mich ganz auf den Fußballlehrer konzentrieren kann. Das habe ich bewusst mit dem VfB Stuttgart damals so entschieden. Herr Reschke (Sportvorstand des VfB, Anm. d. Red.) hat mir damals geraten, während des Fußballlehrers keine Mannschaft zu haben, weil der Lehrgang schon intensiv genug ist.“

Man merkte sofort, dass er ein Schlitzohr ist. (über seinen ersten Eindruck von Nicolas Sessa)

Zuvor waren Sie beim VfB für die U23 verantwortlich, wo Sie mit Nicolas Sessa arbeiteten. Was war Ihr erster Eindruck von ihm?
Hinkel: „Ich habe ihn schon in der Jugend von Hoffenheim gesehen. Er war ein sehr guter Fußballer und der gute erste Eindruck hat sich bestätigt, als er zu uns kam. Er war jung, hatte aber schon Erfahrungen im Herren-Bereich gesammelt.

Man merkte sofort, dass er ein Schlitzohr ist, der durch einzelne Aktionen ein Spiel entscheiden kann. Er macht Sachen, die keiner erwartet. Solche Fußballer gefallen mir generell. Der Erfolg mit den vielen Toren und Vorlagen, die er damals bei uns hatte, spricht für ihn.“

17 Tore und neun Vorlagen gelanngen Sessa für die zweite Mannschaft der Schwaben.

Unter Andreas Hinkel (m.) bestritt Nicolas Sessa (l.) 38 Spiele für den VfB Stuttgart II. ©Imago/Pressefoto Baumann

Ihnen und einigen anderen jungen Spielern wie Timo Hildebrand oder Kevin Kuranyi gab damals Felix Magath beim VfB das Vertrauen. An wen Ihrer alten Kollegen erinnert Nicolas Sessa Sie am ehesten?
Hinkel: „An keinen meiner ehemaliger Mitspieler. Der Vergleich mit Messi, der aufgrund seiner Spielweise und seiner Herkunft ab und zu kommt, ist hochgegriffen, aber es geht trotzdem in die Richtung. Er ist ein eher kleinerer Spieler und trotzdem relativ stabil. Er kommt mit dem Ball auf den ersten Metern gut weg.

Außerdem hat er einen starken linken Fuß, mit dem er gefährliche Pässe und Freistöße schlagen kann. Er ist eigentlich der klassische Zehner-Typ, wie es früher ein Krassimir Balakov auch war. Na gut, dann sind wir doch bei einem ehemaligen Mitspieler (lacht).“ 

Warum gelang Nicolas Sessa beim VfB Stuttgart der Sprung in den Profikader nicht?
Hinkel: „Allein, dass er im Kader war, ist schon sehr beachtlich. Das hat er sich durch starke Leistungen bei der zweiten Mannschaft erarbeitet. Als Trainer der zweiten Mannschaft hätte ich mir natürlich gewünscht, dass er Einsatzzeiten bei den Profis bekommt. Um einfach diese Leistung, die er bei uns gezeigt hat, zu belohnen. Warum er sich letztlich nicht durchsetzen konnte, kann ich aber nicht beurteilen.“

Wenn man die Situation positiv meistert, wächst man natürlich daran. (über den Abstiegskampf)

Im Sommer wechselte er zum VfR Aalen. Was haben Sie von ihm gesehen, seit er dort ist?
Hinkel: „Aktuell wenig. Dazu bin ich momentan zu viel unterwegs. Zuletzt habe ich ihn beim Testspiel zwischen Aalen und dem VfB Stuttgart getroffen. Ich war etwas überrascht. Der VfR hat eine gute Mannschaft, die stark spielt, sich aber zu selten belohnt. Ich hoffe, dass die Aalener die nötigen Punkte zum Klassenerhalt noch holen.“

Ist der Abstiegskampf für einen jungen Spieler ein Risiko oder eher eine wertvolle Erfahrung?
Hinkel: „Es ist auf jeden Fall eine wertvolle Erfahrung. Letztlich kann man einige Sachen aus solchen Situationen lernen. Wenn man die Situation dann noch positiv meistert, wächst man natürlich daran.“

Herr Hinkel, vielen Dank für das Gespräch!

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