Chapeau, Dorian Diring

Die besondere Leistung des 15. Spieltags

Dorian Diring beim Spiel von Waldhof Mannheim auf dem Weg zum Tor

Schlüsselspieler. Dorian Diring ragt bei Aufsteiger Waldhof Mannheim derzeit heraus. ©imago images/foto2press

Wer Dorian Diring zuhört, der wird gefangen von seinem umwerfenden Charme: Gleich mit den ersten gesprochenen Sätzen gefällt Diring mit einem ausgeprägten französischen Akzent, der sich in sein erstaunlich umfangreiches Vokabular der deutschen Sprache mischt. Und ebenso nachhaltig gewinnt der blonde Mittelfeld-Antreiber seine Betrachter mit seinem Mienenspiel, in dem viel Lebensfreude steckt, das amüsiert und große Sympathien freisetzt. Wenn es stimmt, dass ein Gesicht das Schaufenster der Seele ist, dann glauben wir von Liga-Drei.de dies dank Diring gern.

Dieser Dorian Diring spricht und gestikuliert, rollt seine Augen, runzelt seine Stirn und spielt mit seinen Lippen genau so frech, engagiert und kreativ wie er zuvor auf dem Spielfeld der schmucken Aspacher Arena Fußball gespielt hat. Der 3:0-Triumph des SVW Mannheim war eine eindrucksvolle Dorian-Diring-Show. Ein Sahnetag des blonden Gestalters und Schützen mit der Trikot-Nummer 8.

Wir halten nochmals fest: Mannheims ersten Treffer mit einem Eckball vorbereitet, das 2:0 mit einem entschlossenen Flachschuss selbst erzielt und bei Tor Nummer drei hat er seinem in den offensiven Brennpunkten postierten Kollegen so punktgenau serviert, dass der mit einem Kopfballtreffer erfolgreich sein konnte. Macht 15 Ligaspiele, drei Treffer und acht Assists für Diring. So mischt er mit im Scorer-Ranking der 3. Liga. Und so ist er einer der auffälligsten Waldhof-Buben der Neuzeit.

Falko Götz holte „den Franzosen“ nach Aue

Und so ist er, „der Franzose“, wie er als Fußballer landauf-landab genannt wird, der wohl beste Diring, seit er als Fußball-Teenager aus der Ausbildung von Racing Straßbourg in die Ausbildung von Hertha BSC wechselte. Mit hochbegabten Landsleuten Dirings hatte Hertha BSC damals gute Erfahrungen gemacht: Der flinke Dribbler Traoré (heute Gladbach) und der Innenverteidiger-Hüne Samba schafften bei Hertha den Sprung in die Bundesliga und ließen sich gut weiterverkaufen. Doch Diring blieb nur eine Spielzeit in Berlin.

Wegbereiter. Falko Götz (l.) holte Dorian Diring 2013 zum Zweitligisten Erzgebirge Aue. ©imago images/Karina Hessland

Falko Götz ist heute in der Kaderplanung bei Bayer Leverkusen aktiv. Früher hat er dort als Mittelstürmer Tore erzielt und 1988 mitgeholfen, den Uefacup nach Leverkusen zu holen. Lange Zeit war Götz ein wichtiger Hoffnungsträger von Hertha BSC. Seit seiner langen, vielfältigen und exponierten Trainervergangenheit dort, blieb er stets ein Insider dieses Klubs.

Und mit Diring hatte er eine Vision: „Dorian war erst 20 damals, doch er hat mich bereits mit einer recht männlichen Spielweise beeindruckt. Sein Antrieb war aggressiv, furchtlos und obendrein kreativ. Er konnte fighten, mitreißen und er konnte gestalten“, erinnert sich Falko Götz an seine Beweggründe, diesen jungen Diring nachzuholen zum FC Erzgebirge Aue in die 2. Bundesliga. Zu jenem Klub schließlich, der es mag, primär für Mentalität, Fleiß und fürs Anpacken zu stehen.

„Diring und Aue – das war kein Fehler“, umschreibt Götz, wohlwissend, dass es auch besser hätte laufen können. Von 70 möglichen Einsätzen in Liga und Pokal erlebten die Aue-Fans ihren „Franzosen“ mit der 23 auf dem Trikotrücken 29 Mal auf dem Spielfeld. Nun ja, die Konkurrenz im Aue-Mittelfeld war groß, der Tabellenstand irgendwann kritisch, Erfahrung wichtiger als Förderung, einige Blessuren kamen zur falschen Zeit und obendrein wurde Götz in Dirings zweitem Aue-Jahr frühzeitig durch Stipic ersetzt.

Mannheim – Straßbourg im Pendelverkehr

Dennoch blieb Diring zwei weitere im Fußball-Osten: Beim Halleschen FC übte er zwei Jahre lang die 3. Liga, die er heute so auffällig zu dominieren pflegt. Die Entscheidung, sich vor anderthalb Jahren zunächst eine weitere Spielklasse tiefer, also die Regionalliga auszutoben, war von zwei unterschiedlichen Argumenten gesteuert: Von einem persönlichen und einem sportlichen: Nach zweimaligem knappen Scheitern war sich Diring sicher, dass die 3. Liga nun im Waldhof endlich realisierbar sein müsse. Und natürlich ist auch ein zweites Motiv verständlich: Mannheim liegt nur eine Autostunde von Straßbourg entfernt. Dort ist er inzwischen wieder glücklich heimisch und pendelt jeden Tag gern.

Als Diring nun beim Übertragungssender Magenta-Sport sein Glück über den ersten Dreier nach fünf sieglosen Mannheimer Spielen beschrieb, bemerkte er freudestrahlend: „Das tut uns richtig gut jetzt.“  Er sagt auch dies wieder so einnehmend, als würde diese Aussage sogleich auch das Fußballerleben Dorian Dirings treffend darstellen wollen.

In 14 Tagen muss Diring allerdings seine fünfte gelbe Karte absitzen. Fünf Verwarnungen in 15 Spielen. Die Expertise von Falko Götz hat eben keine Schwächen: Diring spielt aggressiv und furchtlos, kann fighten und mitreißen. Manchmal eben auf Kosten einer gelben Karte. Immerhin hat Diring sogleich eine neue Idee entwickelt: „Es kotzt mich zwar an, dass ich ausgerechnet Zuhause gegen Ingolstadt  zuschauen muss. Doch dafür werde ich mich dann bei unseren Fans auf der Ost blicken lassen.“

Übrigens: Dass Dorian Diring seine Gemütslage nicht sonderlich salonfähig beschrieben hat, fällt ebenfalls nicht negativ ins Gewicht. Sein Charme und sein Mienenspiel lenken auch diese kleine Anstößigkeit in ein schier anderes Licht…

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