Chapeau, Timo Königsmann

Die besondere Leistung des 21. Spieltags

Timo Königsmann gegen Marius Kleinsorge

Hielt gegen Meppen Ball und Sieg fest: Timo Königsmann (hinten). ©Imago images/Eibner

Diesen Ligastart ins neue Fußballjahr hatte sich Meppens Coach Christian Neidhart wahrlich ganz anders vorgestellt. Neunmal waren seine Powerkicker aus dem Emsland seit der unnötigen 1:2-Niederlage am 5. Oktober 2019 in Rostock unbesiegt geblieben. Und nun wollten sie daheim gegen die neuen Waldhof-Buben auf dem Weg in die Spitzengruppe den Triumphmarsch vervollständigen und auch im zehnten Match bestehen.

Warum daraus nichts wurde, fasst Neidhart im Gespräch mit Liga-Drei.de mit der ihm typischen Gelassenheit und Deutlichkeit zusammen: „Mannheim hat zweimal auf unser Tor geschossen und dabei einen Treffer erzielt. Wir hatten ein Dutzend Torabschlüsse und haben nichts getroffen. Außer: Die sich aufopferungsvoll reinschmeißenden Verteidiger sowie Arme, Beine und Körper des starken Torwarts.“

Meppens Stürmer zur Verzweiflung gebracht

In der Tat scheint ein Blick auf den Liveticker des „Mannheimer Morgen“ Neidharts Sonderlob für Timo Königsmann, diesen Tausendsassa zwischen den Pfosten des Mannheimer Tores, rundum zu bestätigen:

88. Minute: Starke Reaktion! Königsmann bringt Evseev zur Verzweiflung.
87. Minute: Meppen schießt aus allen Lagen aufs Tor – ohne Erfolg. Königsmann bekommt immer seine Finger dazwischen.
76. Minute: Fast der Ausgleich! Nach einer Amin-Ecke köpft Komenda. Doch Königsmann fliegt und lenkt den Ball an die Latte!
45. Minute: Eine Ecke von Amin kommt gefährlich Richtung Meppener Tor, doch Königsmann ist entschlossen zur Stelle.

„Timo war ein wachsamer Rückhalt, hat ein paar Unhaltbare super pariert und so das 1:0 seines Teams über die Zeit gerettet“, beschreibt Neidhart weiter.

So gut wie diesmal noch nie gesehen. (Neidhart über Königsmann)

Natürlich kennt der Trainer aus Niedersachsen den Torwart aus Niedersachsen schon lange. Von 2007 bis 2017, also zehn Jahre lang, war Hannover 96 die Ausbildungsstätte des SV-Meppen-Bezwingers Timo Königsmann. Und so gibt Neidhart zu: „So gut wie diesmal habe ich ihn noch nie gesehen.“

Deshalb werfen wir an dieser Stelle einen Blick auf den bisherigen Weg des Timo Königsmann, für den eine Musterkarriere bereitzustehen schien: Zehn Jahre Ausbildung bei Hannover 96. Dort schon als Junior in den Bundesligakader aufgerückt. Zwischen 2013 und 2016 regelmäßig in den Auswahlteams des DFB eingesetzt.  Doch der Schein trügt.

Königsmann geriet in einen Strudel voller überschwänglicher Karriereprognosen, die nur selten Realität erlangen. Der Ausbildungsspezialist Daniel Bauer vom VfL Wolfsburg war vor einigen Jahren bei Hannover 96 als Co-Trainer des U23-Teams aktiv und somit zwei Spielzeiten lang auch mit dem Entwicklungsprozess dieses großen Torwarttalents beschäftigt. Er erinnert sich gut an die Zusammenarbeit mit Königsmann, die nicht frei von Problemen war.

Timo imponierte mit schnellen Reflexen. (Hannovers ehemaliger U23-Co Daniel Bauer)

„Timo war unser Flieger. Imponierte mit schnellen Reflexen. Doch er bildete mit Sulejmani und Dierßen ein Trio, das bei 96 damals zu früh mit der Last ausgestattet wurde, sich im Bundesligakader behaupten zu müssen. So wurden alle Drei ein Stückweit verheizt, weil ihnen die Chance genommen wurde, in einer spielerischen Atmosphäre stressfrei zu wachsen“, analysiert Daniel Bauer einen Konflikt, der im Umgang mit den Bundesliga-Azubis häufig auftaucht.

Genauso wie bei Sulejmani und Dierßen ließ auch bei Königsmann der erhoffte Anstieg der Leistungspotenziale in Hannover auf sich warten. „Timo hätte es gebraucht, täglich mit dem U23-Team zu trainieren, um sich dort mit den Kollegen einspielen zu können“, sagt Bauer, der einst für Eintracht Trier in der 2. Bundesliga sowie für Union Berlin, 1.FC Magdeburg und in der 1. Liga Finnlands als Mittelfeldstratege aktiv war. So geriet auch Königsmanns Dasein in Hannover zu einer sportlichen Knechtschaft.

Niclas Bahn, Timo Königsmann, Benjamin Henrichs bei der U17 Nationalmannschaft

Einladung vom DFB: Timo Königsmann in der U17 zwischen Niclas Bahn (l.) und Benjamin Henrichs. ©Imago images/Aleksandar Djorovic

Denn Bundesliga-Reservisten bleiben meist Fremdkörper und Störenfriede, egal, wo sie sich bewähren müssen. Sie gehören nicht zur Bundesliga, weil sie dort nicht die Erfahrung machen, wirklich gebraucht zu werden. Und zum U23-Team gehören sie auch nicht, weil sie zum Spielen in der Regionalliga antreten, ohne dort eingespielt zu sein.

So machte Timo Königsmann in Hannover keine Fortschritte mehr. Trotz aller Vorschusslorbeeren und Förderungen des DFB. Im April 2015 absolvierte er einen Elite-Torwartlehrgang unter der Leitung von Bundestorwarttrainer Andreas Köpke. Da kann ein junger Mann wie Königsmann fatalerweise vom Glauben überwältigt werden, es nun bereits geschafft zu haben.

Die Karriere geriet zum Chaos

Doch das Gegenteil war der Fall. Die Karriere geriet zum Chaos: Ein Wechsel nach Fürth sollte den Durchbruch in der 2. Bundesliga realisieren. Ein fataler Trugschluss! Heraus kam ein bisschen Bayern-Liga im dortigen U23-Team und sonst nichts.

Mit dem Sprung zum VfR Aalen wollte sich Königsmann über die 3. Liga im Profifußball etablieren. Auch diese Idee geriet zu einer Milchmädchenrechnung. Königsmann absolvierte kein einziges Ligaspiel und obendrein stieg der Ostalbklub in die Regionalliga ab.

Dorthin aber wollte Königsmann nie wieder. Doch wo ist Platz für einen Gestrauchelten wie Königsmann in einer so bedeutenden Position wie der des Torwarts?

Beim Waldhof Wiedersehen mit Sulejmani

Im Frühsommer des vorigen Jahres ist diese neue Generation der Waldhof-Buben in die 3. Liga gerast. Mit 28 Siegen in 34 Spielen. Mit 18 Punkten Vorsprung auf den Tabellenzweiten aus Saarbrücken. Mit 88 Treffern und einer Rückrunde ohne Niederlage. Sein alter Kumpel Valmir Sulejmani hat die meisten Treffer beigesteuert und sich so in die Herzen der gewaltigen Mannheimer Fangemeinde gespielt.

Wir wissen nicht, wie viel Einfluss Sulejmani daran hat, dass Timo Königsmann nun abermals im selben Team aktiv ist. Doch Sulejmanis Votum hat durchaus Gewicht im Waldhof-Fußball. Und weil Bernhard Trares, Mannheims Vordenker, Hauptfigur und Lehrmeister in Personalunion, an der Seite seines Aufstiegs-Keepers Markus Scholz noch Bedarf ausmachte, erhielt Sulejmani-Spezi Timo Königsmann einen der drei Torhüterplätze für die Expedition 3. Liga.

Mit 22 Jahren gehört Königsmann auch heute noch zu den Jüngsten zwischen den Pfosten in dieser Liga. Doch wie es scheint, hat sein Torwartspiel jetzt plötzlich eine Entwicklung aufgenommen, die ihn zu einer festen Größe in diesem so schwierigen Metier des Fußballspiels reifen lassen könnten.

Seine Arbeitsbilanz ist erstaunlich und somit bereits ein wichtiger Bestandteil des Mannheimer Höhenfluges in der 3. Liga: Seit sich Königsmann nicht nur auf dem Trikot mit der Nr.1 zeigt, sondern den Torwartjob nach der schweren Verletzung von Scholz auch übernommen hat, mussten die Waldhof-Kicker in 14 Spielen erst zwei Niederlagen einstecken. Stattdessen haben sie mit Timo Königsmann als Rückenhalt sieben Siege und fünf Remis, also 26 Punkte geholt.

Auswärts im gelben Trikot des Spitzenreiters

Und der aktuelle Triumph in Meppen macht auch aufs Neue deutlich, warum der Tabellendritte 23 seiner 36 Punkte in der Fremde gewinnen konnte:
Trares legt nicht viel Wert auf Hurra-Fußball, wenn er ihn nun einmal nicht für erfolgsversprechend hält. Auswärts sind derlei Marschrouten des puren Kalküls leichter zu gestalten als in der eigenen Arena. So gab es in den Stadien der Gegner noch keine Niederlage, doch schon sechs Siege.

In der Auswärts-Tabelle ist Mannheim längst Erster. In Meppen, wo Mannheims Fußball nun obendrein nachträglich Revanche genommen hat für die Relegationsniederlage 2017, siegten die Waldhof-Kicker übrigens ganz in Gelb. So recht gewöhnen mögen sie sich nicht daran.

Vielleicht hilft hier der Blick in den Radsport. Wer dort ein gelbes Hemd trägt, ist vorne. Genauso wie der SVW Mannheim in der aktuellen Auswärtstabelle der 3. Liga.
Wenn Timo Königsmann mit seinen Fliegerqualitäten jetzt auch noch daheim sein Tor sauber hält, wird sich Mannheim im Aufstiegsrennen zu einer festen Größe etablieren. Der 1. FC Magdeburg kommt nun zur ersten Nagelprobe…

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