Chemnitzer FC: Garcia mal schlauer Fuchs, mal Windhund

Keine Sorgen trotz Vertragsende im Sommer

Autor: Luis Hagen Veröffentlicht: Freitag, 10.04.2020 | 08:00
Rafael Garcia beim CFC

Rafael Garcia erzielte in dieser Saison bisher vier Tore und bereitete sieben weitere vor. ©Imago images/Picture Point

In jedem Sommer laufen zahlreiche Verträge aus. So auch in der 3. Liga. Bisher konnten sich die meisten Spieler sicher sein, recht schnell wieder handelseinig zu werden. Diese Zeit scheint  – vor dem Hintergrund von Corona und der damit verbundenen wirtschaftlichen Schieflage an den meisten Drittliga-Standorten    nun erst einmal vorbei. Doch es gibt Spieler, die sich trotz eines bevorstehenden Vertragsendes keine Sorgen um einen  Arbeitsplatz machen müssen. Liga-Drei.de stellt einige dieser Kandidaten vor. Heute: Rafael Garcia vom Chemnitzer FC.

Im Frühsommer des Jahres 2018 haben sich David Bergner und Thomas Sobotzik an die Arbeit gemacht. Ihr neuer Auftrag lautete, den Chemnitzer FC sofort wieder in die 3. Liga zurückzusteuern. Dafür mussten und wollten sie eine weitgehend neue Mannschaft aufbauen. 

Bei der Suche nach einem schnellen, drahtigen, wendigen Tempodribbler, der ihren beiden vorhandenen wuchtigen Centerstürmern als verlässlicher Zulieferer verwertbarer Vorarbeiten dienlich sein könnte, stießen sie auf einen Außenstürmer, der mit seinem fußballerischen Repertoire punktgenau hineinzupassen schien in das neue strategische Konzept des CFC.

Sie klemmten sich an die Fersen von Rafael Garcia. 

Wenn Wunschspieler nicht gerade um die Ecke wohnen

Doch es gab große Zweifel in Chemnitz. Denn häufig, wenn dort Spieler auf der Wunschliste stehen, die, wie David Bergner es formuliert, „nicht gerade aus einem Ort kommen, der um die Ecke liegt“, mussten sie sich auf Widerstände gefasst machen.

Rafael Garcia musste zwar nicht – wie es sein Name vermuten lassen könnte – direkt aus dem südspanischen Valencia in die zweitgrößte sächsische Metropole transportiert werden. Doch auch die Bereitschaft eines Karrieresprunges aus dem hiesigen Fußball-Westen hinüber in den wirtschaftlich und atmosphärisch kriselnden Chemnitzer FC galt keineswegs als leicht realisierbar damals.

Rafael Garcia ist in Aachen geboren und aufgewachsen. Eine Stadt, die mit ihrer katholischen Tradition geeigneter kaum sein konnte für eine Familie, die ihre spanischen Wurzeln dort optimal pflegen konnte. Garcia spielte für Alemannia Aachen, Fortuna Düsseldorf und RW Oberhausen 156 Mal in der Regionalliga West, erzielte 31 Treffer und bereitete mindestens ebenso viele Tore vor. 

„Uns war klar damals“, berichtet David Bergner im Gespräch mit Liga-Drei.de, „dass wir Garcia nur dann holen würden, wenn wir keine großen Überredungskünste anwenden müssten. Dieser Spieler konnte uns in Chemnitz auf unserem Weg nur dann helfen, wenn er diese extreme räumliche Veränderung aus eigenem Antrieb heraus wirklich realisieren wollte.“

Erst durchgebissen, dann aufgestiegen

Doch nach mehreren Gesprächen hat Bergner das sichere Gefühl entwickelt, diesen Spieler tatsächlich holen zu können. „Rafael wirkte vorbereitet auf den Fußball-Osten. Er versicherte uns, dass er genau diese neuen Erfahrungen sammeln, für uns spielen und in Chemnitz gemeinsam mit seiner Ehefrau leben wollte“, erklärt der Fußball-Lehrer weiter. Viele Spieler, die in der Vergangenheit zum CFC kamen, verbrauchten viele ihrer Energien auf der Autobahn für ständige Heimfahrten. Auch damit sollte Schluss sein. Doch Garcias Bereitschaft schien glaubwürdig. 

David Bergner beim CFC

Gutes Auge: David Bergner holte Garcia zum CFC. ©Imago images/Picture Point

Leicht freilich sei der Anfang freilich keineswegs gewesen, erinnert sich Bergner, doch Rafael hat sich durchgebissen in Chemnitz und hat dann mit seinen vielen Torvorbereitungen einen riesigen Anteil unserer Rückkehr in die 3. Liga beitragen können.“ Die Chemnitzer Aufstiegsstatistik hält Garcias Anteil mit fünf Treffern und 19 Assists fest.

In der aktuellen Bestandsaufnahme des CFC rangiert Rafael Garcia mit seinen Leistungspotenzialen erstmals in seiner Karriere auch eine Fußball-Etage höher unter den wertvollsten Spielern. Nicht immer zwingend für jeden Beobachter auffällig, doch immer fleißig und pflichtbewusst auch im Verteidigungsspiel mithelfend und sich dann mit großem Geschick und dem sicheren Gespür für den bestmöglichen Vorstoß in die Brennpunkte des Offensivspiels einbringend.

„ Einer der am meisten unterschätzten Spieler. ”
David Bergner über Garcias Entwicklung

„Die 3. Liga steht für Robustheit und Physis. Weil Garcia beides nicht verkörpert – ich betone: verkörpert – ist er einer am meisten unterschätzten Spieler in dieser Spielklasse“, ergänzt Bergner seine Expertise. Er selbst ist seit September des vorigen Jahres nicht mehr an Bord. Bergner ging selbstbestimmt aus Solidarität zum angefeindeten und entnervt aufgebenden Sportchef Sobotzik. 

Doch Garcia blieb, spielte und siegte. Wer 25 dieser 27 Ligaspiele absolviert und auch in der Pokalschlacht gegen den großen HSV bravourös performt und dabei insgesamt vier Treffer und acht Torvorbereitungen beizutragen vermag, der muss in seinem inneren Kern wohl in der Tat widerstandsfähiger ausgestattet sein als dies optisch den Anschein hat.

Solcherlei Anerkennendes für Rafael Garcia hat Liga-Drei.de auch aus den Reihen jetziger und ehemaliger Teamkollegen aufnehmen können. Stellvertretend bemerkt Oberhausens Kapitän Jannik Löhden dies: „Rafa tut einer Mannschaft in allen Belangen gut: Als Spieler ist er eine Mischung aus Windhund und schlauer Fuchs, der nur schwer einzufangen ist. Und in der Kabine ist er ein stets frohgelaunter Typ, den wir noch eine Zeitlang vermisst haben.“

In Chemnitz, dies steht wohl fest, würden sie ihren „Rafa“ noch weitaus mehr vermissen. Wenn er denn nun – nach zwei erfolgreichen Spielzeiten – die Himmelblauen wieder verlassen würde …

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