Dynamo Dresden: Erst das Stadion verhüllt, dann Siegeszug gestartet

Lumpi Lambertz blickt auf ein ganz besonderes Ereignis zurück

Autor: Luis Hagen Veröffentlicht: Donnerstag, 08.10.2020 | 07:40
Andreas Lambertz bejubelt ein Auswärtstor an der Alten Försterei.

75 Pflichtspiele bestritt Andreas Lumpi Lambertz für die SGD. ©imago images/Hentschel

Als Liga-Drei.de Andreas Lumpi Lambertz nach seinem größten Erlebnis in seiner Ära als Publikums-Liebling bei Dynamo Dresden befragt, hat er die Antwort wie aus Pistole geschossen parat: „Weiß ich noch ganz genau: 31. Oktober 2015. Ost-Derby zuhause gegen Magdeburg. Das ist der Tag, an dem bei uns in Dresden die größte Blockfahne zu sehen war, die jemals in einem Fußball-Stadion vor einem Match platziert worden ist“, erzählt Lumpi Lambertz und ist dabei sogar in der Lage, damalige Emotionen zu reaktivieren:

„Irre, diese Bilder. Einfach irre und unvergesslich, wie 30.000 Dynamo-Fans die vier Tribünen mit einem einzigen riesigen Stück Stoff zu einer gelben Wand 40 Meter hoch aufgerollt haben und fast eine Viertelstunde lang darunter ihre Hymne gesungen haben. Ich bekomme auch heute noch eine Gänsehaut, wenn ich daran denke“, berichtet Lumpi somit weiter, denn er ist sich sicher, Augenzeuge und Mitglied eines Fußball-historischen Ereignisses gewesen zu sein.

In einem Atemzug mit Christo

Unter der Rubrik „Kunst im öffentlichen Raum“ könnte das Vorzeige-Event der SG Dynamo Dresden gute Chancen besitzen, eines Tages in einem Atemzug mit der spektakulären Verhüllung des Berliner Reichstags im Jahre 1995 durch den weltberühmten Künstler Christo aufzutauchen.

Der Reporter von „Radio Dresden“ jedenfalls hat sich damals beängstigend heiser geschrien, als er seinen Hörern das Szenario mit beeindruckenden Hintergrund-Informationen beschrieben hat: 380 Quadratmeter Stoff, 70 Kilometer verbrauchter Garn, 860 Tage Arbeit, 15 runtergewirtschaftete Nähmaschinen – dies alles und viel mehr ist dabei draufgegangen, um auf den vier Tribünenseiten diese Botschaft in die Welt des Fußballs zu transportieren. Der Verein mit den – besten Fans – und Legenden aus – Elbflorenz.

Viel Auftrieb dank Lumpi auf dem Trikot & Neuhaus auf der Bank

Lambertz war zuvor 13 Jahre lang bei Fortuna Düsseldorf aktiv. Dort aufgewachsen, dort Profi geworden und imponierte von der Oberliga bis zur Bundesliga nach sämtlichen Ligasprüngen in jeder neuen Spielklasse als Zweikampf-Spezialist. 341 Profispiele für Fortuna sind ein beeindruckendes Zeugnis. Landauf-landab nannten sie ihn Lumpi.

Zum Auftakt seines Wirkens bei Dynamo Dresden hat er eine ihm bedeutende Angelegenheit rechtzeitig klären können. Endlich wollte er eine Art Lebensmotto legalisiert wissen: Für immer und überall Lumpi. Und so beantragte er in seiner zuständigen Meldestelle die Genehmigung zur Verwendung dieses Künstlernamens.

So steht nun Lumpi seit 2015 auf der Rückseite seines Personalausweises. Gestempelt und versiegelt und somit akzeptiert von den relevanten Fußballverbänden DFB und DFL.

über den Künstlernamen auf dem Trikot
„ Dieses neue Schaufenster hat mir tatsächlich zusätzlich einen spürbaren Auftrieb gegeben. ”
Lumpi Lambertz

Will heißen: Sämtliche 75 Spiele im Trikot mit Nr. 17 von Dynamo Dresden zwischen 2015 und 2018 absolvierte er mit dem unübersehbaren Aufdruck des Namens Lumpi.

„Dieses neue Schaufenster hat mir tatsächlich zusätzlich einen spürbaren Auftrieb gegeben“, bemerkt Lumpi hörbar erheitert. Die zweite frische Triebfeder war Uwe Neuhaus. Der wollte mit dem nimmermüden Vorkämpfer bereits einige Jahre zuvor zusammenarbeiten und ihn den Fans an der Alten Försterei als Geschenk präsentieren.

Nirgendwo werden Fußball-Arbeiter wie Lumpi so begeisterungsfähig ins Herz geschlossen wie bei Eisern Union. Dachten Neuhaus und Lambertz. Bis die Anhängerschaft von Dynamo Dresden ihren Lumpi mit der Trikot-Nr. 17 dermaßen in ihre Herzen schloss, dass heute noch eine Vielzahl darunter sind, die immer noch nachtrauern.

Choreo der SGD-Fans.

Die Choreo der Dynamo-Fans gegen Magdeburg 2015. ©imago images/Robert Michael

Denn die Lambertz-Ära in Dresden war lange Zeit spektakulär und erfolgreich gesteuert von Neuhaus und Lambertz. Nachdem der beschriebene Rekord der Dresdner Stadionverhüllung überwältigend gemeistert worden war, hat Dynamo den 1.FC Magdeburg mit 3:2 besiegt. Und an diesem Tag einen so stabilen Siegeszug durch die 3. Liga gestaltet, dass die Ligameisterschaft und der Aufstieg in die 2. Bundesliga zu einem wahren Triumphmarsch geraten war.

Nach drei Liga-Aufstiegen mit Fortuna Düsseldorf war dies Ligasprung Nummer vier für Lumpi Lambertz. „Wir haben in diesem brutalen Fußball-Marathon nur zweimal verloren, 78 Punkte geholt und so das Aufstiegsrennen souverän gewonnen“, schwärmt Lumpi uns vor. Zum Vergleich: Der 1.FC Magdeburg wurde zwar Tabellenvierter. Indes: Mit 22 Punkten Rückstand.

über seine drei Jahre in Dresden
„ Dynamo war eine tolle Entscheidung. ”
Lumpi Lambertz

Der Aufstieg in die 2. Bundesliga wäre beinahe zu einer weiteren überragenden Erfolgsgeschichte geraten. Mit 50 Punkten wurde Dynamo zwar nur Fünfter, doch bis zum Endspurt um die Aufstiegspositionen mischte Dynamo furios mit. „Da haben wir doch den VfB Stuttgart tatsächlich mit 5:0 weggefiedelt“, bemerkt Lumpi betont flapsig, weil es ihm heute noch Freude macht, über seine Jahre bei Dynamo Dresden zu sprechen. „Dynamo war eine tolle Entscheidung. Uwe Neuhaus war ein großes Glück. Doch mein Körper konnte nicht mehr“, sagt Lumpi jetzt.

Und so ist er nun endgültig nicht mehr aktiv. Was in seiner dritten Dynamo-Spielzeit nicht mehr korrigierbar war, ist nun Gewissheit: Zwei Hüftgelenke mit starker Artrosebildung lassen es nicht mehr zu, so Fußball zu spielen wie Lumpi nun einmal von seiner Grundeinstellung her nur spielen mag: Mit voller Pulle und vollem Einsatz.

seine Prognose für die SGD
„ Dynamo wird das knacken und eine starke Saison hinbekommen. ”
Lumpi Lambertz

Jetzt ist er als Trainer aktiv, assistiert dem Fußball-Lehrer und Ausbildungs-Spezialisten Nico Michaty. Beide haben das Regionalliga-Team von Fortuna Düsseldorf in einen beinahe perfekten Ligastart gesteuert. Ob ihn die jungen Kerle, die er jetzt zu Bundesligaprofis machen will, Lumpi nennen dürfen, wollen wir wissen.

„Na klar, was denn sonst!“, ruft uns Lambertz zu. An Dynamo denkt er freilich auch und bedauert, nicht live am TV dabei sein zu können, weil sein Fortuna-Team parallel selbst aktiv ist. Lumpi drückt die Daumen: „Dynamo wird das knacken und eine starke Saison hinbekommen.“

Nun, wie ein gutes Omen wirkt immerhin dies: Genau wie im Oktober vor fünf Jahren geht es auch an diesem Samstag gegen den 1. FC Magdeburg.

 

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