Fortuna Köln: Interview mit Ex-Spieler Oliver Westerbeek

"Bei Fortuna scheint die Mentalität zu stimmen."

Oliver Westerbeek, ehemaliger Fortuna Köln Akteur

Oliver Westerbeek (3 v. r.) war mit Fortuna Köln noch in der 2. Bundesliga aktiv. ©Imago/Pressefoto Baumann

Neben 142 Partien in der 1. Bundesliga absolvierte Oliver Westerbeek auch 115 Spiele in der 2. Liga – 55 davon im Dress von Fortuna Köln. Im Interview mit Liga-Drei.de blickt der 51-Jährige auf die damalige Zeit zurück, begründet eine mögliche Rückkehr der Fortuna ins deutsche Fußball-Unterhaus und gesteht, welcher Trainer seine Laufbahn am meisten gefördert hat.

Als gebürtiger Kölner und ehemaliger Spieler der Fortuna dürften Sie die Lage in der Südstadt sicherlich verfolgen. Wie bewerten Sie die aktuelle Situation?
Oliver Westerbeek: „Die aktuelle Situation ist natürlich sehr gut, ich bin ehrlicherweise auch etwas überrascht. Vor der Saison hätte ich das nicht für möglich gehalten, dass die Fortuna ernsthaft um den Aufstieg mitspielt.

Die Mannschaft hat aber das Potenzial, auch wenn einige Spieler mit Verletzungen fehlen. Was Uwe Koschinat dort Jahr für Jahr auf die Beine stellt, gerade auch im Hinblick auf die finanziellen Mittel, ist wirklich bemerkenswert.“

In der letzten Saison konnte sich das Team von Trainer Uwe Koschinat erst spät in der Saison retten, nun spielt Köln in der 3. Liga vorne mit. Wie erklären Sie sich diesen Aufschwung?
Westerbeek: „Ich denke, dass viele Dinge in dieser Saison einfach stimmen. Die Mentalität innerhalb der Mannschaft scheint gut zu sein, zudem existiert eine gute Mischung aus erfahrenen und jungen Spielern. Fortuna hat sicherlich auch einen guten Start erwischt, was viele Dinge vereinfacht hat.“

57-mal durften Sie sich das Fortuna-Trikot überziehen, damals war Köln bereits zweitklassig unterwegs. Welchen Stellenwert hatte die Fortuna damals in der Stadt?
Westerbeek: „Natürlich musste man sich auch früher dem großen 1. FC Köln unterordnen, aber dennoch hatte Fortuna einen festen Platz in der Stadt. Der Verein war damals als kleiner, familiärer und sympathischer Klub bekannt. Zudem gab es kaum Skandale.

Es war ein familiärer, sympathischer Verein. (über das damalige Image der Fortuna)

Mit Bernd Schuster und Toni Schumacher konnte der Verein zudem zwei absolute Weltstarts als Trainer holen. Das hat natürlich dazu beigetragen, dass die Fortuna auch überregional bekannter wurde.“

Was hat sich in den vergangenen Jahren Ihrer Meinung nach in der Wahrnehmung der Fortuna in der Stadt verändert?
Westerbeek: „Das ist schwer einzuschätzen. In der 2. Bundesliga war der Zuschauerschnitt sicherlich etwas höher, auch durch die Fans der Auswärtsmannschaften. Aber die 3. Liga hat für die Fortuna-Anhänger sicherlich auch ihren Reiz. Vielleicht ist es für viele sogar angenehmer, in der 3. Liga um den Aufstieg, als in der 2. Bundesliga gegen den Abstieg zu spielen.

Das war ja bis auf wenige Ausnahmen immer der Fall. Nach dem Spiel will man als Zuschauer zudem eher über einen Sieg reden, als immer belächelt zu werden. Doch ich denke, dass Fortuna auch heute noch ein Verein mit hohem Identifikationspotenzial ist.“

Inwieweit haben Sie noch Kontakt zu Ihren ehemaligen Fortuna-Mitspielern?
Westerbeek: „Hin und wieder sieht man noch bekannte Gesichter, bei mir ist das auch beruflich bedingt der Fall. Da kreuzen sich die Wege teilweise. Olaf Renn ist aktuell beispielsweise als Physiotherapeut beim Chemnitzer FC aktiv. Er versucht immer möglichst viele Leute von damals zusammenzutrommeln, wenn der CFC mal in Köln spielt. Dann treffen wir uns immer im Hotel, reden über die früheren Spiele und genießen die Zeit.“

Kann es für Fortuna am Saisonende denn zum Aufstieg reichen?
Westerbeek: „Wenn Fortuna vom großen Verletzungspech verschont bleibt und zudem einige verletzte Akteure zurückkommen, sehe ich da schon eine Chance. Für mich ist es schwer vorstellbar, dass Köln abrutschen wird. Vielleicht gibt es jedoch den Nachteil, dass man im Gegensatz zu Paderborn oder Magdeburg keine größeren Nachverpflichtungen tätigen kann, weil einfach die finanziellen Mittel fehlen.

Köln hat keinen Druck. (über die Aufstiegschancen der Fortuna)

Natürlich muss man aber auch Glück haben. Magdeburg war in der letzten Spielzeit beispielsweise schon kurz davor, am Ende hat es ja bekanntlich nicht gereicht. Aber Fortuna hat keinen Druck, die Jungs können unbekümmert und befreit aufspielen. Wenn jemand nun sagen würde, dass der Verein aufsteigen muss, kann das in die falsche Richtung gehen.“

Oliver Westerbeek (MSV Duisburg) im Duell mit Guido Buchwald (VfB Stuttgart)

Oliver Westerbeek spielte zudem lange beim MSV Duisburg, dabei traf er auch auf Weltmeister Guido Buchwald vom VfB Stuttgart. ©Imago/Sportfoto Rudel

Sollte der FC absteigen und die Fortuna aufsteigen, käme es zum Stadtduell in der 2. Liga. Sie selbst haben das bereits miterlebt. Welche Emotionen sind damit verbunden?
Westerbeek: „Für mich als Kölner war das immer besonders früher. Auch für Spieler, die nie in der 1. Bundesliga aktiv waren, herrschte dann Bundesliga-Atmosphäre. Das Stadion war immer voll, Fortuna sah damals zudem gar nicht so schlecht gegen den 1. FC aus.

Ich kann mich noch an eine Saison erinnern, da waren sowohl der 1. FC als auch Fortuna nicht wirklich erfolgreich. Aber ein Stadtduell hat damals gereicht, um die Saison noch versöhnlich zu gestalten. Ein wenig wie Dortmund gegen Schalke. Das war schon immer ein Highlight.“

Können Sie sich noch an Ihren Führungstreffer beim letzten Aufeinandertreffen der beiden Vereine in der 2. Bundesliga erinnern?
Westerbeek: „Ich kann mich an fast alle meine Treffer erinnern, es waren ja auch nicht so viele (lacht). Von dem Treffer gibt es noch Videos, man wird noch öfters damit konfrontiert. Thomas Brdaric setzte sich auf rechts durch und legte dann zurück. Ich habe den Ball dann mehr oder weniger direkt genommen, bin aber auch ein wenig weggerutscht. Da war der Ball aber schon unterwegs.

Wir haben damals einen feinen Fußball gespielt und hatten gute Jungs bei uns. Die Kameradschaft war zu dieser Zeit überragend. Ich kann mir vorstellen, dass dies aktuell auch ein wichtiger Faktor bei der Fortuna ist. Ansonsten wäre die Elf von Uwe Koschinat vielleicht nicht in der Lage, die aktuellen Leistungen abzurufen.“

Die Kameradschaft war überragend. (über seine Zeit bei Fortuna)

Jean Löring prägte die Fortuna lange Zeit als Präsident, aktuell ist es um Köln zumindest medial ruhiger geworden. Sollte der Verein wieder mehr polarisieren?
Westerbeek: „Ich persönlich finde die aktuelle Konstellation gar nicht schlecht. Auch Uwe Koschinat dürfte froh sein, dass er in Ruhe arbeiten kann und ihm keine Leute von außen hereinreden. Das wirkt sich scheinbar ja auch positiv auf die Ergebnisse und die Tabelle aus. Aktuell braucht die Fortuna keine Nebenkriegsschauplätze, egal ob positiver oder negativer Art.“

Sie wurden beispielsweise von Bernd Schuster, Hannes Bongartz oder Winfried Schäfer gecoacht. Welcher Coach hat Ihre Karriere rückblickend denn am meisten gefördert?
Westerbeek: „Eigentlich hatte ich keinen schlechten Trainer in meiner Karriere, auch wenn man diese Dinge gerade als junger Spieler nicht immer objektiv betrachtet. Am meisten habe ich vielleicht jedoch von Ewald Lienen oder Friedhelm Funkel gelernt.

Von jedem Trainer habe ich jedoch etwas mitgenommen. Man sucht sich auch immer bestimmte Dinge heraus, die einem nützlich sein können. Doch unter Ewald Lienen hatte ich meine erfolgreichste Zeit, als Aufsteiger waren wir mir dem MSV Duisburg zeitweise auch Tabellenführer in der Bundesliga. Da passte einfach alles.“

Einige Ihrer Ex-Kollegen sind dem Fußball als Trainer oder Manager erhalten geblieben. Warum hat Sie die Beratertätigkeit mehr gereizt?
Westerbeek: „Das ging nach meinem Karriereende eigentlich recht schnell. In dem Jahr konnte ich durch meinen Schwiegervater Wolfgang Fahrian, auch ein ehemaliger Fortuna-Akteur, in die Branche einsteigen.

Zwar habe ich auch den Trainerschein gemacht, jedoch war eine Karriere an der Seitenlinie nie ein Thema. Die Beratertätigkeit hat mir gut gefallen, es hat Spaß gemacht. Aktuell arbeite ich mit Thomas Allofs zusammen. Ich habe es noch nie bereut, diesen Weg gewählt zu haben.“

Vielen Dank für das Interview, Herr Westerbeek!

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